Kalorien, natürliches Essen und andere Fragen

In letzter Zeit sind zu dem, was ich hier so über unser Essen schreibe, verschiedene Fragen & Kommentare angekommen. Zu denen ich heute gern mal was schreiben möchte.

Zum einen ist da die immer wiederkehrende Frage nach dem ausreichenden Kaloriengehalt bzw Nährwert unseres Essens. Hier im Blog verzichte ich absichtlich auf Angaben zu unseren Essensmengen – zu unterschiedlich ist der individuelle Bedarf um satt zu werden! Abhängig von Körpergröße, Lebensumständen, körperlicher Aktivität, besonderen Lebensphasen wie Wachstum, Stillzeit etc und weiteren Faktoren. Ihr könnt euch sicher sein, dass wir immer genug essen um satt zu werden 🙂

Jedoch messe, wiege, analysiere und berechne ich unser Essen nicht. Weder im Hinblick auf die Kalorien noch auf den Gehalt an Vitalstoffen oder sonst irgendwas. Wir essen nach Appetit und Hunger und ich bin absolut sicher, dass wir damit genug & alles, was unsere Körper brauchen, bekommen!

Mehr zu diesem Thema findet ihr auch in folgenden Artikeln:

Kalorienbedarf 27 Bananen?
Figur, Gewicht, Bedarf
Ein anderes Ernährungsparadigma

Falls beim Leben in unserer relativ unnatürlichen Umgebung mal Fragen zur Richtigkeit auftauchen sollten, verweise ich auf die Natur – „Wie wäre das jetzt, wenn wir wahrhaft natürlich leben würden?“. Über die Grundlagen dieser Betrachtungsweise (& damit dem Einstieg in unsere Art der Ernährung) schreibt meine liebe Affenfreundin übrigens seit einiger Zeit einen sehr unterhaltsamen Blog: Mein Affenexperiment. Vor einigen Tagen zum Beispiel die einfache & einleuchtende Erklärung, warum wir Menschen keine Fleischfresser sind.

Weshalb ich auch glaube, dass diejenigen, die beharrlich auf ihren Instinkt verweisen, der sie dazu treibe, Tierleichen zu essen, in Wirklichkeit nicht ihrem Instinkt folgen, sondern entweder ihrer Konditionierung (man könnte auch sagen: Sucht) aus früheren Jahren folgen – denn wir von uns ist schon von Kindheit an vegetarisch/vegan? – oder auf die Verführung/Gehirnwäsche durch die Welt um uns herum hereinfallen. Anschaulich formuliert in diesem Zitat (dessen Quelle mir leider verloren gegangen ist):

„Gib einem Kind eine Möhre und ein Kaninchen. Wenn es der Möhre spielt und das Kaninchen isst, schenke ich dir einen RollsRoyce.“

Womit ich bei einer weiteren Frage angekommen bin: die Natürlichkeit unserer Ernährung. Obwohl wir uns definitiv roh ernähren, ist das, was ihr auf den Fotos hier im Blog oft seht, häufig nicht mehr wirklich Nahrung in ihrer natürlichen Form. Warum mache ich das? Wo ich doch, wie ich es immer wieder betone, die Nahrungsmittel in ihrer natürlichen Form am liebsten mag? Das ist wirklich so – ich habe am liebsten einfach eine Frucht & Grünzeug in der Hand und beisse hinein. Wofür dann der Aufwand – denn: ja, es ist wirklich Aufwand. Mixen, Schneiden, Dekorieren oder gar Zubereitungen zur rohen Imitation von bekannten Kochkost-Gerichten brauchen mindestens genauso viel Zeit wie Kochen (doch zumindestens ist das Ergebnis weitaus besser 🙂 & fühlt sich vor allem viel besser an im Bauch!)

Wer Rohkost mit Kind(ern) in unserer Welt lebt, weiss warum: meine Tochter liebt die Rohkost, die Früchte, Essen direkt aus der Natur, Wildkräuter, Algen … und sie isst voller Genuss aus dem Angebot dessen, was die Natur für uns bereithält. Ich sorge dafür, dass dieses Angebot immer möglichst breit gefächert ist. Ist es mal nicht so groß, dann hilft das Zubereiten, ihr Bedürfnis nach Abwechslung zu erfüllen. Denn: wir leben nun mal nicht im tropischen Urwald oder auf einer weit abgelegenen Finca, sondern mitten in einer … nennen wir sie mal „zivilisierten“ Umgebung. Umgeben von Kochköstlern, Lebensmittelgeschäften, Werbung … wohin wir schauen, sehen wir, was der Rest der Welt für essbar hält. Kinder, zumindestens meine Tochter, sind neugierig. Sie findet rosa überzogene Muffins auf M*acDonalds-Plakaten schön und all die bunten Süßigkeiten im Supermarktregal, in HelloK*itty-Verpackungen und ähnlichem. Wenn der große Bruder sich Chips kauft oder die anderen Kinder nach der Ballettstunde Kekse teilen, will sie wissen, wie das wohl schmeckt. Sie ist stark genug, „anders“ zu sein – aber es fällt ihr leichter & macht ihr vor allem viel mehr Spaß, wenn auch ihr Essen mal so bunt & schillernd aussieht. Die Freude am wahrhaft natürlichen Essen verliert sie dabei übrigens ganz und gar nicht … unvergleichlich auch für sie der Genuss einer frisch gepflückten Orange oder der momentan köstlichen Platterbsenblätter, von denen sie gar nicht genug bekommen kann!

