Kanarischer Winter

Heute hab ich ein paar Impressionen aus unserem derzeitigen Leben auf der Finca. Im Teneriffa-Winter – d. h., Sturm, viel Regen, Temperaturen zwischen 10 und 16 Grad.

Im Meer baden ist momentan offensichtlich nicht möglich. Zumindestens nicht an diesem Ende der Insel. Schwimmen war ich gestern im Schwimmbad – hauptsächlich, um anschließend zu duschen und mir – dringend nötig – die Haare zu waschen. Eine Erfahrung, die ich mal als erfolgreiche Kälteanwendung nach Wim Hof verbuche: das warme Wasser in den Duschen war kaputt, ich habe also eiskalt geduscht, lange, incl. lange kaltes Wasser über meinen Kopf – ich habe sehr viele, dichte Haare, da dauert das Waschen (mit Sidr) und Ausspülen eine Weile. Das tat echt weh nach einer Weile, und mir war anschließend leicht schwindelig. Dafür war mir den Rest des Tages nicht nur schön warm, sondern ich war auch voller Energie, bis in den späten Abend.

Zum Wäschewaschen haben wir erstmalig den nächstgelegenen Waschsalon ausprobiert: in Santa Cruz, ca. 70km entfernt 😉 … es gibt nur zwei Waschsalons auf der Insel, der andere ist in La Laguna, ungefähr dieselbe Entfernung von uns. Also eine lange Anreise. Wir haben den Ausflug mit Einkäufen und anderen Erledigungen verknüpft – z. B. auf dem Markt in Santa Cruz.

Und sonst? Wir genießen Papayas, Bananen, Avocados & Malve. Und ab und zu mix ich auch mal was – wie z. B. Rawtella, serviert als Tortenbelag auf Orange:

Der Sturm hat die Dachabdeckung auf dem Klohäuschen zerstört, da regnet es jetzt rein. Also eigentlich haben wir momentan doch eine Dusche hier. 😉

Mein Bedürfnis nach Alleinzeit motiviert mich zu häufigen Spaziergängen, entweder in der direkten Umgebung (nicht so aufregend), oder am Meer <3

Im Fluss sein. Der Fluss sein. Ankommen in Teneriffa.

Ankommen in Teneriffa.

Seit zwei Wochen sind wir nun schon hier. Meine zunächst schwankende Welt, schon bekannte Nachwirkungen der Schiffsreise hierher, hat sich nach ein, zwei Tagen beruhigt. Noch schneller hat sich meine ebenfalls schwankende Energie wieder stabilisiert – sie war kurzfristig leicht verloren, irgendwo zwischen dem Widerstand der Tochter, für die manche unserer aktuellen Wohnumstände weit außerhalb ihrer Komfortzone liegen. (Keine Sorge, auch sie hat sich damit angefreundet. Sie ist ein sehr starkes und mutiges Mädchen. <3 ) Meinem Vermissen der Weite, die ich gerade so sehr genossen habe. Und Dankbarkeit, für das Geschenk unseres aktuellen Wohnraums, mit all seinen Herausforderungen und Gelegenheiten. Mit Fokus auf Dankbarkeit und ersten aktiven Schritten, um es mir hier angenehm zu machen, komme ich wieder zu mir. In den Fluss. Der Fluss (des Lebens, der Ereignisse), der nichts von mir Getrenntes ist, das mich einfach mitreisst. Mitunter fühlt es sich so an, und dann hilft es, mich zunächst einfach mittragen zu lassen. Den Kopf über Wasser zu behalten, achtsam zu bleiben und zu vertrauen. Bis ich wieder sehe, dass ich der Fluss BIN. Der Fluss und ich, Teil eines Ganzen, zu dem Alle und Alles gehört. Indem ich selbst zum Fluss WERDE, meine Macht akzeptiere, gestalte ich mein Erleben wieder selbst. Egal, was mir begegnet – ich entscheide, wie ich darauf reagiere. Mit Widerstand, Klagen, Unglücklichsein – oder mit Annahme, Liebe, Dankbarkeit. Dankbarkeit für das, was mir gegeben wird und für das, was mir gerade vorenthalten wird. Ich entscheide mich dafür, immer wieder, den ersten Schritt zu tun – zu mir, zu den Umständen, die ich gerne hätte. Und dann die Magie sich entfalten zu lassen.

Dankbar bin ich gerade für diese momentanen Geschenke:

  • Wir haben ein Häuschen zum Wohnen. Bestehend aus einem Raum. Noch sehr spärlich möbliert. Mit einer Glastür, die gleichzeitig Fenster ist. Und einer gerundeten Rückwand. 🙂

    Wir haben aus ein paar Regalteilen und Pappe eine Trennwand zwischen unsere Schlafplätze gebaut, doch der andauernde Mangel an Alleinzeit macht mir noch zu schaffen. Insbesondere an Tagen wie dem gerade vergangenen Vollmond und der Mondfinsternis – die mir viel Traurigkeit und schwere Energie gebracht haben, für die ich keinen Raum gefunden habe. So viel, was ich hier lernen kann … so viele neue Wege zu finden, um mit meinen inneren Stürmen umzugehen.

