Wilder Rucola, Platterbsen, Malve, Fenchel

Perfekte, wunderschöne, opulente Natur: Wildkräuterwandern im Frühling

Wildkräuter, Wildpflanzen. Wertvolle Nahrung für uns Menschen, denn im Gegensatz zu kulturell gezogenen und gepflegten Pflanzen wachsen sie aus eigener Kraft, häufig gar gegen den Widerstand der Menschen, und sind somit viel kraftvoller, und perfekt an ihre Umgebung angepasst. Diese Kraft, und alles was es braucht, um in der Gegend, in der du lebst, gesund zu bleiben: das geben die Wildpflanzen, die du isst, an dich weiter.

Salzgras

Wild & roh im Norden

Wildes Grün – so sieht es hier im Norden aus:

Fucus-Algen

Fucus-Algen

Salzgras

Salzgras



Was nicht fehlen darf, wenn wir im Norden Deutschlands unterwegs sind: ein Spaziergang im Watt, an der Nordsee. So ganz anders als der Atlantik daheim. Viel zu sehen gab es – Vögeln, Muscheln & Krebse, Quallen und anderes Getier. Und lecker zu essen: saftiges Salzgras & jetzt im Sommer eher schon leicht trockene Algen.

Direkt von der Hand in den Mund haben wir gefuttert, & auch welche mitgenommen. Zum Mittag gab es dann ein Picknick aus Pistazien, Gurke & Salzgras. Abends Algen zu Datteln & Gurke für mich bzw. zu Tomaten, Paprika & Sonnenblumenkernen für die Tochter.

Ein Tagesmenü übrigens, das mir viel besser bekommen ist als die pikant gewürzte Gourmetküche vor ein paar Tagen. Die mir am Folgetag ein leicht verkatertes Gefühl (leichtes Kopfweh, Abgeschlagenheit und so) beschert hat. Einfach ist eben einfach besser!

Entdeckungen

Wildkräuter – wie sehr sie mir fehlen! Ich möchte das Klima hier definitiv nicht mehr gegen das kalte Wetter in Deutschland eintauschen, aber was das wilde Grünzeugs betrifft, ist Deutschland wahrhaftig paradiesisch! Letztes Jahr um diese Zeit habe ich alle paar Tage tütenweise Beinwell, Borretsch, Giersch, Löwenzahn und vieles mehr nach Hause getragen. Und natürlich gegessen … was für eine Energie! Hier freue ich mich, wenn ich gelegentlich eine Handvoll wilden Fenchel oder ein paar Malvenblätter finde. Nun, hier hilft die Sonne, und die Tatsache, dass ich nicht soviel Energie brauche, um mich warm zu halten … mein Energielevel ist jedenfalls nach wie vor hoch. Obwohl die Wildkräuter noch immer karg sind, fast alles verdorrt, und das, was sich hält – Melde, Brombeerblätter – von aufräumwütigen Mitmenschen ausgerissen & abgeschnitten wird.

Gestern habe ich aber auf meiner Suche ein paar tolle Entdeckungen gemacht: ein Stück den Berg hoch stehen etliche Maronenbäume, Edelkastanien. Die reichlich Früchte tragen … es wird noch eine Weile dauern, bis die reif sind, aber ich freu mich schon drauf! Weiss zufällig jemand, ob die Blätter auch essbar sind? Vielleicht probiere ich sie nächstesmal einfach.

Was ich gestern, zum zweiten Mal, wieder ausprobiert habe, sind die Opuntien, die Kakteen. Die, an denen auch die Kaktusfeigen wachsen. Ich hatte im Frühjahr schon einmal ein Stückchen von einem Opuntienblatt probiert, das aber so unlecker gefunden, dass ich es gleich wieder ausgespuckt habe. Offenbar habe ich jetzt Bedarf daran entwickelt – jedenfalls fand ich es gestern ganz lecker. Geschält natürlich, um die Stacheln zu entfernen. Leicht säuerlich schmeckt das innere, erfrischend. Heute morgen habe ich es in einem Smoothie mit Melone vermixt, köstlich!

Ein Blatt von einem Feigenkaktus.

Laut Wikipedia, wenngleich nur im Zusammenhang mit der Nutzung als Futtermittel für Schafe und Ziegen erwähnt, haben Opuntien einen hohen Nährwert und sind reich an Wasser, Vitaminen, Kohlehydraten und Kalzium. Klingt ja schon mal nicht schlecht, oder?

