Sperren und die Verhinderung zu schneller Entgiftung

Was es mit Entgiftung auf sich hat, wodurch sie gefördert wird, wie lange sie andauert, wie du damit sinnvoll umgehst, warum Achtsamkeit (auch) beim Essen wichtig ist und was das Ganze mit Sperren (was ist das überhaupt?) zu tun hat – darum geht es in diesem Artikel.

Unser Körper hat die natürliche Begabung, sich zu heilen. Zu reinigen von allem, was ihn belastet. Das macht er ständig. So gut er kann. Manche Lebensgewohnheiten fördern und unterstützen dies (z. B. sinnvolle Bewegung, frische Luft, Sonne auf der Haut, eine natürliche Ernährung, ein bewusster Umgang mit deinen Emotionen & Gedanken usw.), andere hemmen oder verhindern diese Reinigungsprozesse, und/oder bewirken genau das Gegenteil, nämlich Vergiftung, Belastung, Blockaden … die der Körper dann wiederum zu bewältigen versucht. Dazu gehören, neben ungeeigneter Nahrung, auch alle Arten von Umweltgiften, Strahlung, sog. Genussgifte (Tabak, Alkohol, andere Drogen), ein bewegungsarmer Alltag, Kosmetika und andere Chemikalien auf der Haut, das Verdrängen von Emotionen usw.

Instinktiv vegan

Instinktive Auswahl deiner Nahrung, das heisst, dass du auf deinen Instinkt, deinen Körper & dessen Weisheit, deine Ernährungsintuition hörst. Das funktioniert allerdings nur bei natürlicher, naturbelassener, unverabeiteter Nahrung, da jede Art von Verarbeitung, Mischen, Mixen etc. die Sinne verwirrt. Obwohl die instinktive Rohkost meist als Gegenpol zur veganen Rohkost beschrieben wird; Instinktos also auch Tierisches in ihre Nahrungspalette mit einbeziehen, lässt sich meiner Meinung nach auch die vegane Rohkost instinktiv praktizieren. Fleischesser bezweifeln das gern bzw. unterstellen schon bei der Entscheidung für vegan die Schere im Kopf, die anderes, also Ei, Tiermilch, tote Tiere, einfach nicht zulässt. Doch könnte es nicht genau anders herum sein? Wenn du ganz ehrlich mit dir bist und tatsächlich mal all das, was du im Laufe deines Lebens zu verdrängen gelernt hast, wieder zulässt, an dich heranlässt, und auch die sogenannte „tierische Nahrung“ mal im Ursprung ansiehst – also nicht erst als mehr oder weniger für den Verzehr vorbereitetes Stück Fleisch, sondern als lebendes Wesen – würde dich dann nicht dein Instinkt als mitfühlendes Lebewesen direkt zu einer veganen Ernährung führen?

Im Rahmen einer natürlichen, naturbelassenen Ernährung halte ich den instinktiven Ansatz in jedem Fall langfristig für den einzig sinnvollen Weg. Folge deiner (Körper-)intuition! Nicht nur, wenn es um die Ernährung geht übrigens.

Ich esse selbst bekanntlich die meiste Zeit über nicht ausschließlich mono und unverarbeitet, obwohl ich weiss, dass mir damit am Besten geht. Ich bereite einfach so gerne zu, gestalte mein Essen & habe Spaß daran, neue Rezepte zu entwickeln. Doch insgesamt ist meine Ernährung meistens schon sehr einfach; viele Mono-Mahlzeiten, bei gemischten Mahlzeiten esse ich häufig die unterschiedlichen Sachen nacheinander und nicht wild durcheinander, und wenn ich zubereite, dann meist aus sehr wenigen Zutaten, fast ausschließlich unverarbeitete Zutaten, und ich probiere vor dem Mixen und Mischen, ob mir die einzelnen Bestandteile auch für sich schmecken. Letzteres finde ich absolut essentiell! Ein Nahrungsmittel, das dir einzeln nicht schmeckt, in einen Smoothie oder etwas anderes hineinzumischen, um es auf diesem Weg sozusagen in deinen Körper hineinzuschmuggeln, obwohl der dir doch vorher deutlich gesagt hat, dass er es in diesem Moment gerade gar nicht möchte, finde ich total hirnrissig. Respektiere die Signale deines Körpers ebenso wie die deiner Seele, statt einfach darüber hinwegzugehen!

Gut, zurück zur instinktiven Ernährung. Inwiefern kann die denn nun auch vegan vollständig sein? Schauen wir uns doch einmal an, wie sich die Intuition des Körpers bei der Nahrungsauswahl äußert. Zur Beurteilung, ob du etwas in diesem Moment essen möchtest, nutzt du deine Sinne. Und erhältst somit diverse Eindrücke von der angebotenen Nahrung:

  • ist es optisch anziehend?
  • fühlt es sich bei Berührung mit deiner Haut angenehm an? (taktil)
  • riecht es gut? (olfatorisch)
  • Schmeckt es gut? (gustatorisch)
  • Kannst du die Energie des Nahrungsmittels wahrnehmen, macht es dich glücklich es zu essen? (metaphysisch)

Diese Äußerungen sollten übrigens nicht nur vor Beginn sondern auch während des Essens beachtet werden. D. h., du sollst auf keinen Fall zwecks besseren Wetters deinen Teller leer essen, sondern im Gegenteil sofort aufhören, wenn der positive Eindruck während des Essens umschlägt.

Diese letzte Äußerung meiner Körperintuition – das Wahrnehmen der Energie und die Frage, ob mich das Essen glücklich macht bzw. machen würde – lässt mich Tierisches ausschließen. Ja, ich kann die Energie wahrnehmen. Die Energie von LEBEWESEN. Die genauso wenig Nahrungsmittel für mich sind wie du es bist. Und die genauso gern leben wie du und ich. Bist du dir übrigens dessen bewusst, dass du, wenn du Fleisch isst, tatsächlich die Energien des getöteten Lebewesens mit aufnimmst? All das, was sie erlebt haben, die Angst, der Horror, wenn sie getötet werden. Je nach Herkunft auch Schrecken/Angst/Leid ihrer vorhergehenden Lebensbedingungen.)