  • Wir haben Strom und Wifi und sogar einen Tisch, an dem wir arbeiten und zeichnen etc. können. Die digitale Nomadin in mir hat also, was sie braucht. 😉 Um es mit den Worten von Aziz Z. Zahara aus „40 rules of love“ zu sagen: „Alles, was ich tun kann, ist, mein Laptop mitzunehmen, versuchen, eine gute Internetverbindung zu bekommen und hoffen, dass ich einen weiteren Tag leben werde.“ 🙂
  • Unsere Kleidung lagern wir weiterhin in Taschen, und sind nun, nachdem wir unsere hier auf der Insel eingelagerten Sachen geholt haben, umgeben von vielen (zu vielen) Kisten voller Spielzeug, Bücher und ein paar Küchensachen; Dinge, die zum größten Teil schnellstmöglich auf Flohmärkten und ähnlichem verkauft werden sollen. Mein Wunsch, aufzuräumen, Ballast abzuwerfen, war einer der Gründe für unser Herkommen.
  • Möbel oder andere Einrichtungsgegenstände möchte ich deshalb auch nicht kaufen. Lieber finden oder leihen. Oder aus Vorhandenem bauen. Viel Raum hier zum Finden kreativer Lösungen, um unsere Sachen etwas einfacher und platzsparender unterzubringen.
  • Wir haben hier kein Wasser. Nicht im Haus und nicht draußen – abgesehen von dem dieser Tage reichlich fallenden Regen ;). Wir waschen uns mit gekauftem Trinkwasser, an einer Waschschüssel. Eine weitere Waschschüssel dient zum Geschirrabwaschen. Ca. einmal die Woche gehen wir ins nächste Schwimmbad, um zu duschen. Was für eine wunderbare Gelegenheit, regelmäßig schwimmen zu gehen! Der Pool im Schwimmbad in Buenavista ist sogar ungechlort, gefüllt mit Salzwasser.
  • Die Toilette hier ist am anderen Ende der Finca, so dass sicher dafür gesorgt ist, dass wir selbst an Tagen voller Computerarbeit & bei Sturm und Regen mehrmals am Tag an die frische Luft kommen.
  • Um uns herum wachsen Bananen, Maracujas und Papayas und noch so manches. Und reichlich Grünzeug: Malve, Fenchel, Petersilie … Und es gibt auch hier einen samstäglichen Bauernmarkt, nicht allzu weit entfernt.
  • Die Tochter, die sich schon lange ein „Haustier“ wünscht, kann hier die Gesellschaft eines süßen, ca. 2 Jahre alten Hundes, einiger Ziegen und Hühner genießen.



Rohkost auf dem Meer. Oder: Reisen innen und außen.

Nach ein paar Tagen in Tarifa ging die Fahrt weiter, nach Cádiz und dort auf die Fähre, Richtung Teneriffa. 48 Stunden auf dem Atlantik. Viel Zeit für die weitere Reise im Innen. Denn, wie Shams von Tabriz es sagt: „Osten, Westen, Süden oder Norden macht wenig Unterschied. Egal wo dein Reiseziel liegt, gehe sicher, dass jede Reise eine Reise im Innen ist. Wenn du in dir reist, wirst du die ganze Welt und mehr bereisen.“ Dieses Zitat (in meiner Übersetzung 😉 ) stammt aus dem Buch „The 40 rules of love“* von Elif Shafak, meiner derzeitigen Lektüre, die meine momentane Reise perfekt und voller Magie begleitet. Ich kann das Buch nur empfehlen – falls du lieber deutsch liest: es gibt auch eine übersetzte Version: „Die 40 Geheimnisse der Liebe“*.

Und die Überfahrt war tatsächlich mit einer sehr intensiven Reise in meiner inneren Welt verbunden. <3 Neben der die äußeren Umstände kaum eine Rolle gespielt haben. Irgendwie haben die Stunden auf der Fähre eine ganz besondere Qualität. Wie außerhalb der Zeit. Für die Tochter war die Zeit hingegen recht lang. Sie hat sie überwiegend mit Hörbüchern und Zeichnen und Spielen auf dem Smartphone gefüllt. Diesmal waren es sogar noch fast 10 Stunden mehr, da wir, statt von Huelva mit Naviera Armas diesmal von Cádiz mit Transmediterranea gefahren sind. Die Fahrt ist etwas teurer – was sich relativiert, falls du das Essensangebot auf dem Schiff nutzen magst. Bei Transmediterranea sind drei Mahlzeiten pro Tag inklusive, bei Naviera Armas musst du alles einzeln bezahlen. Das einzig Essbare aus unserer Perspektive waren allerdings Äpfel und Orangen, von denen es jedoch nur jeweils ein Stück pro Person und Frühstück gab … nun ja, nachdem sie mitbekommen hatten, dass wir nur Früchte essen, haben sie mir je zwei Teile gegeben :D. Wir waren natürlich vorbereitet und hatten eine große Tasche mit Essen dabei. Für die zwei Tage (Dienstag 17 Uhr bis Donnerstag 17 Uhr) hatten wir 6 Äpfel, 6 Orangen, 4 Avocados, 4 Zucchini, 2 kleine Bananen, ca. 20 Datteln und viel frischen Ingwer :), 1kg Mandeln und 5 1,5-Liter-Flaschen Wasser dabei. Außerdem Spirulina-Pulver* und getrocknete Meeresalgen. Die Tochter hatte außerdem noch eine halbe Tafel vegane Schokolade und 2 Packungen Maiswaffeln dabei. Von dem Vorrat ist einiges übrig geblieben – mein Hunger war nicht so groß, und es geht mir bei Seereisen definitiv besser, wenn ich weniger esse.

Bei den Armas-Fähren darf man zwischendurch zum Auto, das ging bei Transmediterranea nicht, weshalb wir alles mit uns herumschleppen mussten. Dafür hängen bei Transmediterranea nicht an jeder Ecke lautstark laufende Fernseher (ein echter Pluspunkt aus unserer Perspektive; mit der wirklich lauten Dauerbeschallung bei den Spaniern haben wir beide Probleme.) Und, großes Glück, wir haben wunderbar bequeme Schlafplätze gefunden, um uns mit unseren Schlafsäcken auszubreiten – es gibt natürlich auch Kabinen, aber wir reisen ohne.

Ein weiterer Unterschied: Armas bietet ein Animationsprogramm, draußen. Bei Transmediterranea dagegen herrscht draußen Ruhe, und ich konnte so das wundervolle Atlantik-eigene „Programm“ genießen: Meer und Himmel, so weit das Auge reicht. Einfach nur Weite. Hach <3.

Reisen im Fluss

Seit zwei Wochen sind wir wieder mal unterwegs. Langsam reisend, gen Süden, gen Sonne. Unser Ziel für die nächsten Monate ist Teneriffa. Freund*innen dort treffen, uns um unser dort noch lagerndes Zeugs kümmern (aufräumen, Ballast loswerden … 😉 ). Und natürlich: Sonne, Wärme, Früchte genießen.

