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Wenn das Leben mal zäher fließt. Wachstumsschübe. Über den Umgang mit Krisen.

Manchmal kommt da ein Engel und bewegt die Wasser deiner Seele, wühlt all den Schmerz auf, den unbestimmten Hunger, die Leere unter der Oberfläche deines geschäftigen Lebens. Erinnert dich daran, wer du bist, hinter all den Masken, den Rollen, den Aufgaben, die du dir gesucht hast. Die du übernommen hast, um geliebt zu sein. Vergessen, dass du wertvoll bist und geliebt, für das, was du BIST.
Unabhängig von dem, was oder wieviel du TUST.

Nichts gegen Handeln, gegen Tätigkeit. Wenn sie aus deinem Sein entspringt. Natürlicher Ausdruck deiner Existenz ist. Doch wieviel von dem, was du tust, ist das schon?

Wie oft übertönen wir mit unserer Geschäftigkeit (und/oder anderen Dingen, wie Essen, Sex, Drogen, Unterhaltung, die Suche nach Nervenkitzel und und und) die Leere, die unterschwellige Sehnsucht in uns?!

Während der letzten Wochen hat mich solch ein Engel aufgewühlt. Nicht im Außen, doch in mir drin, bin ich durch eine, sagen wir mal, herausfordernde Zeit gegangen. Wieder mal 😉 … Manche würden solche Zustände „Krise“ nennen. Ich nicht. Eigentlich benenne ich solche Phasen gar nicht. Wenn doch, wäre die Bezeichnung „Wachstumsschub“ eine ganz gute Beschreibung dessen, wie es sich für mich anfühlt.

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Abkürzungen & Selbstverantwortung

Ayahuasca.

Mehrfach in den letzten Jahren ist mir dieses Thema über den Weg gelaufen. In Form von Freund*innen, die entweder schon damit „gearbeitet“ haben oder das tun wollen, um – kurz gesagt – den mühsamen & schmerzhaften Teil ihrer Reise in diesem Leben abzukürzen. Sich Arbeit und vielleicht lang andauernde unangenehme Gefühle ersparen und wiederum die Verantwortung für sich abgeben wollen.

Ich habe … wie immer interessiert an Neuem 😉 … darüber nachgedacht, nachgespürt. Doch für mich hat sich das spontan „falsch“ angefühlt – und es blieb auch dabei.

So wenig, wie es ein Zaubermittel gibt, um deinen Körper zu heilen – nur das Erkennen und Befriedigen seiner wirklichen Bedürfnisse helfen dabei – kann es, so glaube ich, ein Wundermittel geben, welches mir all die schmerzhaften Gefühle & die Arbeit erspart auf dem Weg zu seelischer Heilung, Bewusstwerdung.

Es ist in beiden Fällen meine Arbeit, meine Verantwortung, die mich weiterbringen und heilen wird – das kann mir niemand abnehmen!

Die Menschheit – oder zumindestens die westliche Gesellschaft – neigt ja nun leider dazu, aus allem ein Geschäft zu machen. Rohkost ist in den letzten Jahren in Mode gekommen; viele haben erkannt, dass sich damit Geld verdienen lässt. Ein Markt wird erschlossen, auf den all die, die eben immer nach Abkürzungen und leichten Wegen und Hilfe von außen suchen, begeistert strömen. Superfoods, die als Zaubermittel zur Heilung verkauft werden. Rohkost-Junkfood, das als „gesunde Nahrung“ angeboten wird. Usw usw.

Nicht anders sieht es im spirituellen Bereich aus. Das Bewusstsein für unser seelisches Sein, den tieferen Sinn unserer Reise hier wächst. Immer mehr Menschen wachen auf, wollen sich von ihren Blockaden, Ängsten, tiefsitzenden Traumata befreien. Und zwar am liebsten schnell, einfach, schmerzfrei. Kein Wunder, dass auch da ein Markt entstanden ist. Auf dem die ursprünglichen Zeremonien jedoch total aus dem Kontext genommen werden. Fast food für den spirituellen Weg. Ein Angebot, das die Gier nach schnellen Lösungen entfacht und das persönliche und spirituelle Ego befriedigt. Nicht zuletzt geht das Ganze wieder einmal auf Kosten unserer Mitwelt. Und spätestens bei dieser Erkenntnis sollte klar werden, dass da etwas nicht stimmen kann. Wie könnten wir heilen auf Kosten anderer Lebensformen?

