Grün grün grün

Es wird wieder grüner auf unseren Tellern: Borretsch im Bioladen (ja, ich habe ALLES aufgekauft! & es hat nicht lange gehalten 🙂 ), Löwenzahn & Spinat auf dem Bauernmarkt, Brombeerblätter beim Wandern oberhalb der Caldera – gemeinsames Futtern dort mit 3 begeisterten Kindern, die Tochter hat’s vorgemacht, die anderen beiden haben sich gefreut: „Das kann man essen?! Oh lecker, das will ich jetzt immer haben!“ (Yepp, ich auch! 🙂 )

Das dunkle Grün ist es, was wir so sehr brauchen. Chlorophyll, der grüne Pflanzenfarbstoff, in der Zusammensetzung fast identisch mit unserem roten Blutfarbstoff, dem Hämoglobin. Es hilft beim Aufbau neuer Blutzellen, hilft bei Entgiftung & Regeneration, unterstützt die Wundheilung & die Verdauung. Essbares Sonnenlicht. Energie pur. Mit all den Nährstoffen, die unser Körper benötigt: unter anderem die Vitamine A, C, K, B6, Folsäure. Auch B12, wenn wir die grünen Blätter ungewaschen verzehren, es darf auch gern mal ein bisschen Erde dranhängen (welches Lebewesen außer dem Menschen käme bitteschön auf die Idee, sein Essen vor dem Verzehr zu waschen?!?) Calcium, Kalium, Magnesium und so weiter liefert uns das Grünzeug auch, & jede Menge sog. sekundäre Pflanzenstoffe.

Also los, worauf wartet ihr? Bringt mehr Grün in euer Leben! Je dunkler, desto besser (ja, genau, Eisbergsalat schmeckt nach nix, weil nix drin steckt!) Spinat, Grünkohl, Petersilie, Feldsalat, Postelein und so weiter – und vor allem die Wildkräuter!

Wem das eigene Wahrnehmen dieser phantastischen Nahrung noch nicht reicht, möchte vielleicht mal hier weiterlesen: Warum grüne Pflanzen Krebs heilen können.

So sah gestern unser Speiseplan aus:

Entdeckungen

Wildkräuter – wie sehr sie mir fehlen! Ich möchte das Klima hier definitiv nicht mehr gegen das kalte Wetter in Deutschland eintauschen, aber was das wilde Grünzeugs betrifft, ist Deutschland wahrhaftig paradiesisch! Letztes Jahr um diese Zeit habe ich alle paar Tage tütenweise Beinwell, Borretsch, Giersch, Löwenzahn und vieles mehr nach Hause getragen. Und natürlich gegessen … was für eine Energie! Hier freue ich mich, wenn ich gelegentlich eine Handvoll wilden Fenchel oder ein paar Malvenblätter finde. Nun, hier hilft die Sonne, und die Tatsache, dass ich nicht soviel Energie brauche, um mich warm zu halten … mein Energielevel ist jedenfalls nach wie vor hoch. Obwohl die Wildkräuter noch immer karg sind, fast alles verdorrt, und das, was sich hält – Melde, Brombeerblätter – von aufräumwütigen Mitmenschen ausgerissen & abgeschnitten wird.

Gestern habe ich aber auf meiner Suche ein paar tolle Entdeckungen gemacht: ein Stück den Berg hoch stehen etliche Maronenbäume, Edelkastanien. Die reichlich Früchte tragen … es wird noch eine Weile dauern, bis die reif sind, aber ich freu mich schon drauf! Weiss zufällig jemand, ob die Blätter auch essbar sind? Vielleicht probiere ich sie nächstesmal einfach.

Was ich gestern, zum zweiten Mal, wieder ausprobiert habe, sind die Opuntien, die Kakteen. Die, an denen auch die Kaktusfeigen wachsen. Ich hatte im Frühjahr schon einmal ein Stückchen von einem Opuntienblatt probiert, das aber so unlecker gefunden, dass ich es gleich wieder ausgespuckt habe. Offenbar habe ich jetzt Bedarf daran entwickelt – jedenfalls fand ich es gestern ganz lecker. Geschält natürlich, um die Stacheln zu entfernen. Leicht säuerlich schmeckt das innere, erfrischend. Heute morgen habe ich es in einem Smoothie mit Melone vermixt, köstlich!

Ein Blatt von einem Feigenkaktus.