Die Reise war nur grob geplant; die Strecke und die Orte zum Anhalten und Übernachten durften sich unterwegs entfalten. Wir haben ein paar wundervolle Menschen, liebe Freunde, Seelenfamilie, besucht. Ausgiebig Frankreichs Landschaften genossen. Vor allem die lange Strecke entlang der Rhône hat mich sehr berührt und ich habe einige wunderschöne Plätze entdeckt. Orange haben wir uns (kurz) angesehen und Avignon. Weiter ging es über die Pyrenäen, auf der Ostseite, entlang der spanischen Küste herunter und dann durch Andalusien, über die Sierras Richtung Granada. Während es zuvor mit jedem Kilometer heller, wärmer, sonniger wurde, gerieten wir irgendwo hinter Murcia in Unwetter. Mit Vorwarnung: Ich sah ein Graffiti neben der Straße, „Neko Storm“ (was mir eigentlich wegen des Wortes „neko“ (japanisch für Katze) auffiel … und kurz danach begann es geradezu sintflutartig zu regnen, mit teilweise recht starkem Wind dazu. Einige Zeit und etliche Höhenmeter weiter oben, verwandelte sich der Regen in Schnee. Wow. Ich hielt an einer Tankstelle, um ein Foto von den schneebedeckten Bergen zu machen – und nutzte die Gelegenheit zum Tanken. Was sich kurz darauf als eine gute Idee herausstellte, denn nur ein kleines Stück weiter war die Autobahn gesperrt, vermutlich des Wetters wegen, und, auf der Suche nach einer Alternativroute, verirrten wir uns in den Bergen rund um Diezma. Nach stundenlangem Umherirren fanden uns rettende Engel in Gestalt von hilfsbereiten Polizisten, die vor uns her fuhren, bis wir wieder auf dem richtigen Weg waren.

Da ich vergessen hatte, dass es ein Feiertag war & alle Geschäfte geschlossen hatten, waren uns unterwegs auch unsere frischen Lebensmittel ausgegangen. Doch als wir am frühen Abend endlich in Almuñécar ankamen, fanden wir dort nicht nur einen kostenlosen Parkplatz direkt vor unserem Hostel vor, sondern auch einen kleinen Laden, der frische, reife, regionale Avocados und Cherimoyas verkaufte. Im Hostel waren wir die einzigen Gäste und bekamen von dem freundlichen Inhaber ein viel größeres Zimmer als das, für das wir bezahlt hatten. Dazu auch gleich noch die Schlüssel für die Eingangstür, weil er für den nächsten Tag bessere Pläne hatte als die Rezeption zu bewachen.

In Andalusien wollten wir nun ein paar Tage bleiben und uns dort mit anderen Worldschoolern, reisenden Freilernern, treffen. Bis dahin hatte ich die vage (in Stein gemeisselt sind meine Pläne schon seit langem nicht mehr) Idee, mit der Fähre am 13. Januar von Huelva nach Teneriffa überzusetzen. Nachdem ich nun unsere Verabredungen und weiteren Unterkünfte für die geplante Zeit dort organisiert hatte, stellte ich jedoch fest, dass die Fähre am 13. gar nicht fuhr. Offenbar sollten wir also länger in Andalusien bleiben. 🙂

Zunächst verbrachten wir ein paar Tage in Almuñécar, La Herradura, Nerja. In Nerja herumbummeln, die beeindruckende Tropfsteinhöhle ansehen … und vor Allem: ein wundervolles Treffen von Worldschoolern, die sich dort in der Gegend aufhalten. Kinder vom Babyalter bis zu Teens, unterschiedliche Nationalitäten. Wie wunderbar für die Tochter, hier auf Menschen ihres Alters zu treffen. Denn oft treffen wir nur Freilernerfamilien mit deutlich jüngeren Kindern. Eine Familie aus North Dakota hatte uns eingeladen, die nächsten Tage bei ihnen zu wohnen, und so zogen wir weiter nach Mijas, westlich von Malaga. Deren achtjährige Tochter und „meine“ fanden als gemeinsames Interesse doch immerhin rasch das Zeichnen, und die beiden Mädchen (und auch ich) verbrachten viel Zeit damit zusammen. Einen Tag haben wir in Málage verbracht – eine Stadt, die ich mag, mit sehr schöner Innenstadt/Altstadt, einem tollen Markt und einem Kulturangebot, dass viele Tage füllen könnte. Wenn du soviel Stadt ertragen magst; ich genieße das ein paar Stunden lang, mehr ist mir dann zuviel. Tipp: ohne Auto bewegt es sich wesentlich entspannter durch die Stadt!

Zwischenzeitlich hatten wir uns entschieden, mal die ab Cadiz fahrende Fähre von Transmediterranea auszuprobieren. Die fährt noch ein bisschen länger als die andere, 48 Stunden. Viel Zeit auf dem Atlantik also. Dafür ist es mal wieder was Anderes – mit der Fähre ab Huelva, von Naviera Armas, sind wir schon so oft gefahren, dass wir uns zeitweise fast zuhause darauf gefühlt haben. 😉

Die zusätzlichen Tage bis zur Abfahrt am 16. haben uns nun nach Tarifa geführt … ein wundervolles Dorf auf dem südlichsten Zipfel der iberischen Halbinsel. Soviel Magie hier, wo sich Mittelmeer und Atlantik treffen, und es nur eine Stunde mit der Fähre bis Afrika braucht – ich kann es von hier aus sehen. Meer also, Palmen, viel wunderschönen Strand. Auch die Altstadt gefällt mir sehr, schmale Straßen und winzige Gässchen, Häuser mit den hier typischen Patios. Und so eine tolle Energie hier, ich habe mich auf Anhieb in den Ort verliebt und bin dem Fluss des Lebens mal wieder sehr dankbar für den „Umweg“, der mich hat hierherkommen lassen!!!

Bevor ich dir nun ein paar Bilder aus den vergangenen zwei Wochen und von hier zeige, noch ein paar Worte zur praktischen Gestaltung unserer Reise: Während wir in wärmerer Jahreszeit unterwegs meist zelten (unser Auto ist zu klein, als dass wir darin schlafen könnten), schlafen wir jetzt im Winter entweder bei gastfreundlichen Menschen, die uns einladen, oder mieten auch mal ein Zimmer. Meistens über AirBnB* oder über booking.com*.