Und ja, ich bin mir bewusst, dass Pflanzen ebenfalls Lebewesen sind, mit Gefühlen. Allerdings kann ich von den Pflanzen essen, ohne sie zu töten – und praktiziere das mit meiner Ernährung zu mindestens 90% auch so. Ich esse Früchte und Beeren: die zu Ernten schadet den produzierenden Pflanzen nicht, im Gegenteil. Ich helfe ihnen damit, ihre Samen in der Welt zu verbreiten und sich so fortzupflanzen. Nun ja, letzteres gilt natürlich nur, solange ich Kompostklos oder Ähnliches nutze. 😉 Bei Wildkräutern pflücke ich immer nur Teile der Pflanze, vorsichtig, so dass sie weiter leben und wachsen kann. Ebenso mache ich es mit Salat, wann immer ich die Gelegenheit habe, ihn selbst zu ernten. Wenn ich mein Essen kaufen muss und einen Salat kaufe, ist der natürlich komplett abgeschnitten worden. Nüsse und Samen esse ich eher wenig. Hierbei töte ich dann natürlich den Anfang einer potentiellen neuen Pflanze. Wurzeln zu essen (tu ich so gut wie nie) tötet logischerweise ebenfalls die Pflanze. Insgesamt versuche ich, so wenig Schaden wie möglich anzurichten, und es scheint mir durchaus so zu sein, dass ich mit dieser Ernährung weit weniger Schaden zufüge als wenn ich Tiere essen würde. (Ganz zu schweigen davon, dass ja für die Aufzucht der Tiere, die als Nahrung für Menschen produziert werden, auch Unmengen von Pflanzen zum Füttern getötet werden. Wieviele Pflanzen sterben für ein Kilo Fleisch auf deinem Teller?) Bezüglich tierischer „Nahrung“ sollte meiner Meinung nach die oben beschriebene instinktive Beurteilung beim lebenden Tier erfolgen und nicht erst beim getöteten, zerlegten. Früchte und Gemüse werden ja auch ganz beurteilt und nicht vorher irgendwie angerichtet. Doch auch bei sozusagen verzehrfertig bereitgestellten Leichenteilen sagt mir mein Körper über mehrere der oben gelisteten Wege ganz deutlich, dass er das nicht essen möchte.

Es sind also nicht „nur“ ethische Gründe geschweige denn irgendwelche ideologischen Dogmen. Bislang habe ich nicht das Gefühl, dass es meinem Körper dadurch an irgend etwas mangelt. Sollte sich das einmal ändern, oder sollte mein Körper mir doch einmal Verlangen nach etwas Tierischem signalisieren, würde ich allerdings zunächst einmal genauer hinsehen, wonach genau er denn da verlangt. Ob es bestimmte Nährstoffe sind (die sich auch aus anderen Quellen aufnehmen lassen) oder ob vielleicht emotionale Verknüpfungen dahinter stecken. Momentan glaube ich, dass ich einem solchen Impuls nur dann folgen würde, wenn er tatsächlich beim Anblick eines lebenden Tieres auftauchen würde und die Bereitschaft zu töten beinhaltete.

Kürzlich hatte ich ein merkwürdiges Erlebnis: ich sah im Kühlregal in einem Bioladen einen geräucherten Fisch liegen und hatte urplötzlich Appetit auf den Geschmack von geräuchertem Fisch. Das ist mir zum ersten Mal passiert, seit ich aufgehört habe, Fisch zu essen – was nun immerhin schon viele Jahre zurückliegt. Dieses Erlebnis hat mich zuerst sehr verwirrt. Und erschreckt, mir Angst gemacht, vor mir selbst. So ein Moment also, in dem ich die Wahl hatte: Schau ich genauer hin, was da in mir leben könnte & was ich vielleicht nicht sehen will, weil es meinem Ideal von mir selbst nicht entspricht? Schau ich genauer hin, auf die Gefahr hin, zu erkennen & zugeben zu müssen, dass ich mich geirrt habe? Oder verdränge ich diese kurze Aufflackern lieber ganz schnell, um mein Ego zu retten? Ich hab mich für das genauer hinschauen entschieden. Hab darüber nachgespürt: War das nun einfach nur eine Erinnerung meines Körpers an vergangene Genüsse, den geschmacklichen Reiz, oder vielleicht doch ein Hinweis, dass es meinem Körper an irgendetwas fehlt? Falls so, was brauchte mein Körper in dem Moment? Mehr Fett, Omega 3 vielleicht? Oder tatsächlich Fisch? Ein zweiter, gründlicherer Blick auf den toten Fisch, unter Berücksichtigung der oben gelisteten Kriterien ergab ein eindeutiges Nein. Ganz zu schweigen vom Ansehen lebender Fische, verbunden mit der Beurteilung durch meine Sinne. Die Vorstellung, einen Fisch zu töten, oder ein anderes Tier, und dann entsprechend weiter zu verfahren, um an das Fleisch heranzukommen … das pure Grauen. Wie viele Fleischesser*innen wohl tatsächlich dazu in der Lage wären?