Laut Wikipedia, wenngleich nur im Zusammenhang mit der Nutzung als Futtermittel für Schafe und Ziegen erwähnt, haben Opuntien einen hohen Nährwert und sind reich an Wasser, Vitaminen, Kohlehydraten und Kalzium. Klingt ja schon mal nicht schlecht, oder?

Überlebensfähig

Ein toller Nebeneffekt der Urkost ist das Wissen über die Natur, insbesondere über Essbares aus der Natur, das sich so ganz nebenbei dabei ansammelt. Sogar bei denen in unserem nahen Umfeld, die nur uns beobachten, ohne die Urkost selbst zu leben: selbst mein Fastfood-liebender Sohn kennt so einiges an wildem Grünzeug, worauf er im Notfall zurückgreifen könnte. Die Tochter sowieso: auf unserem heutigen Spaziergang hat sie sich außer mit wilden Orangen (die sie mangels anderem Werkzeug mit den Zähnen geöffnet & dann aus der Schale gegessen hat) vor allem mit Unmengen von köstlichen Platterbsen-Blüten gestärkt. Die wachsen auch in Deutschland – sucht mal danach! Sie schmecken sahnig-süß, optimal für „Anfänger“ und Kinder.

Schön und lecker: Die Platterbse. Blüten und Blätter sind essbar!



Für die, die (noch) nicht so viele Wildpflanzen kennen, ist ein kleines Bestimmungsbuch in der Tasche praktisch – zum Beispiel dieses hier: Wildkräuter & Wildfrüchte bestimmen leicht gemacht. Die wichtigsten 125 Pflanzenarten. Oder, für die, die eher an ihr Mobile als an irgendwelche Bücher denken, bevor sie das Haus verlassen: eine entsprechende App fürs Smartphone. Ich habe mir mal ein paar davon angesehen (alle für’s iPhone):

  • „Wild Edibles Lite“, Steve Brill, gratis

    Sehr ausführlich & gut sortiert! Jede Pflanze ist ausführlich beschrieben: Foto, allgemeine Info, Verbreitung, Saison, Verwechslungsmöglichkeiten mit giftigen Pflanzen, Erkennungsmerkmale, Verwendung, Nährwerte, Rezepte (vegan!), medizinische Verwendung. Leider listet er nur Pflanzen, die in Nordamerika wachsen. Aber da die meisten davon weltweit innerhalb der gemäßigten Klimazone zu finden sein dürften, ist das ja nicht so schlimm. Die kostenlose App enthält neben einem Glossar und mehreren Seiten allgemeiner Informationen nur 20 essbare Pflanzen; in der Vollversion sind 165 Pflanzen enthalten. Letztere ist für stolze EUR 5,99 erhältlich – ein Preis, der sich in Anbetracht des Informationsgehaltes aber durchaus lohnen dürfte! Ich kenne keine andere Informationsquelle zu diesem Thema mit einer so optimal gebündelten Darstellung! Möglicherweise ist Steve Brill’s Buch Identifying and Harvesting Edible and Medicinal Plants (And Not So Wild Places) genauso gut – kennt jemand das zufällig? Allerdings ist es deutlich teurer & auch nicht ganz so handlich 😉

  • „Wild Plants Survival Guide“, US Army, EUR 1,59

    Obwohl ich sonst wahrhaftig kein Fan der US Army (oder irgendeiner anderen Armee) bin, hat mich diese App ebenfalls überzeugt. Nach einer Einleitung mit wiederholten Warnhinweisen bezüglich potentiell giftiger Pflanzen, einer Einführung in die Bestimmungsmerkmale von Pflanzen sowie einer ausführlichen Testanleitung für unbekannte Pflanzen werden insgesamt ca 110 essbare und 17 giftige Wildpflanzen aus den gemäßigten, tropischen und Wüstenzonen unserer Erde vorgestellt. Kartografisch ist jeweils nur das Vorkommen in den USA dargestellt, im Text werden aber auch weitere Verbreitungsräume genannt. Zu jeder Pflanze gibt es Fotos, eine Beschreibung der Merkmale, Vorkommen/Verbreitung, der essbaren Teile und evtl. Warnhinweisen. Rezepte gibt es hier natürlich nicht, aber dafür noch zusätzliche Vorschläge zur Nutzung der Pflanzen(teile) – z. B. die Nadeln an der Agave zum Nähen, Brennesselstiele zur Herstellung von Bändern usw. – ein Überlebenshandbuch eben. Insgesamt also ein über das Kennenlernen von Wildpflanzen hinaus hilfreiches Nachschlagewerk für Outdoor-Fans – zu einem sehr günstigen Preis.