Unser Essen gestalten wir überwiegend sehr einfach: wir kaufen Obst, Gemüse, Salate, Mandeln – was wir unterwegs halt bekommen, und essen das einfach so. Zum vor der Abreise eingepackten Proviant gehörten aktivierter (angekeimter und wieder getrockneter) Buchweizen, aktivierte knusprige Sonnenblumenkerne (beides selbstgemacht, und leider mittlerweile aufgegessen) sowie Salatalgen von Algamar und Spirulina-Pulver. All das eignet sich prima, um unsere einfachen Mahlzeiten, zum Beispiel aus Avocado, Tomate, Salat, Zucchini bestehend, ein bisschen aufzupeppen.

Ein magisches Fleckchen an der Rhône

Sonnenuntergang am Mittelmeer, irgendwo in Südfrankreich

Über die Pyrenäen

Schnee auf den Sierras

Blick von einem der schönsten Orte in Nerja aufs Mittelmeer

Malaga

Malaga

Mangas gibt es auch in Malaga

Blick in einen Patio

Tarifas Altstadt



Die Puerta de Jerez in Tarifa

wenn mir der ägyptische Gott der Transformation in Tarifa begegnet …

Tarifa. Palmen. Sonne. Blauer Himmel.

Sonnenuntergang an der Meerenge von Gibraltar (Tarifa)

*Das sind Einladungslinks der beiden Plattformen; wenn du dort noch nicht registriert bist bzw. über diese Links etwas buchst, bekommen sowohl du als auch ich eine Gutschrift dort.

Reise-Impressionen & Wissenswertes: Ägypten

Zeit & Ort sind merkwürdige Phänomene. Am Abend meiner Rückkehr aus Ägypten, auf den letzten Metern des unbefestigten Weges zum Tor meines derzeitigen Zuhauses, hatte ich das Gefühl, aus einer anderen Dimension zurückzukehren. Aus unendlicher Ferne zu kommen, endlos lange Zeit fort gewesen zu sein. Wenige volle Tage und eine Vielzahl sich überschlagender Geschehnisse haben mich sehr schnell wieder im Hier und Jetzt ankommen lassen. Ich bin HIER – so soll es ja auch sein. Tue, was ich vorher getan habe und bin doch eine Andere als zuvor. Wie alles, was ich erlebe, mich verändert und mein morgiges Ich ein anderes sein wird als das jetzige. Diese Reise, das Kennenlernen einer neuen fremden Welt, hat mich tief beeindruckt.

Ich bin im Nil geschwommen. Und darauf gesegelt ;). Manche sagen, ein Bad im Nil heilt alles. Ob das stimmt, weiss ich nicht. Doch es hat etwas mit mir getan, und ganz deutlich habe ich das Gefühl, manches, was mich gefesselt hatte, dort gelassen zu haben.

Ich habe die Wüste gesehen. So lange Zeit schon hatte ich mir das gewünscht, mich danach gesehnt. Und sie hat mich nicht enttäuscht. Ich habe eine neue Liebe gefunden 😉
Unbeschreiblich, diese Weite. Sand. Himmel. Nur die Weite und ich. Damit die Seele wachsen kann, müssen die Augen weit schauen können. So ähnlich habe ich es vor Jahren mal bei Paulo Coelho gelesen (Ich glaube, das war in „Schutzengel„*) und für mich hat es sich tatsächlich immer so angefühlt. Zwischen Mauern oder engen Bergen kann ich nicht lange leben, und so sehr ich den Wald liebe, zieht es mich doch immer wieder zum Meer. Oder eben in die Wüste oder ähnliche weite, flache Landschaften.

Speziell und unvergesslich: die hunderte Kilometer lange Strecke durch die Wüste im Osten des Landes. Die gegen Ende durch einige atemberaubend schöne Bergketten führt, um dann den Blick freizugeben auf das Rote Meer – seinem Namen zum Trotz wundervoll türkis und blau schimmernd. Wer glaubt, ein Meer sei wie das andere, möge noch mal genauer hinschauen. Ich habe noch nicht alle gesehen, doch die, die ich kenne – der Atlantik, das Rote Meer, das Mittelmeer, Nordsee und Ostsee -, sie alle sehen unterschiedlich aus.

Die Wüste hat mich begrüsst bei meiner Ankunft, mitten in der Nacht, beschirmt von einem von Sternen übersäten Himmel. Und mich verabschiedet … auf der eben beschriebenen Fahrt und schließlich von oben, aus dem Flugzeug. In der klaren Luft schien es, als flögen wir nur wenige Meter über dem Boden … und stünden still in der Luft. Ein Wahnsinnsgefühl. Der Anblick änderte sich erst ganz im Norden des Landes, kurz vor dem Mittelmeer … Wasserwüste nach all dem Sand. Die griechischen Inseln … ebenfalls verknüpft mit spezieller Erinnerung. Vor zwei Jahren erst war ich dort … Im Flugzeug hatte ich das Glück, einen Fensterplatz bekommen zu haben und habe bis Kroatien oder so ununterbrochen hinausgeschaut. (Danach wurde es wolkig, und immer nasser und kälter, gelandet sind wir schließlich bei 6°C und Regen.)

Noch ein besonderes Geschenk, das Ägypten mir gemacht hat und für das ich so dankbar bin: die Sonnenaufgänge. Die ich bisher in meinem Leben nur sehr selten bewusst miterlebt und angesehen habe. In Ägypten bin ich dank der frühmorgendlichen Gesänge aus den Moscheen immer schon zwischen 4 und halb fünf aufgewacht, und hatte somit viel Zeit und Gelegenheit, Morgenhimmel und diverse magische, wunderschöne Sonnenaufgänge zu sehen. Was für eine wundervolle Art, den Tag zu beginnen! Ich habe versucht, diese Morgenmagie auch hier in Deutschland zu zelebrieren, doch nach einem zehnminütigen Lauf entlang einer stark befahrenen Straße, durch Regen und erfrischende 4°C, fällt es mir nicht so leicht, im – meist hinter Wolken verborgenen – Sonnenaufgang die Magie des Tagesanfangs zu finden.