Überlebensfähig

Ein toller Nebeneffekt der Urkost ist das Wissen über die Natur, insbesondere über Essbares aus der Natur, das sich so ganz nebenbei dabei ansammelt. Sogar bei denen in unserem nahen Umfeld, die nur uns beobachten, ohne die Urkost selbst zu leben: selbst mein Fastfood-liebender Sohn kennt so einiges an wildem Grünzeug, worauf er im Notfall zurückgreifen könnte. Die Tochter sowieso: auf unserem heutigen Spaziergang hat sie sich außer mit wilden Orangen (die sie mangels anderem Werkzeug mit den Zähnen geöffnet & dann aus der Schale gegessen hat) vor allem mit Unmengen von köstlichen Platterbsen-Blüten gestärkt. Die wachsen auch in Deutschland – sucht mal danach! Sie schmecken sahnig-süß, optimal für „Anfänger“ und Kinder.

Schön und lecker: Die Platterbse. Blüten und Blätter sind essbar!



Für die, die (noch) nicht so viele Wildpflanzen kennen, ist ein kleines Bestimmungsbuch in der Tasche praktisch – zum Beispiel dieses hier: Wildkräuter & Wildfrüchte bestimmen leicht gemacht. Die wichtigsten 125 Pflanzenarten. Oder, für die, die eher an ihr Mobile als an irgendwelche Bücher denken, bevor sie das Haus verlassen: eine entsprechende App fürs Smartphone. Ich habe mir mal ein paar davon angesehen (alle für’s iPhone):

  • „Wild Edibles Lite“, Steve Brill, gratis

    Sehr ausführlich & gut sortiert! Jede Pflanze ist ausführlich beschrieben: Foto, allgemeine Info, Verbreitung, Saison, Verwechslungsmöglichkeiten mit giftigen Pflanzen, Erkennungsmerkmale, Verwendung, Nährwerte, Rezepte (vegan!), medizinische Verwendung. Leider listet er nur Pflanzen, die in Nordamerika wachsen. Aber da die meisten davon weltweit innerhalb der gemäßigten Klimazone zu finden sein dürften, ist das ja nicht so schlimm. Die kostenlose App enthält neben einem Glossar und mehreren Seiten allgemeiner Informationen nur 20 essbare Pflanzen; in der Vollversion sind 165 Pflanzen enthalten. Letztere ist für stolze EUR 5,99 erhältlich – ein Preis, der sich in Anbetracht des Informationsgehaltes aber durchaus lohnen dürfte! Ich kenne keine andere Informationsquelle zu diesem Thema mit einer so optimal gebündelten Darstellung! Möglicherweise ist Steve Brill’s Buch Identifying and Harvesting Edible and Medicinal Plants (And Not So Wild Places) genauso gut – kennt jemand das zufällig? Allerdings ist es deutlich teurer & auch nicht ganz so handlich 😉

  • „Wild Plants Survival Guide“, US Army, EUR 1,59

    Obwohl ich sonst wahrhaftig kein Fan der US Army (oder irgendeiner anderen Armee) bin, hat mich diese App ebenfalls überzeugt. Nach einer Einleitung mit wiederholten Warnhinweisen bezüglich potentiell giftiger Pflanzen, einer Einführung in die Bestimmungsmerkmale von Pflanzen sowie einer ausführlichen Testanleitung für unbekannte Pflanzen werden insgesamt ca 110 essbare und 17 giftige Wildpflanzen aus den gemäßigten, tropischen und Wüstenzonen unserer Erde vorgestellt. Kartografisch ist jeweils nur das Vorkommen in den USA dargestellt, im Text werden aber auch weitere Verbreitungsräume genannt. Zu jeder Pflanze gibt es Fotos, eine Beschreibung der Merkmale, Vorkommen/Verbreitung, der essbaren Teile und evtl. Warnhinweisen. Rezepte gibt es hier natürlich nicht, aber dafür noch zusätzliche Vorschläge zur Nutzung der Pflanzen(teile) – z. B. die Nadeln an der Agave zum Nähen, Brennesselstiele zur Herstellung von Bändern usw. – ein Überlebenshandbuch eben. Insgesamt also ein über das Kennenlernen von Wildpflanzen hinaus hilfreiches Nachschlagewerk für Outdoor-Fans – zu einem sehr günstigen Preis.

  • „Wild Edibles“, Sergej Boutenko, EUR 2,39

    Um es kurz zu machen: eine Enttäuschung. Die App enthält eine Liste von 73 essbaren sowie 10 giftigen Wildpflanzen, jeweils nur Bild und Namen. Keine Beschreibung des Aussehens, Erkennungsmerkmale, des Vorkommens oder sonst etwas. Ansonsten außer den üblichen Warnhinweisen zum Verzehr von unbekannten Pflanzen nur noch allgemeine Hinweise auf Bücher, Experten und das Internet für weitere Informationen.

Wie ihr den Titeln wohl schon entnommen habt: alle Apps zum Thema sind ausschliesslich in englischer Sprache verfügbar. Etwas entsprechendes in deutsch konnte ich bisher nicht finden.