  • „Wild Edibles“, Sergej Boutenko, EUR 2,39

    Um es kurz zu machen: eine Enttäuschung. Die App enthält eine Liste von 73 essbaren sowie 10 giftigen Wildpflanzen, jeweils nur Bild und Namen. Keine Beschreibung des Aussehens, Erkennungsmerkmale, des Vorkommens oder sonst etwas. Ansonsten außer den üblichen Warnhinweisen zum Verzehr von unbekannten Pflanzen nur noch allgemeine Hinweise auf Bücher, Experten und das Internet für weitere Informationen.

Wie ihr den Titeln wohl schon entnommen habt: alle Apps zum Thema sind ausschliesslich in englischer Sprache verfügbar. Etwas entsprechendes in deutsch konnte ich bisher nicht finden.

Entgiftung

Noch so ein häufig diskutiertes Thema bei RohköstlerInnen: Entgiftung. Besonders in der Anfangszeit, bei der Umstellung auf Rohkost, entgiftet der Körper deutlich. Je nach vorherigem Lebenswandel mehr oder weniger stark. Auf welche Art der Körper entgiftet, das ist individuell verschieden. Sehr häufig sind Schnupfen oder grippeartige Symptome, meist entsorgt der Körper große Mengen an Schleim. Oft kommt es auch zu Gewichtsverlust, selbst wenn vorher kein Übergewicht vorhanden war. Auch dies ist ein Weg zu entgiften: nicht optimal aufgebaute Körpermasse abbauen. Mein Körper hat in den ersten 3 Monaten mit Rohkost 10kg Gewicht abgebaut. Sobald ich einige Zeit später verstärkt Wildkräuter in meine Ernährung aufgenommen habe, bekam ich erst eitrige Entzündungen an den Fingern, dann wunde Brustwarzen, anschließend eine mehrere Wochen dauernde Nebenhöhlenentzündung mit starker Schleimbildung. Als Kind habe ich sehr häufig unter Mittelohr- und Mandelentzündungen gelitten – bis man mir schließlich die Mandeln entfernt hat. Möglicherweise stand die auf diesen Teil meines Körpers konzentrierte Reinigung damit im Zusammenhang. Oder vielleicht mit den Zähnen, an denen leider auch schon von Kindheit an viel behandelt wurde? Ich weiss es nicht, aber ich bin mir sicher, dass mein Körper immer die besten ihm zur Verfügung stehenden Wege nutzt, um Giftstoffe abzubauen & sich zu heilen.

Wie die meisten von uns habe ich die Rohkost erst relativ spät entdeckt & so ist es nicht weiter verwunderlich, dass mein Körper, der viele Jahre lang nicht gerade optimal ernährt wurde, nun auch seine Zeit braucht, um all die eingelagerten Gifte & Schlacken wieder loszuwerden. Ich kenne Rohköstler, die noch nach 20 Jahren die Reinigung von uralten Rückständen, z. B. extrem künstlicher Lebensmittel wie Gummibärchen, Kaugummi u. ä. feststellen. Solche Entgiftungen sind ihrer Beschreibung nach manchmal durch urplötzlich auftretenden Appetit auf das früher einmal Gegessene gekennzeichnet. Gibt man diesem Appetit nicht nach, befreit sich der Körper in der Folge von den noch vorhandenen Resten.

Die vielgepriesenen Wildkräuter sind nicht nur unentbehrlich für die Sättigung & die Versorgung mit allen Vitalstoffen, sie unterstützen auch die Entgiftung. Besonders auffällig ist das im Frühjahr, wenn wir nach einer mehr oder weniger langen Winterzeit wieder verstärkt Wildkräuter in unsere Ernährung aufnehmen … und damit nicht selten einen Reinigungsprozess unseres Körpers in Gang setzen. Diese „Erstreaktion“ ist somit nicht etwa ein Zeichen für eine Unverträglichkeit … also nicht erschrecken, sondern weiterhin täglich Wildkräuter essen, am besten zu jeder Mahlzeit!