Fisch habe ich also nicht gegessen & möchte das auch eindeutig nicht tun. Was ich tatsächlich, zur Überprüfung meiner Wahrnehmungen, meiner Körpersignale, ausprobiert habe, ist Ei. Zwar hatte ich, seit ich vegan lebe, also jetzt seit über 12 Jahren, niemals Verlangen nach Ei. Der Gedanke, damit ggfs mal auszuprobieren, ob mein Körper tatsächlich Tierisches braucht, ist immer mal wieder in meinem Kopf aufgetaucht. (Ausgelöst durch Bemerkungen oder Erzählungen anderer Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, während der von ihnen veganen Ernährung gesundheitliche Probleme bekommen haben.) Im Kontext einer total natürlichen Lebensweise könnte ich mir auch vorstellen, dass mensch einfacher mal an ein (zufällig gefundenes) Ei kommt als z. B. an Honig. Ganz zu schweigen vom Fleisch anderer Lebewesen, welches ja das Töten derselben voraussetzt. Eier sind in meiner Ernährung übrigens früher schon irgendwie aufgefallen. Im Alter von 12 oder 13, noch lange, bevor ich mich für eine vegetarische Lebensweise entschieden habe, konnte ich von einem Tag auf den anderen keine Eier mehr essen. Weil ich beim Anblick eines Eis sofort das Bild des Kükens, das doch eigentlich daraus wachsen sollte, vor Augen hatte. Jahrelang habe ich also Eier (bei ansonsten unveränderter und unhinterfragter Ernährungsweise) nicht mehr angerührt. Irgendwann hab ich dann doch wieder angefangen sie zu essen, und während der Schwangerschaft mit der Tochter hatte ich sogar unglaubliche Gelüste auf Eier und habe ziemlich viele gegessen. Seitdem aber auch nie wieder. Jetzt also. Ei. Ich habe mir von einem nahegelegenen Bio-Bauernhof ein paar von natürlich ernährten und freilaufenden Hühnern gelegte Eier besorgt. Habe die Blockaden in meinem Kopf losgelassen und, die metaphysischen Äußerungen meines Körpers ignorierend, ein Ei aufgeschlagen und von dem Eigelb probiert. Es war nicht schlimm, also nicht eklig oder so. Hat so geschmeckt, wie ich den Geschmack von Ei in Erinnerung hatte (wenngleich ich sie früher nie roh gegessen habe). Es hat aber auch absolut nicht nach mehr gerufen. Nichts mit himmlischer Phase oder auch nur dem Verlangen weiterzuessen. Keinerlei Hinweis meines Körpers, dass er da etwas bekommt, was er lange vermisst hätte. Zum Vergleich: viele Früchte, süße und andere, und auch viele Wildkräuter, wenn ich sie zum ersten Mal gegessen habe oder nach langer Pause wieder, bewirken tatsächlich dieses „Gib mir mehr davon“-Verlangen bei mir. Den himmlischen Geschmack. Deutliche Zeichen, dass mein Körper darin etwas findet, was er braucht. Davon war bei dem Ei absolut nichts zu bemerken. Ich habe das eine Eigelb aufgegessen und abgewartet, was passiert. Nach etwa einer Stunde hatte ich wieder Hunger und habe dann Grünzeug gegessen. Auf mehr Ei hatte ich null Appetit, auch am nächsten Tag nicht. Im Gegenteil, am nächsten Tag empfand ich die Vorstellung, erneut Ei zu essen als abstoßend und habe die übrigen Eier dann weggegeben. Die einzige erkennbare körperliche Folge des gegessenen Eis war eine leicht gebremste Verdauung. Auch hatte ich in den folgenden Tagen eine seelisch-emotional sehr extreme Erfahrung; allerdings passiert da bei mir im letzten Jahr ständig so viel, dass ich nicht wirklich sagen kann, ob es da einen Zusammenhang gab.

Soviel also dazu. Ohne auf andere Menschen verallgemeinern zu wollen: für mich bestätigen diese Erlebnisse sowie alle intuitiven Signale aus meinem Inneren, dass ich mit meiner veganen Ernährung auf dem für mich richtigen Weg bin.

Was am allerbesten schmeckt

Am besten schmeckt es … genau, wenn du Hunger hast. Und der allererste Bissen ist der allerbeste. Neben Hunger noch vorausgesetzt, dass du das isst, was dein Körper wirklich gerade will, sollte es zu Beginn des Essens geradezu himmlisch schmecken. Optimal wäre es, aufzuhören, sobald der himmlische Geschmack nachlässt. Spätestens aber dann, wenn es nicht mehr gut schmeckt. „Dieses Stück schmeckt nicht mehr.“, so hörte sich das heute morgen bei der Tochter an, nachdem sie etwa die Hälfte einer gut 1kg schweren Papaya genußvoll aufgegessen hatte.

Geruch & Geschmack zeigen dir – eine natürliche, unverarbeitete Nahrungsauswahl vorausgesetzt – was & wieviel dein Körper braucht. Wenn du dir ausreichend Zeit & Ruhe beim Essen nimmst, merkst du auch genau daran, wann du genug hast: der umwerfend leckere Geschmack lässt nach, und dann schmeckt es gar nicht mehr.

Schon das Mischen verschiedener Nahrungsmittel, von Würzen, Salzen, Süßen, Trocknen, Kochen ganz zu schweigen, erschweren oder verhindern allerdings diese klaren Rückmeldungen. Und führen so, genau wie Essen in Hektik, zu Fehlernährung, Überessen und deren Folgen. Je weniger du die einzelnen Zutaten noch herausschmecken kannst, um so eher.

Fazit: so natürlich, frisch, unverarbeitet wie möglich essen. Und so entspannt wie möglich.

Wenn du zubereiten, mischen, möchtest: verwende möglichst wenige Zutaten, insbesondere bei vermixten Zubereitungen wie Smoothies, Cremes, Saucen. Und achte beim Mischen darauf, ob du die Zutaten auch allein für sich mögen würdest.

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Vertraue deinem Instinkt!