Falls du über die Teilnahme an einer Ayahuasca-Zeremonie oder einer anderen „Wundermittel“-Version nachdenkst, möchte ich dich bitten, den unten zitierten Artikel von Sonia Emilia Rainbow zu lesen.

„Wie die schamanische Szene an der Ausrottung von Pflanzen beteiligt ist und vom Quälen des Frosches für die eigene Erleuchtung und Reinigung

Eines vorneweg:
Ich war vor 30 Jahren eine der ersten die einen traditionellen Schamanen aus dem Amazonas nach Europa geführt hat. Im Handgepäck war Ayahuasca. Ich bin mit der Thematik zutiefst vertraut. Naiv und jung konnte ich absolut nicht einschätzen was für eine Bewegung daraus entstehen könnte – ich habe nichtmal darüber nachgedacht.

Doch sehr schnell erkannte ich die Dynamik, den missbräuchlichen Umgang und zog mit aus dieser Form der Arbeit zurück. Und heute wage ich es meine Stimme zu erheben, immer und immer wieder – um aufmerksam zu machen, zu wecken und die spirituelle Gier nach diesen Zeremonien – die immer verbunden sind mit Ausbeutung – zu zähmen. Auch wenn jeder meint es betrifft immer nur die anderen und nicht sich selbst. Denn das Ego trickst und trickst. Aber lest selbst …

Das Business und der Markt mit schamanischen Zeremonien in denen Meisterpflanzen mit psychoaktiven Komponenten angeboten werden wächst unaufhörlich.
Auch wenn immer mehr Stimmen laut werden – da diese Rituale völlig aus dem Kontext genommen sind. Es fehlen die dementsprechenden wochenlangen Vorbereitungen sowie dem ausreichendem Setting. Degradiert zu einem fastfoodservice für die schamanischen Gemeinschaften. Aber dienlich dem persönlichen und spirituellen Ego. Massivste Probleme bringt dies mit sich – dennoch wächst die Fangemeinde solcher Angebote. Vor allem mit den Werbemöglichkeiten in den social medias scheint es nach wie vor eine äusserst lukrative Einnahmequelle zu sein – die vor allem auch schamanischen Einsteigern eine gute Kundenaquise versprechend.

Nun denn – über den Missbrauch der Meisterpflanzen habe ich schon einen Artikel geschrieben.
Diesmal möchte ich Euch auf die Ausrottung und Ausbeutung von drei im Moment sehr aktuellen Bewegungen schreiben:

Ayahuasca – wächst im Dschungel und braucht mehrere Jahre bis die Liane geerntet werden kann. 20 Jahre sollte man sie wachsen lassen. Ab 5 Jahre kann man sie ernten. Die indigenen Schamanen waren immer darauf bedacht der Pflanze möglichst viel Zeit zu schenken.

Was kein Problem war bis vor ca. 15 Jahren das Geschäft mit dem Ayahuasca zu explodieren begann. Am Beispiel Iquitos und Umgebung, wo sich derzeit die meisten Zentren befinden war es so, dass 2005 5 – 6 Zentren existierten. Heute sind es über 2000 die eine Kapazität von 20 – 70 Personen haben. Auch in Pucallpa und Umgebung schiessen die Retreat Zentren die jedes Jahr neu eröffnet werden wie Pilze aus dem Boden.
Schon jetzt findet man in der Umgebung von Iquitos keine Pflanzen mehr – da diese bis auf die letzte Liane ausgerottet wurden. Teilweise jahrzehntealte Pflanzen – die auch je älter, umso teurer für gutes Geld verkauft werden.