Ein paar Sorten erkennt mit Sicherheit jedeR von euch: Löwenzahn, Gänseblümchen, Brennesseln, Giersch, Klee, Sauerampfer, … & so nach & nach erweitert sich das Spektrum von ganz alleine. Auch die zunächst noch ungewohnten Geschmäcker werdet ihr bald schätzen lernen. Bei Kindern & Anfängern meist beliebt sind Sauerampfer, Sauerklee, Vogelmiere, Lindenblätter, Melde, Platterbse … die schmecken alle recht mild. Auch der Geschmack von Brennesseln ist sehr angenehm; es erfordert nur ein wenig Übung sie zu pflücken & zu essen, ohne sich daran zu verbrennen. Für den Anfang können sie aber gut im Smoothie verwendet werden. Wie natürlich auch alle anderen Wildkräuter.

Optimal: regional & bio

Nach und nach haben wir inzwischen Quellen für unsere Nahrung gefunden – für unbehandelte frische Früchte & Gemüse aus regionalem Anbau, Mandeln, Sonnenblumenkerne, Datteln. Kokosnüsse. Nüsse und einige wenige Trockenfrüchte in Rohkostqualität haben wir auch entdeckt. Wir kaufen auf Bauernmärkten und am Biostand im Mercado Municipal in Puerto de la Cruz. Letzterer bietet außer (zertifiziertem) Bio-Obst & -Gemüse, sowohl lokalem als auch importiertem, auch einige Öle, Trockenfrüchte, Datteln, Mandeln & Nüsse.

Auch Wildkräuter wachsen hier überall reichlich. Wer den Blog in den letzten Wochen verfolgt hat, weiss schon einiges darüber. Momentan haben wir in der Nähe unseres Domizils Malve und Brennessel, unterwegs finde ich meist noch Kapuzinerkresse, wilden Fenchel, Vogelmiere … Löwenzahn, den, den ich aus Deutschland kenne, hab ich bisher nur einmal gesehen, und Giersch noch gar nicht.

Importierte Früchte sind hier übrigens ziemlich teuer. Auch das ein Grund, das regionale Angebot zu nutzen. Dafür gibt es aber noch weitere gute Gründe:

  • Höherer Vitalstoffgehalt – der lässt nämlich nach der Ernte kontinuierlich nach; je länger die Transportzeiten, desto geringer die Menge der verbleibenden Vitalstoffe.
  • Regional wachsende Pflanzen, insbesondere Wildpflanzen, sind optimal an die Region angepasst & können damit unserem Körper das geben, was er in seiner aktuellen Umgebung besonders braucht.
  • Geringere Mitwelt-Belastung durch kürzere Transportwege

Eine überwiegend regionale roh-vegane Ernährung ist in vielen Gegenden dieser Welt klimabedingt gar nicht oder nur zeitweise möglich. Z. B. in Deutschland. In dem Fall halte ich es für wichtiger, eine gute Versorgung sicherzustellen und dafür auf importierte Früchte zurückzugreifen. Wir können der Welt, in der wir leben, nur gut tun, wenn es uns selbst gut geht. Zu hungern oder Nährstoffmängel zu riskieren, hilft niemandem weiter. Wir sind entwicklungsgeschichtlich nun mal auf Früchte, besonders auf tropische Früchte, „geeicht“ – besser sie als Importware zu essen als gar nicht!

Was die Belastung der Mitwelt durch Transporte usw betrifft, so ist es tatsächlich so, dass der weitaus größte Energiebedarf nicht für den Transport der Früchte anfällt, sondern für deren Erzeugung und Lagerung. Eine Studie hat vor einigen Jahren sogar gezeigt, dass es unter ökologischem Gesichtspunkt besser ist, im Frühling in Nordamerika aus Neuseeland importierte Äpfel zu essen als die lokalen, die über den Winter in gigantischen Kühlhäusern gelagert werden. Ich nehme an, dass sich das in Deutschland ähnlich verhält!