Natürlich habe ich auch einige Tempel besucht; von einem unglaublich guten Guide vieles über die Geschichte und Magie des Alten Ägyptens lernen dürfen, und bin sowohl von dem Gehörten als auch von der Energie und Magie der Tempel und anderen Bauwerke fasziniert und tief berührt.

Ich bin, allein und in Gesellschaft, durch Städte und Natur gelaufen. Habe wundervolle Menschen kennengelernt. So viel habe ich schon gesehen, und doch war es nur ein Bruchteil des Landes und seiner Schönheit. Meine Bucket List ist wiederum gewachsen … eines, was ich unbedingt machen möchte, ist, mit einer Karawane durch die Wüste <3 zu einer Oase zu reisen und dort eine Weile zu sein.

Zu einigen Themen (des aktuellen Ägyptens) habe ich viele Fragen und Bemerkungen gehört und möchte die hier gern kurz beantworten:

  • Sicherheit: Vor meiner Reise habe ich unzählige Warnungen gehört, nahezu jede*r hat mich darauf hingewiesen, dass Ägypten gefährlich sei, unsicher, und ich da doch besser nicht hinreisen sollte. Schon gar nicht als alleinreisende Frau. – Wie ich es erfahren habe: Die Ägypter sind ein überwiegend friedvolles Volk. Katholiken und Moslems leben einträchtig miteinander. Die Menschen sind sehr freundlich und extrem hilfsbereit. Man kann seine Sachen im offen Auto liegenlassen, ohne Angst vor Diebstahl.
    Aufgrund der politischen Lage ist das Militär, vor allem in Assuan, sehr präsent. Es gibt viele Kontrollposten, überall, an denen immer wieder mal Papiere kontrolliert und Kofferräume überprüft werden. Ungewohnt, doch es geht nichts Bedrohliches von ihnen aus. Ich bin stundenlang, auch allein, unbehelligt durch Assuan und Luxor gelaufen und habe mich die gesamte Zeit dort absolut sicher gefühlt. Bei meiner Bekleidung habe ich Rücksicht auf die dortigen Sitten genommen – lange Hosen, nichts Schulterfreies bzw. Tuch um die Schultern, wenn ich nur ein Trägertop anhatte.
    Beim Einkaufen, Taxi-fahren etc. gehören Preisverhandlungen dazu. Du akzeptierst dort niemals den ersten Preis. Wenn doch, zahlst du höchstwahrscheinlich zu viel. Um wirklich zu wissen, wieviel jeweils angemessen ist, hätte ich allerdings länger dort sein müssen. Das Kostenniveau dort ist ein ganz anderes – eine ganze Familie wird von 200 ägyptischen Pfund pro Woche satt – das sind 10 EUR …
    Die Sicherheitskontrollen am Flughafen sind gründlicher als in London, und auch an Bahnhöfen wird schon beim Betreten des Bahnhofs das Gepäck durchleutet und du musst durch einen Metalldetektor gehen. Der Zug, mit dem ich von Assuan nach Luxor gefahren bin, war übrigens extrem komfortabel und super-sauber. (Und die „Skyline“ während des Sonnenuntergangs/Abendrots, Palmen am Nilufer vor dem glühend roten Himmel, ein Bild, das ich sicher nicht vergessen werde.)
  • Alle Krokodile und Nilpferde wurden beim Bau des großen Staudamms in Assuan vor rund 60 Jahren nach oberhalb des Staudamms umgesiedelt. Unterhalb von Assuan wirst du also keine treffen – und brauchst dir bei einem eventuellen Bad im Nil darüber keine Sorgen zu machen. Solltest du Angst vor Bilharziose-Erregern haben: suche dir eine Stelle mit schnell fließendem Wasser und/oder frage die Einheimischen, wo es sich gut baden lässt. 😉
  • Bio-Nahrung. Das ist in der Tat schwierig. Das Bewusstsein für derartige Themen ist in Ägypten noch kaum vorhanden. Im Delta gibt es zwar mindestens ein großes Bio-Projekt, doch entlang des Nils zwischen Luxor und Assuan kümmert sich eher kein Mensch darum. „Dank“ des Staudamms werden seit 60 Jahren die alljährlichen Überflutungen durch den Nil verhindert. Die zuvor jedes Jahr für einen Nachschub an fruchtbarem Schlamm gesorgt haben. Mittlerweile sind die Böden ausgelaugt, und die Menschen benutzen Dünger. Auch Pestizide etc. werden eingesetzt. Bei Datteln und Feigen wird das wohl niemand für nötig halten, doch ich befürchte, beim Gemüse und Grünzeug sieht das anders aus.
  • Zum Thema „Essen auf Reisen“ und wie sich das mit der Ernährung als Rohköstler*in/Veganer*in (oder sonstwie Achtsam-Essende*r) lösen lässt, schreibe ich noch einen eigenen Artikel.

Die Zeit in Ägypten hat mir so unendlich viel geschenkt. Meine Seele genährt. Mir ist erst dort wirklich bewusst geworden, was und wieviel ich in den vorhergehenden Monaten in Deutschland vermisst habe. Seelennahrung. Wundervolle neue Eindrücke und Begegnungen. Und, nicht zuletzt, Sonne & Wärme. Ich bin voller Dankbarkeit

Passende Lektüre

Abendstimmung auf der Dahabiya

Symbole für Gesundheit, Schutz und der Schlüssel des Lebens

Ägypten, Tag 1

Nun schreib ich doch hier, soviel in meinem Kopf, das sortiert werden will … und das geht beim Schreiben einfach gut für mich.

Ich bin in Afrika. In einer faszinierenden fremden magischen aufregenden Welt. Ägypten. Nach 16 Reisestunden, die letzten vier davon mit dem Auto durch die Wüste. Sternenhimmel in der Wüste. Und dann Sonnenaufgang. Wow. Unbeschreiblich. Soviel Schönheit.