Fast jeder dritte Tourist möchte Ayahuasca mit nach Hause nehmen – und noch einfacher ist es diese über das Internet zu bestellen. So hat sich hier in den letzten Jahren ein weltweiter Markt erschlossen.

Von den Schamanen aus Peru die auf Einladung in die Welt reisen um Zeremonien anzubieten ist eine jährliche Steigerungsrate von 100%.
Bereits in einigen Teilen des Amazonasgebietes welches sich über mehrere südamerikanische Länder erstreckt ist die Pflanze nicht mehr zu finden. Auch wenn Zentren begonnen haben diese anzubauen – so werden sie der Nachfrage nicht gerecht.

Es gibt indigene Stimmen die sich sorgen – wie lange sie bei dieser Entwicklung noch Zugang zu ihrer wertvollsten Medizinpflanze haben. Und es stellt sich allgemein die Frage wie lange sie in ihrer Kultur und Kontext überhaupt noch ihre Zeremonien abhalten können. Ayahuasca wird bei vielen indigenen Völkern nicht nur als Medizin gesehen – sondern als ein Teil ihrer Identität.

Ethnobotaniker sprechen davon dass ab sofort jeder Mensch für 10 Jahre verzichten sollte den Tee einzunehmen – damit sich der Bestand der Pflanze erholen kann.

Peyote – wächst in den Wüsten von Texas bis Mittelmexico.
Hier kennt man das Problem schon länger. Bereits vor 20 Jahren gab es da Kriseninterventionen.
Ein Kaktus braucht 20 Jahre bis er reif ist und für eine Zeremonie verwendet werden kann. Die Dosis ist pro Person 1 – 3 Kakteen.
Vor ca. 150 Jahren haben die Huichols den nordamerikanischen Indianern die Pflanze geschenkt – damit das Volk wieder in ihre Würde und Stärke zurückwachsen kann. Es entwickelte sich die Native American Church – von New Mexiko – bis nach Kanada. Inzwischen sind es Millionen von Mitgliedern die regelmäßig ihre Zeremonien abhalten. Und die Bewegung expandierte weltweit. In der USA ist der Kaktus bereits artengeschützt – da es ganze Gegenden gibt, wo er bereits ausgerottet wurde.

Derzeit konzentriert sich das Geschehen nach Mexiko. Auch die Huichols sind in der Möglichkeit des Business mit der Medizin angelangt. Weltweit folgen sie Einladungen – in der entsprochenen Erwartung Geld zu verdienen. Auch hier ist dasselbe Dilemma wie im Amazonas.
Zusätzlich versuchen noch staatliche korrupte Behörden das heilige Land indem der Peyote wächst zu beschlagnahmen da ein großes Silbervorkommen vermutet wird.
Die Huichols versuchen mit ihren Medizinzeremonien Menschen für dieses Thema zu sensibiliseren – und rotten gleichzeitig auch ihre restlichen Bestände mit aus.

Hier sprechen Ethnobotaniker davon dass es absolut notwendig wäre, dass von nun an 20 Jahre lang die Menschen verzichten Peyote einzunehmen, damit sich der Bestand erholen kann.

Kambo – Froschgift
Der neueste Trend für Reinigung und Erwachen des spirituellen Bewusst-Seins.
Die Haut des Frosches wird „gemolken“. Für das Tier ist diese Prozedur äusserst schmerzhaft. Oft wird er dabei auch getötet.
Und all dies im Namen der schamanischen Bewusstseinsentwicklung.
Und der Heilung.

Darüber sollte jeder der diese Zeremonien durchführt, anbietet oder auch an Ihnen teilnimmt nachdenken.

Und keine Sorge – meist gewinnt das spirituelle Ego und somit bringt dieser Artikel für die Betreffenden auch keinen Schaden mit sich 😉
Eure unbequeme
©Sonia Emilia Rainbow

Quelle