Zusammenfassend: Frische Früchte und Gemüse sind gesünder als alles andere, was wir essen könnten. Egal, ob lokal oder importiert, und egal ob bio oder nicht. Eine Banane aus konventionellem Anbau ist immer noch weitaus besser als Bio-Käse. Und frische Orangen tun mir trotz konventioneller Anbaumethoden besser als Bio-Trockenfrüchte. Optimal ist sicher eine Ernährung aus lokaler, saisonaler, unbehandelter frischer pflanzlicher Nahrung. Ebenso wichtig ist aber eine möglichst große Auswahl unterschiedlicher Früchte & Gemüse, ggfs inklusive importierter Ware, zur Deckung des Vitalstoffbedarfs. Ich versuche, mich so weit wie möglich von regionalen, saisonalen und unbehandelten Früchten, Gemüsen & natürlich Wildkräutern zu ernähren, greife aber, wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, auf gute, saisonale & möglichst sonnengereifte Importware zurück. Und auch wenn ich es aus gutem Grund vermeide, pestizidbelastete Trauben, Beeren, Kirschen und ähnliches zu kaufen: lieber esse ich mal (geschälte) Früchte aus konventionellem Anbau als mich überwiegend von Nüssen und Trockenfrüchten in Bioqualität zu ernähren.

Die beste Quelle für Eiweiß …

… & Mineralien für den menschlichen Körper sind dunkelgrüne Blattgemüse: Spinat, Grünkohl, Wirsing, Mangold, Romana-Salat, Feldsalat, Pak Choy und natürlich ganz besonders Wildkräuter wie Löwenzahn, Brennessel usw.

Das spürt ihr, wenn ihr euch davon ernährt. Und wem das nicht reicht: es ist auch wissenschaftlich belegt, gut verständlich nachzulesen z. B. in Victoria Boutenko’s Buch „Green for Life: Grüne Smoothies nach der Boutenko-Methode

Ich finde hier im Norden von Teneriffa momentan eine reiche Auswahl: Sauerklee (büschelweise!), wilder Fenchel, Kapuzinerkresse, Brennesseln, Melde, Vogelmiere … & überall in schier unglaublichen Dimensionen:

Aloe Vera

Grüne Smoothies

Cantaloupe-Melone mit Brennessel

Victoria Boutenko hat sie mit ihren Büchern berühmt gemacht, aber nicht erst seitdem wissen wir alle, wie wichtig Grünzeug in unserer Nahrung ist. Am besten Wildkräuter, aber falls davon mal, z. B. jahreszeitbedingt, nicht genug zur Verfügung stehen, empfehlen sich auch einige Arten von Kulturgrün – in Bio-Qualität! (Falls ihr gelegentlich aus finanziellen Gründen auf Produkte aus konventionellem Anbau zugreift: macht das nicht ausgerechnet bei grünen Blättern, die ihr nicht mal schälen könnt. Und in denen dann, aufgrund der bodenauslaugenden Anbaumethoden, auch tatsächlich kaum noch welche der dringend benötigten Mineralstoffe drin sind.) Spinat, Feldsalat, Rucola, Grünkohl, Wirsing – bilden meinen bevorzugten Wildkräuter-„Ersatz“. Die dunkelgrüne Farbe & der zumindest im Vergleich zu Kopfsalat & Co noch relativ intensive Geschmack zeigen den einigermaßen hohen Gehalt an Mineralstoffen.

Für mich haben Gesundheit & Wohlbefinden & damit auch meine Ernährung viel mit natürlichem Leben zu tun – ich habe im Laufe der letzten Jahre immer wieder bemerkt, dass es mir am besten geht, wenn ich meine Nahrung so esse, „wie sie ist“ – also nicht gemixt, durcheinander gemischt oder sonstwie zubereitet. Am liebsten eine Frucht in der einen Hand, Wildkräuter in der anderen & dann immer abwechselnd zubeissen. Und gründlich kauen. 🙂

Warum schreibe ich dann hier einen Artikel über grüne Smoothies? Weil ich finde, dass dennoch vieles für deren Zubereitung spricht. Zum einen der Vorteil der besseren Vereinbarkeit mit einem modernen, zeitintensiven Arbeitsalltag: das gründliche Kauen = Verflüssigen der grünen Blätter, um sie gut verdauen zu können, braucht Zeit und Ruhe. Außerdem lassen sich Smoothies in Flaschen abgefüllt besser mitnehmen & sind wohl auch etwas „gesellschaftskonformer“ als eine Riesendose voller „Unkraut“ 😉