Jedes natürlich lebende Tier isst seinem Instinkt gemäß; es weiss genau, was aus der breiten Palette der ihn umgebenden Natur die richtige Nahrung für es ist. Bei uns Menschen ist dieser Instinkt ebenfalls vorhanden – allerdings meist tief vergraben unter Schichten von Konditionierung, emotionalem Essen, Essen als Stimulanzmittel, als Trost, aus Langeweile, als Belohnung und diversen anderen Gründen als dem einen: hungrig zu sein & Nahrung zu brauchen. Hinzu kommt, dass wir im allgemeinen umgeben sind von unnatürlicher Nahrung, die wir jahrelang als für uns geeignet angesehen haben. Wir können jedoch zu einer natürlichen Beziehung zu unserer Nahrung zurückfinden. Wenn wir all die mentalen Verbindungen lösen können, die Essen mit Trost, Sex, Belohnung oder sozialer Anerkennung verknüpfen, können wir die einzig richtigen Beziehung zu unserer Nahrung wiederentdecken: essen um zu leben & Nahrung zu essen, die uns stärkt & unsere Lebenskraft erhält statt unser Leben zu verkürzen.

Wie finden wir zurück zu einem natürlichen, instinktiven Umgang mit Nahrung?

Sich roh zu ernähren ist ein guter Anfang. Ohne Gewürze, Salz, isolierte Produkte wie Öle, Agavennektar usw der nächste Schritt – denn auch all das hindert unseren Instinkt daran zu erkennen, was & wieviel an Nahrung wir brauchen. Selbst wenn alles „wirklich roh“ ist – wieviel Leben steckt denn tatsächlich noch in extrahierten Ölen? Und wie soll unser Körper erkennen, ob er eine bestimmte Nahrung nun gerade braucht, wenn wir ihren natürlichen Geschmack verfälschen durch Salz oder Gewürze? Roh & naturbelassen also sollte unsere Nahrung sein! Verarbeitete Lebensmittel aller Art – also auch getrocknete, gemixte, pürierte – sind zu meiden. Den richtigen Weg zu einer instinktiven, natürlichen Ernährungsweise – wild lebende Tiere zeigen ihn uns: Mono-Mahlzeiten. Nur wenn wir unsere Nahrung mono, also für sich allein, unvermischt, unverarbeitet, genießen, merken wir wirklich, was wir brauchen. Und wieviel – es ist nahezu unmöglich, sich bei einer Mono-Mahlzeit zu überessen (vorausgesetzt natürlich, du hörst auf deinen Körper & ignorierst seine Signale nicht!). Der Geschmack ändert sich, es schmeckt nicht mehr so gut oder sogar unangenehm, & du weisst, dass dein Körper genug hat. Sperre nennt sich das auch. Wohingegen dieses Signal der Sättigung bei gemischten, gemixten Mahlzeiten häufig fehlt. Optimalerweise heisst das, zu einer Mahlzeit tatsächlich nur eine Sache zu essen. Oder wenigstens nur eine zur Zeit, verschiedene nacheinander – also zum Beispiel erst die Tomaten, danach die Avocado.

Mit einer rohen, überwiegend mono gestalteten Ernährung gelingt es meiner Erfahrung nach gut, das Essen von all den überflüssigen mentalen Verknüpfungen zu lösen (& sich um die Erfüllung der emotionalen Bedürfnisse auf andere, angemessenere Art & Weise zu kümmern). Diese Art zu essen zeigt uns übrigens gleichzeitig ziemlich genau, was zur optimalen Palette unserer Nahrung gehört … und was eher nicht: lässt sich eine vollständige Mahlzeit nur(!) daraus machen? Falls nicht, lass es besser sein!

Alles Mischen, Würzen & sonstige Verarbeiten bringt uns ohnehin nur dazu, Dinge zu essen, die wir sonst nicht essen würden. Gesalzen/gewürzt schmeckt auch das, was dich eigentlich überhaupt nicht anzieht. Nicht richtig reife Früchte, die du nach dem ersten Bissen ausspuckst, schmecken, gemixt mit reifer Banane dazu, plötzlich lecker & landen in deinem Bauch – dem sie genausowenig gut tun wie dein Geschmackssinn es dir schon vorher gesagt hat! Unangenehm bitteres Grünzeug lässt sich so ebenfalls in deinen Körper hineinschmuggeln – unter Umgehung des Instinkts, der dich auf die Art auch nicht mehr vor unbekömmlichen oder gar giftigen Pflanzen warnen kann! (Bitteres Grünzeug kann auch gut schmecken – dann nämlich, wenn dein Körper es gerade braucht! Wenn nicht, sollte es keinen Grund geben, es zu essen! Ob dein Körper es braucht, stellst du allerdings natürlich nur fest, wenn du es immer wieder probierst!)

Wenn du mono isst, muss das, was du isst schmecken. So wie es ist. Du sorgst somit perfekt für dich, denn du isst nur das Beste!

Iss was dir schmeckt!

Die Natur hat es so eingerichtet, dass alles Grundlegende, was unserem Überleben & dem Arterhalt dient, uns Vergnügen bereitet – ein Kind zeugen, ein Baby stillen … auch Essen sollte immer eine angenehme, vergnügliche Erfahrung sein! Niemand sollte etwas essen müssen, was ihr/ihm nicht schmeckt.

Die Natur ist 100% verlässlich & vertrauenswürdig. Unser Geschmackssinn ist ein Wächter unseres Körpers, den du niemals ignorieren solltest. Wenn dir etwas nicht schmeckt, will dein Körper es nicht haben & du solltest darauf hören. (Achtung, der verlässliche Umkehrschluss gilt nur für absolut natürliche, naturbelassene Nahrung & ist schon bei verarbeiteten rohen Nahrungsmitteln mit Vorsicht zu genießen!!!). Es macht jedoch durchaus Sinn, Dinge (wie z. B. Grünzeug) in Abständen mal wieder zu probieren, denn der Bedarf deines Körpers ändert sich immer wieder.

Zu hören, was andere essen & für sich selbst als richtig & wichtig erkannt haben, kann Denkanstöße liefern, hat aber nichts mit deinem eigenen Bedarf zu tun. Wenn dir Bananen nicht schmecken, warum solltest du sie essen? Wenn dir Löwenzahn nicht schmeckt, lass ihn stehen.