Der Strassenverkehr hier ist auch ein Abenteuer. Eselskutschen, dreirädrige Laster, Autos, die der deutsche TÜV sofort aus dem Verkehr ziehen würde. Chaos, doch jeder scheint zu wissen, wie es funktioniert. Checkpoints entlang der Strecke, an denen ich mich mit meinem Sitz mal eben in Liegeposition begebe, um weniger aufzufallen. Touristen dürfen erst ab 6 Uhr früh chauffiert werden & weder mein Fahrer Tayeb noch ich haben Lust auf eine zweistündige Rast. Unterwegs die ersten Lektionen in Sprache und Landeskunde. Moscheen und katholische Kirchen gibt es hier, nah beieinander. Katholiken und Moslems leben friedlich miteinander. Überhaupt, so Tayeb, ist Ägypten ein friedvolles Land.

Um 8 Uhr früh erreichen wir das Boot in Esna, die luxuriöse Dahabiya meiner Kunden (ich bin ja auch zum Arbeiten hier ;)), wo ich herzlichst empfangen werde. Und mich, total erschlagen, erstmal in meine Kabine zurückziehe. Nach 1,5 Stunden Ruhe, Meditation und Dusche fühle ich mich wieder lebendiger und bereit, meine Mitreisenden kennenzulernen. Gemeinsam ziehen wir dann auch gleich los, zum ersten Tempel. Dem Tempel von Esna. Mit 2000 Jahren für ägyptische Verhältnisse nicht allzu alt. Unser Guide heisst, wie scheinbar jeder zweite Mann hier, Mohammed. Ein seinen Beruf offensichtlich liebender Ägyptologe, der so grossartig erzählen kann, dass ich nach einer Stunde mehr gelernt habe als in Monaten des Geschichtsunterrichts damals in der Schule. Nebenbei gerade in der Umstellung auf vegan (was in Ägypten noch eine wesentlich grössere Herausforderung ist als in Deutschland), und in Tempeln Yoga praktizierend. 🙂

Ein paar faszinierende Wissenshäppchen altägyptischer Geschichte:

– Die alten Ägypter verehrten keine speziellen Götter. Für sie war die Natur göttlich. Daher auch die vielen Abbildungen heiliger Tiere. Auch der Mensch gehört natürlich zur Natur, doch anders als die Tiere muss er erst lernen. Sich verbinden. Um göttlich zu sein bzw seine Göttlichkeit zu leben. Klingt vertraut, nicht wahr 😉

– In Tempeln gab (& gibt) es sogenannte Energiepunkte. Sie verstärken die Energie desjenigen, der sich dort aufhält. Auch Happy-Spots, die einfach positive Energie abgeben. Leider will die Regierung scheinbar nicht, dass diese Punkte wieder ausfindig gemacht werden.

– Im alten Ägypten wurde bei der Mumifizierung der gesamte Körper behandelt, jedes Organ mumifiziert. Nur das Gehirn wurde entfernt, weil die Ägypter es als Quelle allen Bösens betrachteten. Das Herz hingegen wurde durch einen darauf platzierten Skarabäus besonders beschützt. 

Und und und. Soviel wow, soviel Magie.

Den Rest des Tages sind wir auf dem Nil südwärts, flussaufwärts, gesegelt. Bis nach Edfu, wo wir jetzt für die Nacht anliegen. So herrlich, so friedvoll. Und wie ich es vermisst hatte, den ganzen Tag draussen zu sein, leicht bekleidet. Das ist eine ganz andere Lebensqualität.

Glücklich, verzaubert und total überwältigt von all dem (und dazu total übermüdet), hab ich den Nachmittag und Abend überwiegend meditierend, atmend (war in den Tagen davor deutlich zu kurz gekommen) und einfach seiend, den Nil, die Landschaft geniessend, verbracht. 
Unendlich dankbar für alles, was das Leben mir gerade wieder schenkt. 

Auf nach Ägypten

Heute geht es wieder mal los. Ein neues Ziel. Ägypten. Ich war noch nie dort, noch nie irgendwo in Afrika. Es hat mich gerufen, zum zweiten Mal in meinem Leben, und diesmal folge ich der Einladung. Ich freue mich auf Sonne & wärmere Temperaturen, auf frische Datteln, die zu dieser Zeit des Jahres gerade geerntet und in der Sonne getrocknet werden. Auf das Segeln auf einer Dahabiya … und viele andere, neue Eindrücke und Erfahrungen. Und bin total aufgeregt, neugierig, gespannt, eine für mich neue Welt kennenlernen zu dürfen.

Um meine Reiseeindrücke und -erlebnisse zeitnah zu teilen, lade ich dich herzlich ein, mir bei Instagram und/oder bei Facebook zu folgen.

Hier im Blog liest du mich voraussichtlich in ein paar Wochen wieder.

Roh auf Reisen: Sommer-Sonnen- und andere Wenden

Vergangenen Dienstag habe ich Portugal verlassen … mit blutendem Herzen. Über die Grenze nach Spanien zu fahren, hat sich unglaublich schwer angefühlt. So viel Traurigkeit. Doch die Zeichen entlang des Weges haben mir immer wieder bestätigt, dass ich gehen soll. Zerrissenes Herz – es zieht in beide Richtungen. Für den Moment habe ich mich für das Ziehen in Richtung Tochter entschieden. Denn: ja, es gibt natürlich einen wichtigen Grund, der mich trotz des Trennungsschmerzes aus Portugal fortgehen lässt. Dazu gleich mehr.

Am Straßenrand in Portugal, kurz vor der Grenze


Castelo de Vide

Doch zuerst einmal kurz über meine Reise: In der ersten Nacht außerhalb von Portugal habe ich mein Zelt bei Salamanca aufgeschlagen … wie schon in der vorhergehenden Nacht in Portugal, relativ nah den Feuern, zuckten auch hier Blitze am Nachthimmel, doch es war nicht gar so heiss wie in Portugal. Nur um die 36° C – 10 weniger immerhin. Unglaublich schön und beeindruckend sehen solche Hitzegewitter aus. Ich empfand es jedoch, wissend, dass solche Blitze die gewaltigen Feuer des vorhergehenden Wochenendes entzündet hatten, auch als etwas beängstigend. Vor allem mit dem Geruch nach frischem Rauch in der Luft dazu.