So bleibt unser Speiseplan weiterhin abwechslungsreich und den individuellen Vorlieben & Bedürfnissen entsprechend gemischt.

Die „richtige“ Rohkost

Wie sieht sie aus, die „richtige“ Rohkost? Darauf gibt es vermutlich annähernd so viele Antworten, wie es RohköstlerInnen gibt … überall, im Web, in Büchern & Zeitschriften sind Pläne, Konzepte, Regeln zu finden, was/wie/wann in welcher Kombination gegessen werden sollte. Für manche Menschen ist es außerdem wichtig, Zusammensetzung & Nährstoffgehalt ihrer Nahrung möglichst genau zu analysieren.

Für mich nicht. Mir sind beim Essen Genuss & Wohlbefinden wichtig – ich esse, worauf ich Appetit habe & wonach mein Körper verlangt. An irgendwelche Regeln halte ich mich dabei nicht & ich mag auch nicht mitrechnen, welche Nährstoffe, wieviel Fett oder Kalorien etc. ich zu mir nehme. Grundsätzlich bin ich überzeugt, dass eine möglichst naturbelassene (& selbstverständlich rohe, vegane 🙂 ) Ernährung aus vollreifen Früchten & viel Grün, optimalerweise alles frisch geerntet & mit so vielen Wildpflanzen wie möglich, die beste, weil artgerechte, Ernährung für Menschen ist. In einer Großstadt in Norddeutschland lebend, bin ich davon (wie auch von anderen Aspekten des natürlichen Lebens) allerdings leider (noch) zu weit entfernt.

Wie die beste Zusammenstellung der Nahrung im Detail aussieht – das halte ich für eine sehr individuelle Frage. Abhängig von den Lebensumständen (Gewohnheiten, Stressbelastung), dem Lebensumfeld (Umweltbelastungen), Klima/Jahreszeit, evtl bestehenden Gesundheitsproblemen & auch Prägung/Vorlieben aus früheren Lebensphasen braucht jeder Körper (& jede Seele) zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Nahrung. Wenn du lernst, auf deinen Körper & seine Signale zu achten, wird er dir zeigen was du brauchst!

Ich fühle mich am besten mit einer Ernährung, die zu schätzungsweise 98% aus Früchten & Wildkräutern besteht. Die übrigen 2% beinhalten Gemüse, Kerne, Nüsse – alles Dinge, die ich selten & wenn, dann nur in kleinen Mengen esse. Zubereitetes und Gemischtes esse ich nur in Ausnahmefällen; am liebsten immer alles so, wie es ist. Also z. B. die (reife!) Papaya am Stück, mit Schale & Kernen. Im Winter, oder wenn ich aus anderen Gründen nicht ausreichend Wildkräuter finde, gibt es ersatzweise anderes Grün: Grünkohl, Spinat, Postelein, Feldsalat … Auch frische Algen (aus der nah gelegenen Ost- bzw Nordsee) gehören hier dazu. Insgesamt ist der Grün-Anteil im Laufe der Zeit immer höher geworden & macht mittlerweile mehr als die Hälfte meiner Nahrung aus. In den Früchten sind, je nach Jahreszeit, auch Gemüsefrüchte wie Tomaten & Gurken enthalten & ebenso Fettfrüchte. Letztere spielen allerdings keine so große Rolle mehr; selbst jetzt im Winter geht es mir besser mit einer fettarmen Ernährung. D.h. bei mir z. B. eine halbe Avocado am Tag. Oder eine Handvoll Kokosnuss (frische, reife). Häufig aber eben auch gar kein Fett.

Wohlgemerkt: dies ist nur eine Beschreibung meiner individuellen Ernährungsweise & ist keinesfalls als Empfehlung zu verstehen! Ich möchte dich damit lediglich inspirieren, selbst herauszufinden, womit du dich wohlfühlst. Probier es aus, höre auf deinen Körper – & vor allem: genieße es! 🙂