Ich habe lange geglaubt, wir müssten unbedingt & immer viel Grünzeug, viele Wildkräuter, essen um gesund zu bleiben – denn mein Körper hat seit Jahren sehr danach verlangt. Deswegen habe ich sie auch der Tochter, teilweise versteckt, in ihr Essen gemixt. Das hat gut funktioniert – solange sie das Grünzeug tatsächlich brauchte. Denn auch, wenn z. B. in einer Schoko-Bananencreme die Brennessel nicht mehr zu sehen ist, so ist sie schon zu schmecken. Zumindest für den feinen Geschmackssinn einer langjährigen (in diesem Fall sogar lebenslangen) Rohköstlerin. Hat sie gerade keinen Bedarf, dann mag sie auch die „grünen“ Cremes & Smoothies nicht. Hat sie welchen, isst sie die Wildkräuter ebensogern pur! Und ich bin sicher, solange sie bei der natürlichen Ernährung bleibt, wird ihr Körper ihr, ein entsprechendes Angebot vorausgesetzt, immer signalisieren, was sie braucht um im Gleichgewicht zu bleiben.

Ich halte Wildkräuter als Bestandteil einer vitalstoffbedarfsdeckenden Ernährung nach wie vor für wichtig … in dem Maße, wie jedeR sie halt gerade braucht. In Deutschland habe ich wirklich rund ums Jahr riesige Mengen an Wildkräutern gegessen. Im Freundeskreis wurde ich mitunter schon mit einem Gorilla verglichen, weil ich bei Aufenthalten draußen im Grünen tatsächlich die ganze Zeit grüne Blätter gepflückt & gegessen habe. Momentan ist das ganz anders, & es liegt nicht nur am viel geringeren Angebot hier. Ich habe auch viel weniger Appetit auf Wildkräuter; offenbar ist mein Bedarf momentan geringer. Möglicherweise aufgrund der besseren Versorgung mit Sonne & Früchten. Gerade denen unter euch, bei denen Wildkräuter noch nicht selbstverständlich zum Speiseplan gehören (in welchem Ausmaß auch immer), möchte ich dennoch ans Herz legen, nicht nur nach dem Augenschein zu entscheiden, sondern, wie oben schon gesagt, immer mal wieder zu probieren.

Nutze alle deine Sinne für die Nahrungsauswahl – & verlass dich besser auf deinen Geschmackssinn als auf irgendwelche Tabellen & Vorschriften. Selbst mit all den modernen „wissenschaftlichen“ Erkenntnissen gibt es keinen Ersatz für das uns von der Natur gegebene System zur Nahrungsauswahl. Erlaube deinen Geschmacksknospen, ihre faszinierende Aufgabe zu erfüllen, und wenn sie sagen „Nein, danke“, höre auf sie!

Gerüche & Instinkt

Habt ihr schon bemerkt, dass all eure Sinne mit natürlicher Ernährung wieder viel feiner werden? Der Geschmackssinn erholt sich von dem Überschuss an künstlichen Gewürzen, Salz, Geschmacksstoffen usw und plötzlich erlebt ihr wahre Geschmacksexplosionen, merkt wieder, wie intensiv & gut Apfel, Brokkoli, Spinat … schmecken. Auch der Geruchssinn wird wieder viel empfindlicher. Was beim Essen (Geschmack & Geruch hängen ja eng zusammen) angenehm ist, den Aufenthalt in vollen Bussen, auf befahrenen Straßen, in Läden usw jedoch manchmal zu einem Problem werden lässt.

Der Geruchssinn beeinflusst viele unserer Entscheidungen. Ich rede jetzt nicht von Pheromonen, also Duftstoffen, die wir unterhalb unserer Wahrnehmungsschwelle, unbewusst, wahrnehmen. Sondern von den vielen (ca. 10.000) Gerüchen, die wir bewusst wahrnehmen & unterscheiden können (wenngleich nicht unbedingt benennen). Ob wir einen anderen Menschen anziehend finden, wird nicht zuletzt durch dessen bewusst wahrnehmbaren Geruch bestimmt. Und der wiederum durch das, was Mensch so zu sich nimmt. Was die Partnersuche für Roh-VeganerInnen nicht unbedingt einfacher gestaltet … aber das ist nicht das Thema, über das ich heute schreiben möchte.

Ganz klar, auch die Auswahl unserer Nahrung folgt zu einem großen Teil dem Geruch, den wir wahrnehmen. Die Instinktos lehren es sogar genau so: zur Auswahl stehendes Essen wird durchgerochen; ausgewählt wird, was am besten riecht. In Seminaren wird das so praktiziert, dass mit verbundenen Augen gerochen wird, um sich nicht durch den Anblick (& eventuelle kopfgesteuerte Vorbehalte) beeinflussen zu lassen. Klingt irgendwie sinnvoll. Jedoch: auch unser Riechempfinden ist stark verbunden mit Emotionen, Erinnerungen. Die Bewertung von Riechstoffen findet vor der Erkennung des Geruchs statt. Und wird überwiegend in den ersten 5-10 Lebensjahren gelernt. Wie oft folgt eine derartige Nahrungsauswahl wohl nicht dem Instinkt, dem tatsächlichen Bedarf, sondern einer Erinnerung an frühere Genüsse, an angenehme Gefühle, die unser Gehirn mit diesem Geruch verbindet? Es gibt einige Essensgerüche, die ich noch immer als angenehm empfinde, obwohl ich das, was da riecht, schon seit vielen Jahren nicht mehr als Teil der Palette potentieller Nahrung empfinde. Bei den meisten Gerüchen hat sich das geändert. Was vielleicht mit an der gestiegenen Sensibilität liegt. Unser Gehirn lernt jedoch ganz sicher auch in dieser Hinsicht immer weiter. Wir werden weiterhin geprägt durch die Erfahrungen, die wir im Zusammenhang mit einem bestimmten Geruch machen – wer sich einmal mit etwas den Magen verdorben hat, der wird dessen Geruch auf sehr lange Zeit hinaus nicht mehr ohne Übelkeit ertragen können.