Der zweite Tag führte mich bis in die Gegend von San Sebastian, wo ich mein Zuhause für die Nacht unter einem Feigenbäumchen aufgeschlagen habe. Zeit zum Durchatmen nach Tagen voller Emotionen, und nun auch schon drei Tagen auf der Straße. Dort habe ich, ganz für mich allein, Mittsommer gefeiert. Die Sommersonnenwende, die diesmal auch für mich so manches wendet. Voller Dankbarkeit für mein freies Leben, und all die Liebe darin. Froh & dankbar, dass meine Freund*innen und Bekannten in Pedrogao Grande (unserem Wohnort des letzten Herbsts und Winters) die Waldbrände heil überstanden haben. Mit Schmerz über die momentanen Trennungen … und Zuversicht für eine Lösung für die Tochter, zu der ich gerade reise.

Auf meinem weiteren Weg, durch Frankreich nun, versuchte ich mich von dem Schock zu erholen. Portugal verlassen zu haben, fühlte sich noch immer schmerzhaft und falsch an … Und: ich war im Kulturschock. Nach 7 Wochen in der Natur, Stille und Einsamkeit erschien die Welt hier draußen entlang meines Wegs viel zu laut, zu voll, zugebaut, naturfern. Ich habe einen Abstecher ans Meer gemacht – der Atlantik ist auch im Südwesten Frankreichs wunderschön – und trotz allem die Schönheit der (natürlichen, gemischten) Wälder inmitten von Frankreich genossen. Geschlafen habe ich dort unter Lindenbäumen.

Meer hilft immer

Am Strand bei Mimizan

Das Meer hat mir mein Mittagessen geschenkt 🙂

Linden inmitten vom grünen Frankreich

Nachtruhe unter Bäumen

Schließlich bin ich heil in Deutschland gelandet. Habe in Freiburg eine langjährige „virtuelle“ Freundin endlich mal „real“ getroffen, bevor ich dann nach der letzten Etappe meinen Wohnort für die nächsten Wochen erreicht habe. Voll von Dankbarkeit für so viel Wunder und Schönheit entlang meines Wegs, und für meinen wunderbaren 23 Jahre alten Golf, der mich erneut die 2600 km lange Strecke hierher gebracht hat. <3

Und warum nun diese Reise? Warum der schwere Abschied von Portugal? Mein Herz sagt mir, dass ich jetzt hier, in Deutschland, gebraucht werde. Die nächsten Wochen bringen hoffentlich Entspannung und eine Lösung für die Gestaltung der nächsten Zukunft – für das Leben der Tochter. 12 Jahre alt und bislang ohne Schule aufgewachsen. In den letzten Monaten hat sie immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt, es doch mal mit der Schule zu probieren. Aus Neugier – das ist eine Erfahrung, die fast alle ihre Freund*innen gemacht haben, von der sie schon viel gehört hat, doch die sie noch nie selbst erlebt hat. Und vor allem: ihre Sehnsucht nach häufigerem & einfacherem Kontakt zu Freund*innen. Das war schon länger schwierig, & wir waren in all den Jahren insbesondere auch deshalb viel unterwegs in der Welt. Bisher ist es jedoch nur ein Gedankenspiel; so wirklich wollte sie es noch nicht tun. Denn sie ist sich durchaus bewusst, dass das Ganze eben eine Medaille mit zwei Seiten ist. Und Erfahrungen mit derartiger Gruppendynamik, der Bewertungskultur und … hm, ich nenn es mal: pädagogischer Behandlung hat sie durchaus schon in unterschiedlichen Zusammenhängen gemacht – und es nie gemocht. Auch hat sie noch nie(!) ein Schulkind getroffen, das sie bemitleidet hätte, weil sie nicht in die Schule geht – jedes andere Kind hat sie immer nur beneidet & sich gewünscht, auch so frei leben zu können. 😉

Nun hat sie die vergangenen Wochen zu Besuch in ihrem Papa-Zuhause verbracht. In Deutschland. In vielerlei Hinsicht fühlt sie sich dort sehr wohl, und mag manches an dieser Welt auch lieber als an meinem bunten & abwechslungsreichen Leben. Ohnehin ist es ihr wichtig, uns beide – ihren Vater und mich – in ihrem Leben zu haben & eben auch ihn möglichst oft zu sehen. Jedoch: ihr Vater hält es für besser, dass sie zur Schule geht. Auf ihre Meinung hört er nicht so recht und glaubt ohnehin eher, dass ein Kind so etwas nicht selbst entscheiden könne. Zudem hat er die in Deutschland ja rechtlich nicht so ganz einfache Lage selbst als Belastung empfunden. Er & seine Frau haben sie dort nun zunehmend unter Druck gesetzt und die Situation war ziemlich unentspannt geworden, für alle Beteiligten.

So hab ich mich entschieden, einen Platz zu suchen, an dem die Tochter erst einmal mit mir zur Ruhe kommen kann. Sich entspannt & ohne Druck überlegen kann, was sie gerade möchte & wie sie ihr Leben in den nächsten Monaten gestalten möchte. Und wir dann, in gemeinsamen Gesprächen, eine Lösung finden, die für alle funktionieren kann & eben auch zu unser aller Lebensvorstellungen & Wünsche für uns selbst passt.

So sind wir nun hier. Ich genieße es, nach langer Trennung (während der wir jedoch die ganze Zeit in intensivem Austausch waren) nun wieder „echte“ Zeit mit der Tochter zu verbringen. Bin zuversichtlich hinsichtlich der Lösung dieser Situation. Und gespannt, wie der Fluss weiterfließen wird. 🙂

Leben im Fluss

„Das Leben ist wie ein reissender Fluss
der mich weitertreibt, der nie stehen bleibt.
Und erreich ich ein Ufer,
komm ich doch nur zum Schluss,
dass ich weiter gehen muss.“

Es gibt Neuigkeiten hier: Wir sind mal wieder weitergezogen. Drum war es auch so still hier in den letzten Tagen. Noch immer in Portugal, 300 Kilometer weiter gen Süden & Sonne, & endlich wieder nah am Meer! 🙂 Diese Veränderung hat sich in der letzten Woche ganz spontan ergeben & ich möchte dir heute nicht nur von unserem neuen Standort erzählen, sondern auch & vor allem darüber schreiben, was mich (& vielleicht auch dich) im Leben „festhalten“, bremsen kann, und wie wir wieder in den Fluss zurückfinden.