Vor allem aber sind grüne Smoothies ein hervorragender Weg, überhaupt (mehr) Grünzeug in die Ernährung aufzunehmen. Wer kaum Grün, geschweige denn Wildkräuter mit ihrem meist sehr intensiven Geschmack, isst, tut sich oftmals schwer damit, sich daran zu gewöhnen. Oder gar Gefallen daran zu finden – denn Essen soll ja schließlich Spaß machen & keine Pflichtübung sein. Auch die Konsistenz mancher Wildpflanzen, gründliches Kauen erfordernd & damit sehr ungewohnt für von der herkömmlichen Zivilisationskost verwöhnte Münder, ist gewöhnungsbedürftig. Man denke nur an Brombeerblätter im Winter – als ich mich denen vor Jahren zum ersten Mal genähert habe, konnte ich zu Anfang höchstens 1-2 Blätter runterkriegen. Gemischt mit süßen Früchten aber lassen sich leckere Getränke zubereiten. Zuerst mit wenig, dann immer mehr Grün drin, kann man den Körper genußvoll mit den wichtigen Mineralstoffen versorgen & sich dabei langsam mit dem Geschmack anfreunden.

Gerade für Kinder, die meist den süßen Geschmack bevorzugen, sind grüne Smoothies großartig. So können wir sichergehen, dass sie mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt werden. Die Vorbildfunktion allein reicht dafür leider nicht immer aus: Wenn ich beim Essen (immerhin bei jeder Mahlzeit, und zwischendurch, wenn wir draußen unterwegs sind) meine Wildkräuter futtere, animiert das meine Tochter durchaus nicht immer dazu, mitzumachen. Leckere grüne Smoothies nimmt sie aber gern! Mittlerweile mische ich in alles, was ich ihr zubereite, Wildkräuter oder anderes Grünzeug rein: Cremes, Dipps, Süssigkeiten, Cräcker. Unser Geschmackssinn, von Natur aus süß bevorzugend, wird eben auch geprägt durch unsere Erfahrungen. Und ihm so beizubringen, dass der Geschmack von Wildkräutern gleichbedeutend mit Genuss ist, halte ich für eine wichtige „Vorsorgemaßnahme“ für’s weitere Leben.

Im Sinne der guten Bekömmlichkeit & der Verwertbarkeit der Inhaltsstoffe aus den Früchten & Wildkräutern empfehle ich aber, für einen Smoothie nur eine oder zwei Fruchtsorten mit grünen Blättern zu mixen & auch keine allzu riesigen Portionen auf einmal zu trinken: bedenkt, was für eine riesige Portion Früchte, eventuell noch mehrere auf einmal, ihr sonst innerhalb weniger Minuten zu euch nehmt! Viel mehr, als ihr beim Essen vielleicht auf einmal schaffen würdet. Die Rückmeldung des Körpers über die Sättigung braucht nun mal länger als das Trinken eines solch gehaltvollen Smoothies.

Hier sind noch ein paar unserer Smoothies aus den letzten Tagen – als Anregung zum Nachmachen. Was sind eure liebsten Smoothie-Rezepte?

1/2 Mango, 1/2 Apfel, Ingwer, Brennesseln

1/2 Apfel, 1 kleine Banane, 1 frische Dattel, Brennesseln

M.'s Kreation: Banane-Brennessel-Mandelmus mit Gänseblümchen-Deko

Normalesser

Als mir vor einiger Zeit mal der Ausdruck „Normalesser“ (gemeint als Gegensatz zu uns Rohköstlern) herausrutschte, hakte meine Tochter sofort ein und meinte „Aber wir essen doch normal!“. Wobei ich ihr gern zustimme – normal im Sinne von „natürlich“ ist gewiss die Rohkost & nicht das Essen von erhitzten und von der Lebensmittelindustrie „verarbeiteten“ Nahrungsmitteln. Dennoch sind hierzulande wir die, die „anders“ essen. So anders, dass meine Beschreibungen unseres Essens der letzten Tage offenbar bei manchem Sorgen hinsichtlich Essstörungen und Unterernährung verursacht haben.

Zunächst einmal: mit ausschließlicher Rohkost braucht der Körper (zumindest nach einer gewissen Zeit) bei weitem nicht die Mengen, die ein Kochköstler benötigt. Was in Anbetracht des Nährwertes, des Gehalts an wertvollen Inhaltsstoffen (Vitaminen, Mineralien, Enzymen) offensichtlich ist – beim Kochen wird soviel davon zerstört, dass zur halbwegs ausreichenden Versorgung des Körpers eben viel mehr gegessen werden muss. Ganz zu schweigen von all den künstlichen Nahrungsmittel, Zusatzstoffen etc, mit denen der menschliche Körper überhaupt nichts anfangen kann. So ist er nach dem Essen zwar voll, verlangt aber noch immer nach Nährstoffen & meldet diesen Bedarf durch baldige neue Hungergefühle.