Besonders faszinierend finde ich in diesem Zusammenhang die so krass unterschiedlichen Reaktionen auf Durian-Geruch. Ich empfinde den Geruch seit meinem ersten Kontakt mit einer frischen, reifen Durian, noch bevor ich sie gegessen hatte, als wundervoll. Betörend. So geht es den meisten mir bekannten RohköstlerInnen. Einige haben mir berichtet, dass sie den Geruch zu Anfang unangenehm fanden & sich das erst gewandelt habe, nachdem sie – trotz des Geruchs – probiert haben. Wohingegen ich nur einen einzigen Nicht-Rohköstler kenne, der den Geruch ebenfalls mag. Alle anderen finden ihn so abstossend, dass sie diese Frucht auf keinen Fall probieren könnten. Wobei der Zusammenhang wohl weniger mit der Rohkost als mit einer halbwegs natürlichen, zusatzstoff-freien Ernährung besteht. In den Heimatländern der Durian, Thailand z. B., mögen wohl viel mehr Menschen Durian – obwohl auch da offenbar die Vorlieben auseinander gehen (es gibt ein Durian-Denkmal, aber auch Verbotsschilder an öffentlichen Verkehrsmitteln, in Hotels etc.). Ich habe gelesen, das mit der zunehmenden Verbreitung von verarbeiteter Nahrung immer mehr junge Menschen keine Durian mehr mögen … vielleicht stimmt es, dass diese Frucht (durch ihre relative Ursprünglichkeit?) eine stark entgiftende Wirkung hat, gegen die sich ein von künstlichen Nahrungsmittelzusätzen belasteter Körper wehrt?!?

Noch mal zurück zur „instinktiven“ Nahrungsauswahl, nach Geruch & Geschmack. Manche Nicht-Veganer behaupten, Instinkt & Veganismus schlössen sich aus. Ich sehe das nicht so. Selbst dann nicht, wenn ich meine Sinne diesbezüglich rein auf den Geruch beschränke. Wobei auch unsere übrigen Sinne ja einen Zweck haben … Kürzlich hat sich die Tochter über die süßen Kaninchen vor einem Laden gefreut, wollte sie streicheln, kuscheln, … ich habe ihr nicht gesagt, dass der Laden eine Fleischerei war. Wer, bitte, empfindet beim Anblick von Kaninchen – oder auch beim Blick in wunderschöne Kuh-Augen, das Verlangen, dieses Tier zu töten um es zu essen??? Beim Gang über den Fischmarkt, mit all den herumliegenden toten Fischen, empfinde ich auch allenfalls Mitgefühl für die Tiere, jedoch keinesfalls Appetit darauf sie zu essen.

Okay, also nur der Geruch. Wart ihr mal in der Nähe eines Schlachthofes? In einer Fleischerei? Dieser intensive, ekelerrregende Geruch von totem Fleisch, Blut … mag ja sein, dass es Menschen gibt, die ihn wirklich appetitanregend finden. Ich finde ihn grauenhaft. Abstoßend.

Fleischessende Rohköstler haben mir erzählt, dass sie mit Fisch angefangen haben. Mit getrocknetem Fisch sogar. Frischer ging erst später. Und Fleisch (das ja auch nicht frisch sondern „abgehangen“ gegessen wird) war eine Hürde, etwas, an das sie sich erst gewöhnen mussten, sich zu Anfang überwinden mussten, es zu essen. Später geht es dann immer leichter … Instinkt??? Wohl eher das Gegenteil. Das Austricksen des Instinkts – genauso wie ich ihn mit Mischen & Zubereiten austricksen kann. Und sogar die Überwindung des Instinktes, das bewusste Handeln dagegen.

Mein Instinkt reagiert jedenfalls auf frische, lebende potentielle Nahrung. Und sagt ja zu Früchten, grünen Blättern, ab und zu Gemüsen, Nüssen, Kernen. Und eindeutig nein zum Essen von Tieren!

Instinkt & Vegane Rohkost


Bei dem Wort „Instinkt“ denken die meisten RohköstlerInnen an den von Burger geprägten Instinkto-Ansatz. Der innerhalb der Rohkostkonzepte für gewöhnlich als Gegensatz zur veganen Rohkost gesehen wird, weil er sogenannte tierische Nahrungsmittel, also Fleisch, Fisch & Eier, als potentielle Nahrungsmittel mit einbezieht. Dies abzulehnen (instinktiv 😉 oder kopfgesteuert), bedeutet jedoch keineswegs, unseren Instinkt zu verneinen. Wenn wir (wieder) lernen, auf ihn zu achten, zeigt er uns, was wir brauchen & was nicht. Viele Aspekte der Herangehensweise der Instinktos sind dabei sehr hilfreich. Denn der Instinkt lässt sich leicht überlisten. Er funktioniert nur bei natürlicher, purer, unverarbeiteter, ungemischter Nahrung. Selbst gezüchtete Früchte können ihn schon durcheinander bringen. Rohkost-Zubereitungen sind genauso wenig geeignet wie die Verwendung von Salz oder Gewürzen.

Geruchs- & Geschmackssinn zeigen uns, was unser Körper braucht. Natürliche Nahrung, die gut riecht und gut schmeckt, tut uns auch gut. Umgekehrt zeigt ein unangenehmer Geschmack, dass unser Körper dieses Nahrungsmittel gerade nicht gebrauchen kann. Also nichts Neues eigentlich: achte auf die Signale deines Körpers! Beachte seine Wünsche. Und vor allem seine Sperren – Signale, die dir zeigen, dass dein Körper genug hat. Das könnten deutliche Zeichen sein, wie ein Brennen im Mund, ein plötzlich ins Unangenehme umschlagender Geschmack, bis hin zum Widerwillen, auch nur einen weiteren Bissen zu essen. Früchte, die zu deutlichen Sperren führen, sind zum Beispiel Ananas und Feigen. Andere liefern nur dezentere Signale, eine laufende Nase beispielsweise. Dass spätestens beim Eintreten eines Völlegefühls mit dem Essen aufgehört werden sollte, ist wohl selbstverständlich … auch wenn wir sicher alle schon öfter über diesen Punkt hinaus gegessen haben.