Mein Leben ist ja nun ohnehin recht „bewegt“ … wie in dem obigen Zitat aus einem Song von Reinhard Mey … in dem ich mich wiederfinde. Je mehr ich auf mein Herz höre & ihm folge, desto bewegter ist es. Auf gute Art bewegt – der Fluss des Lebens, der mich genau dorthin bringt, wo ich sein soll. Ohne mich von irgendwelchen Ängsten (die durchaus manchmal auftauchen) aufhalten zu lassen. Es ist normal, Angst zu haben. Vor Veränderung. Vor scheinbarem Verlust. Doch das Leben will gelebt werden … lass dich durch deine Angst nicht davon abhalten, zu handeln. Loszugehen, wenn dein Herz dich weiter zieht!

Wenn ich hier schreibe, blogge, tue ich das für dich, um dich zu inspirieren, zu motivieren, dir Mut zu machen. Und auch für mich selbst! Oftmals mache ich mir selbst Mut, mit dem, was ich so schreibe. Und zu lesen, was „mein früheres Ich“ so getan & geschafft hat, inspiriert mich auch selber, wenn ich mal das Gefühl habe, festzusitzen. Nicht zu wissen, wie weiter. In meinen Gedanken eingesperrt zu sein … denn es sind IMMER die Gedanken, die mir (uns) das Gefühl geben, gefangen zu sein. Unfrei zu sein. Niemals die Umstände! Mit ein wenig Mut kannst du die Umstände zwar meistens ändern – doch was du auf jeden Fall ändern kannst, sind deine Gedanken. Deine Perspektive. Wie du deine Umstände wahrnimmst.

An unserem letzten Standort, einem großen, recht komfortablen Haus in Zentralportugal, das wir gehütet haben, habe ich vieles Wundervolle gefunden – unter anderem die Magie des Waldes und viele liebevolle, großartige Menschen, die einen Platz in meinem Herzen behalten werden. Dennoch habe ich mich dort seit einiger Zeit „gefangen“ gefühlt. Die relative Kälte dort, die es nötig machte, ständig mehrere Schichten Kleidung zu tragen, hat dazu beigetragen – ich will die Welt auf meiner Haut spüren! Sonne, Licht, Wind, Wärme; die Haut der Menschen, die ich umarme; die Erde unter meinen Füßen, … Vielleicht auch der (relativ) viele Beton, der uns dort umgeben hat. Sicher die Hunde draußen, die in den letzten Monaten so aggressiv geworden sind, dass die Tochter sich nicht mehr allein auf den Weg zu ihrer Freundin getraut hat. Doch vor allem … war das Problem in meinem Kopf. Ich konnte mich nicht recht entscheiden, was zu tun. Wohin zu gehen. Hab mehr Schwierigkeiten gesehen als Möglichkeiten. Hab die Wünsche anderer über meine eigenen gestellt. Hab mich nicht aus meiner Komfortzone herausgewagt … immer wieder dieses Zurückfallen in ein Gefühl falscher Sicherheit. Dabei weiss ich es doch eigentlich längst besser. 😉

Jedenfalls: die Signale waren klar: wir hatten eine wundervolle Zeit dort; ich bin unendlich dankbar für all das, was mir dort geschenkt wurde & es hat eine ganze Zeit lang gut getan, dort zu sein. Doch nun war es an der Zeit, weiterzugehen.

Vor knapp 3 Wochen, mit dem letzten Neumond, dem Beginn des neuen Mondjahres (und chinesischen Jahres des roten (Feuer-)Hahns (Phönix)) hat der Fluss meines Lebens plötzlich, endlich!!!, wieder an Geschwindigkeit gewonnen. Was sich seit Monaten schon zäh anfühlte, geriet nun endlich wieder in Schwung. Innerlich & äußerlich … so manche Träume & Ideen der letzten Jahre haben sich endlich zu einer klaren Vision geformt & ich habe wundervolle neue Ideen, um diese Vision auch umzusetzen. Und habe angefangen, daran konkret zu arbeiten. Davon wirst du sicher auch noch lesen hier … beizeiten. 😉

Vor etwa zwei Wochen dann habe ich mich für den nächsten Schritt entschieden. Habe beschlossen: wir gehen hier weg, diesen Monat noch. Ohne zu wissen, wie oder wohin. Habe angefangen, aufzuräumen, auszusortieren, was sich angesammelt hatte. Vorräte aufzubrauchen. Schon 2 Tage später bot sich eine Möglichkeit – und ich habe zugegriffen. Am vorletzten Sonntag fiel die Entscheidung, am Freitag darauf sind wir umgezogen. Haben unser großartiges „Reisemobil“, einen 23 Jahre alten Golf, vollgepackt, uns ein wenig traurig von den Meerschweinchen verabschiedet (für die wir ein liebevolles neues Zuhause gefunden haben) und uns auf den Weg gemacht. Um eine knappe Woche lang ein Haus mit einem Hund und vier Katzen (wundervolle Wesen, alle fünf) zu hüten, und anschließend ein wunderschönes Holzhäuschen im Tausch gegen Arbeit zu bewohnen. Bis Ende März werden wir hier sein. Was danach kommt … wird sich noch finden. Jetzt fühlen wir uns wohl hier, in einem kleinen, liebevoll gestalteten Haus. Wärmer ist es hier, und mein langvermisstes Meer viel näher. 🙂

Worum es auch geht … ob du deinen Wohnort ändern willst, deinen Job, deine Ernährung; etwas Neues anfangen möchtest oder oder oder: Es beginnt mit deiner Entscheidung! Entscheide dich bewusst für die Veränderung & beginne mit den ersten (kleinen) Schritten. Visualisiere deine Träume, versuch dir vorzustellen, wie dein Leben aussehen wird, doch bleib nicht im Träumen stecken. Geh los … dann folgt das Leben, die Umstände, alles … um dich zu unterstützen. Hab keine Angst vor den „falschen“ Schritten – du kannst nichts falsch machen!

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