Wobei die Zusammenstellung der rohköstlichen Ernährung, die richtige Auswahl der Nahrungsmittel, natürlich durchaus eine Rolle spielt. Ganz wichtig ist es, genug Grünes zu essen – am allerbesten & wann immer möglich: Wildkräuter! Wildkräuter sind das absolute „Superfood“: sie enthalten weitaus mehr Vitalstoffe als jede Kulturpflanze. Vitamine, Mineralstoffe, Spuenelemente, Chlorophyll, Ballaststoffe, Enzyme, Aminosäuren in perfekter Ausgewogenheit. Das Chlorophyll in den grünen Blättern ist sozusagen essbares Sonnenlicht und entspricht in der Zusammensetzung dem Hämoglobin unseres Blutes und wirkt somit direkt blutbildend, stark entgiftend und vitalisierend. (Genaueres zum Wert der Wildkräuter z. B. hier). Und sie machen wirklich satt! Andere wichtige Komponenten sind sonnengereifte, chemiefrei (Tropen-)früchte & Fettfrüchte. Darüber & zur Abhängigkeit der „richtigen“ Zusammenstellung vom individuellen Bedarf habe ich an anderer Stelle schon einmal geschrieben.

Es besteht außerdem, was den Nährwert & auch den Sättigungseffekt angeht, ein großer Unterschied zwischen den in unseren Menüs genannten rohen „Naschereien“, wie z. B. Brownies, und deren Kochkost-Pendants. Ein gebackener Brownie enthält jede Menge tote Kalorien, sättigt aber kaum & nährt den Körper schon gar nicht. Ein roher Brownie besteht aus Mandeln, Datteln und Carob, enthält somit eine Menge Nährstoffe & macht satt! Mit einer Portion Pistazieneis isst meine Tochter ca. 2 Bananen, 1/2 Avocado, 1-2 Handvoll Pistazien & 1 Handvoll Wildkräuter – weit entfernt von einer zu spärlichen Portion, oder?

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr noch mehr über unsere Essgewohnheiten – wie/wann/was/wieviel wir essen: für die, die es ganz genau wissen wollen.

Wildkräuter

Den heutigen Vormittag haben wir auf dem Gelände eines Bio-Gutes verbracht. Hier gibt es viele Tiere & viel Platz zum Spielen für Kinder. Und Wildkräuter wachsen an allen Ecken: Brennesseln, Beinwell, Vogelmiere, Löwenzahn, Klee, Beifuß … sogar die ersten Melden dieses Jahres habe ich gefunden! Ich hatte eigentlich ständig Grünzeug in der Hand und im Mund. Wodurch sich aus den neugierigen Fragen anderer BesucherInnen einige interessante Gespräche ergeben haben. Es gibt doch etliche Menschen, die die Wildkräuter kennen & auch essen. Vielfach zwar – oh Schreck 😉 – gekocht, aber immerhin. Zumindest die Essbarkeit & der Nutzen für die Gesundheit sind vielen bekannt, auch wenn sie sie (noch) nicht essen mögen. Die Bedeutung der Wildkräuter lässt sich tatsächlich nicht genug betonen:

Rohkost ohne Wildkräuter, ohne wildes Blattgrün, funktioniert langfristig nicht. Trotz der im Vergleich zur üblichen Ernährung ja schon sehr gesunden, heilsamen Ernährung, wird der Körper auf Dauer nicht satt, weil ihm ohne Wildgrün Nährstoffe fehlen. Andererseits helfen Wildkräuter so effektiv beim Entgiften, versorgen uns so gut mit allem, was wir brauchen, dass sich auch einige „Ernährungssünden“ damit ausgleichen lassen. So berichten viele Menschen von der heilenden Wirkung, die die Aufnahme von Wildkräutern in ihre Ernährung erzielt hat. Ohne dass sie ihre sonstige Ernährung umgestellt hätten. Bei meiner Tochter, die, bedingt durch unser Lebensumfeld, schon gelegentlich mit Kochkost experimentiert, kann ich den zusätzlichen Entgiftungsschub (über die reinigende Wirkung der Rohkost hinaus) durch die Wildkräuter direkt beobachten. Gerade im Frühjahr, nach der langen Winterzeit ohne frisches Wildgrün, ist die Wirkung deutlich erkennbar. Das Verlangen des Körpers nach Wildkräutern. Der Energie-Kick, den sie bringen. Phantastisch! Das ist echtes Superfood. Und für jedeN kostenlos erhältlich!