Deutlich zeigt sich das Funktionieren des Instinkts hier bei uns beispielsweise bei Bohnen – die ich gar nicht essen mag, während die Tochter sie ganz gern isst. Nur wenige davon allerdings, nach spätestens 4-5 hat sie genug. Genauso sicher hat sie selbst als Kleinkind niemals zuviel Algen gegessen. Was ihr nicht schmeckt, lehnt sie kategorisch ab & fastet lieber, wenn nichts da ist, was sie gerade mag. Ebenso deutlich ist allerdings zu sehen, wo der Instinkt aufgrund ungünstiger Nahrungswahl versagt – und um wieviel besser er grundsätzlich bei der von Anfang an mit Rohkost aufgewachsenen (& vermutlich in emotionaler Hinsicht weniger als ich vermurksten) Tochter funktioniert: obwohl auch sie sich gelegentlich an gezüchteten Früchten überisst, funktioniert ihre Wahrnehmung dabei & auch bei einfachen Rohkostzubereitungen meist besser als meine. Wie gefährlich „Gourmet-Rohkost“ in der Hinsicht sein kann, haben wir im vorletzten Jahr bei einem Rohkost-Treffen gelernt: die Tochter, die allergisch auf Nüsse reagiert & normalerweise schon auf die kleinste Spur von Nuss hin ein Jucken im Mund spürt, hat einen aufwändig gemixten & gesalzenen Dipp gegessen, löffelweise, in dem Walnüsse „versteckt“ waren. Bis sie darin die Nüsse bemerkt hatte, hatte sie schon so viel davon gegessen, dass die Reaktion wesentlich heftiger & unangenehmer ausfiel. Unser Instinkt schützt uns eben auch – wenn wir ihm die Chance dazu geben. Tast-, Geruchs- & Geschmackssinn helfen uns sogar, die Essbarkeit unbekannter Wildpflanzen zu erkennen & schützen uns so vor Vergiftungen.

Rohkostkonzepte: Instinkto

Wie bei so vielen der bekannten Rohkostvertreter basiert auch das Konzept der Instinktoernährung, begründet durch Guy Claude Burger, auf einer (Krebs-)Erkrankung, von der Burger sich durch Rohkost geheilt hat. Die Instinktos gehen, wie auch die Urköstler, davon aus, dass der menschliche Körper an die Nahrung, die ihm seit Urzeiten zur Verfügung steht, genetisch angepasst ist & nur damit optimal funktionieren kann. An die durch Erhitzen & andere Veränderungen entstehenden Moleküle ist er nicht angepasst & kann diese Stoffe nicht ohne schädliche „Nebenwirkungen“ verstoffwechseln. Zur Nahrungspalette der Instinktos gehören, anders als für die UrköstlerInnen, auch Fleisch, Fisch & Eier. Auch wenn ich dem in keinster Weise zustimme, möchte ich das Instinkto-Konzept hier gern vorstellen, da es einige andere Aspekte betont, die mir beachtenswert erscheinen & die meiner Erfahrung nach auch bei veganer Rohkost eine Rolle spielen.

Die grundlegende Idee der Instinktoernährung ist, wie der Name schon sagt, die instinktgesteuerte Auswahl der Nahrung. Aus der Palette der ursprünglichen Nahrung wird per Geruchssinn das ausgewählt, was gerade am genussvollsten erscheint. Es wird immer mono gegessen und zwar soviel, bis eine Sperre eintritt oder erste Anzeichen von Völlegefühl. Hierbei unterscheiden die Instinktos vier Geschmacksphasen:

  • 1. Die himmlische Phase: das sollte der Normalzustand sein, der zeigt, dass das gerade gegessene Nahrungsmittel optimal für den Körper ist & es einem gut geht. Während starker Entgiftungsphasen verschwindet diese Phase – vielleicht ein Zeichen, dass besser gefastet werden sollte?
  • 2. Die angenehme Phase: es schmeckt noch immer, alles okay.
  • 3. Die unangenehme Phase: es schmeckt nicht mehr, dasselbe Essen ist plötzlich sauer/zu süß/zu bitter oder sonstwie unangenehm. Spätestens jetzt sollte die Mahlzeit beendet werden.
  • 4. Die schmerzhafte Phase: die eintritt, wenn nach der 3. Phase doch weitergegessen wird. Deutlich zu bemerken zum Beispiel bei Ananas.

Optimalerweise sollte nur wilde Nahrung gegessen werden. Bei Zubereitungen/Mischungen funktioniert der Instinkt nicht & sogar bei veredelten/gezüchteten Nahrungsmitteln nur begrenzt; daher sollte bei letzteren nach der himmlischen Phase mit dem Essen aufgehört werden.

Burger geht davon aus, dass das instinktive Erkennen falscher/richtiger Zusammenstellungen durch Geruch & Geschmack nur bei von Geburt an rohköstlich & instinktiv ernährten Menschen funktioniert & hat daher sogenannte Menüführer für die Mahlzeiten entwickelt:

Morgens wird nur Wasser getrunken & Kassia gelutscht, damit der Körper Zeit zum Entgiften hat. Mit dem Essen wird erst Mittags begonnen.