Wie schon an anderer Stelle erwähnt: am besten schmecken (& tun) die Wildkräuter natürlich von der Hand in den Mund, frischgepflückt & unverarbeitet. Sie lassen sich geschmacklich wunderbar mit Früchten kombinieren – die Früchte mildern den eventuell noch ungewohnten, intensiven Geschmack des Grüns; das Grünzeug hingegen dämpft die Süße der Früchte optimal. Für die, denen das Essen pur (noch) schwer fällt, gibt es aber auch unzählige Rezepte, z. B. für grüne Smoothies. Jetzt im Sommer lassen sich auch leckere grüne Eiscremes herstellen. Eine wunderbare Basis dafür sind Bananen mit dem Lieblingswildkraut dazu (z. B. Brennesseln) – mixen, in Eisförmchen einfrieren, fertig ist ein leckeres, gesundes grünes Eis! Es lassen sich beliebig weitere Früchte dazumixen. Mit Beeren wird das Eis rosa, mit Carob dazu erhält man Schokoladeneis.

Lasst euch also nicht abschrecken, falls ihr die Wildkräuter nicht auf Anhieb mögt. Immer mal wieder probieren, auch verschiedene Arten, denn die geschmackliche Vielfalt ist groß – besonders mild und meist beliebt auch bei Kindern sind Vogelmiere, Sauerklee, Sauerampfer. Im Laufe der Zeit gewöhnt sich der Körper (wieder) an die „wilden“ Geschmäcker. Victoria Boutenko z. B. beschreibt in ihrem Buch „Green for life“, wie sie, nachdem sie eine Zeit lang grüne Smoothies getrunken hatte, plötzlich wirklichen Appetit auf die grünen Blätter entwickelte & so allmählich auch den Geschmack zu mögen begann. Ich habe zu Beginn meiner Rohkost-Zeit mit wenigen Blättern Löwenzahn zu viiiiel süßem Obst & auch mit Brennessel-Bananen-Smoothies begonnen … mein Appetit auf Grünes ist kontinierlich gestiegen & mittlerweile bilden die Früchte beim Essen eher die Beilage zu einem Berg Wildkräuter.

Brennesselgenuss

Zu meinen Lieblingswildkräutern gehören unbedingt die Brennesseln. Zu dieser Jahreszeit kann ich mich kaum an ihnen satt essen – ich finde sie einfach unglaublich lecker! Auch die meisten Kinder mögen sie sehr; die kleineren lassen sich auf Spaziergängen gern mit mundgerecht vorbereiteten (nicht mehr brennenden) Brennesselblättchen versorgen.

Aber wie geht das eigentlich – Brennessel essen? Die brennt doch schon an den Fingern, wie soll man sie bloß in den Mund stecken, ohne sich die Zunge zu verbrennen!? Ganz einfach: Die obersten Blätter, die neuen jungen Triebe, beherzt mit zwei Fingern packen und abzupfen, dann kräftig zwischen den Fingern zusammenrollen. Dabei werden die Brennhaare zerstört und die Blätter lassen sich problemlos in den Mund stecken und genüsslich kauen. Mit ein wenig Übung funktioniert das auch mit größeren Teilen der Pflanze – jetzt, wo die Nesseln schon groß gewachsen sind, pflücke ich gern die obersten 2-3 „Etagen“ und esse sie auf diese Art.

Ich selbst ziehe es vor, die Brennesseln wie oben beschrieben zu essen, also einzeln für sich & ohne Mischerei oder Verarbeitung, aber sehr Vorsichtige
können die Brennesselblätter auch zusätzlich noch in andere Blätter, zb Lindenblätter, einwickeln und als „Kräuter-Wrap“ geniessen. Andere pflücken gleich mit Handschuhen und/oder Schere und mixen sich dann einen grünen Smoothie – z. B. mit Banane. Da brennt dann ganz sicher nichts mehr!

Bei Wildkräutern aber unbedingt beachten: zum Mischen und Verarbeiten nur bekannte Kräuter verwenden! Neue/unbekannte immer nur einzeln für sich und in kleinen(!) Mengen probieren, um nicht versehentlich etwas Unbekömmliches oder gar Giftiges zu erwischen!