Zum Mittagessen werden zuerst Früchte gegessen, wobei eine Auswahl von mindestens fünf verschiedenen Sorten durchgerochen wird. Es wird die am besten riechende Sorte ausgewählt. Nur wenn eine Frucht gut riecht & einem dabei tatsächlich „das Wasser im Mund zusammenläuft“, darf sie gegessen werden. Wird keine Frucht gefunden, probiert man dasselbe mit Gemüse. Wird auch dabei nichts Appetitanregendes gefunden, wird zu dieser Mahlzeit gefastet. Die ausgewählte Frucht wird bis zum Ende der himmlischen Phase gegessen. Ist danach noch Appetit auf mehr da, riecht man sich nochmal durch die Früchtepalette & wählt ggfs eine weitere Frucht. Gegessen wird bis zu einem Gefühl der Zufriedenheit, jedoch wird nach spätestens drei Fruchtarten die Mahlzeit beendet. Wurden weniger Früchte gegessen, darf man zum Abschluss noch Datteln oder Honig essen – Auswahl auf dieselbe Art, Essensmenge bis zum Ende der himmlischen Phase.

Abends gibt es Eiweiße & Fette. Die vegane Auswahl beinhaltet Nüsse, Kerne, Ölsaaten, Hülsenfrüchte, Pilze, Oliven, Avocados, Safus, Kokosnüsse. Es darf nur eine Sorte Rohkosteiweiß gegessen werden, anschließend gibt es bei Bedarf noch Gemüse (evtl mehrere Sorten nacheinander).

Koriander & Knoblauch

Kennt ihr Koriander? Das Kraut meine ich, nicht die Samen. In Deutschland ist ersteres nicht so sehr verbreitet; manchmal auf Märkten erhältlich und vor allem in Asia-Läden, häufig unter der Bezeichnung „Chinesische Petersilie“. Sowohl zu Kochkost- als auch zu Rohkostzeiten bin ich immer wieder auf Rezepte mit Koriander gestossen & so habe ich ihn immer mal wieder, einmal im Jahr oder so, ausprobiert. Mochte ihn aber nie, überhaupt nicht; ich fand den Geschmack abstoßend. Hier auf den Kanaren ist Koriander sehr verbreitet; auf dem Markt und in jeder Fruteria wird er angeboten. Vor ein paar Tagen habe ich mal wieder probiert – & plötzlich finde ich ihn unglaublich lecker & kann gar nicht genug davon bekommen!

Solche Erfahrungen habe ich schon häufiger gemacht, allerdings noch nie so extrem. Manche Nahrung reizt manchmal gar nicht, zu anderer Zeit schmeckt sie plötzlich sehr verlockend. Meiner Meinung nach die Art meines Körpers, seinen Bedarf anzuzeigen. Was er grad braucht, darauf habe ich Appetit, das schmeckt mir. Auch in diesem Fall vertraue ich ganz klar auf meinen Instinkt. Offenbar brauche ich Koriander jetzt. Und der Koriander schreit geradezu nach Knoblauch – auch nach dem verlangt es mich nämlich zunehmend. Ganz besonders während oder nach dem Essen von Koriander.

Nachdem ich mich ja nun gerade mit dem Thema Schwermetallausleitung beschäftigt habe, glaube ich, dass hinter diesem speziellen Appetit mehr steckt. In allen Quellen, die ich zu diesem Thema gefunden habe, wird nämlich auf Folgendes hingewiesen:

  1. Schwermetalle lagern sich zum Einen im Bindegewebe ab, zum Anderen in Knochen, Nerven & im Gehirn.
  2. an die Letzteren kommt man so einfach nicht heran; einzig Koriander hat scheinbar die Fähigkeit, die „Tür“ zum Abtransport auch dieser Belastungen zu öffnen.
  3. Diese „Tür“ funktioniert allerdings in beide Richtungen; es wird somit dringend davon abgeraten, eine Ausleitung mit Koriander zu versuchen, solange noch Schwermetalle im Blut & Bindegewebe unterwegs sind.

Auch wenn ich mich in den letzten Jahren nicht gezielt mit einer Ausleitung welcher Art auch immer beschäftigt habe, so esse ich doch jetzt seit 5,5 Jahren roh, mit sehr vielen Wildkräutern – eine Ernährung die, auch wenn das in solcherlei Behandlungsanleitungen nicht erwähnt wird (lässt sich ja nix mit verkaufen, nicht wahr), extrem entgiftend wirkt.

Vielleicht hat mein Instinkt mich also so davor geschützt, in meinem Blut & Bindegewebe vorhandene Schwermetalle & anderes an empfindlichere, schwerer zu erreichende Stellen zu transportieren. Und nun ist mein Bindegewebe frei davon – eine Theorie, die unterstützt wird durch die fehlende Reaktion meines Körpers auf meine kürzlichen Ausleitungsversuche mit den mir freundlicherweise von Keimling zur Verfügung gestellten Afa– und Chlorella-Algen. Die für ihre herausragende Absorptionsfähigkeit von Toxinen aller Art bekannt sind & körpereigene Entgiftungsfunktionen aktivieren sollen. Wie es mir damit ergangen ist, könnt ihr hier nachlesen. Mein Körper ist jedenfalls offenbar nun bereit, tiefer sitzende Belastungen loszuwerden. Daher mein momentaner Appetit auf Koriander. Knoblauch hat ebenfalls eine entgiftende Wirkung & schützt außerdem das Blut vor Schäden während des Transportes von Metallen aus dem Körper.

Rezepte dafür brauche ich nicht, ich futtere einfach einen Bund frischen Koriander zu Gemüse/Salat/Avocado oder ähnlichem – lecker! Den Knoblauch dazu ebenfalls einfach pur, in feine Scheibchen geschnitten. Das geht zum Beispiel prima als Wrap: ein großes Salatblatt in die Hand, mit etwas Avocado, Knoblauch & Koriander füllen, zusammenrollen, fertig! Alternativ lässt sich auch gut ein einfaches Pesto aus Koriander, zusammen mit Knoblauch & kaltgepresstem Olivenöl, zubereiten.

Kalorien, natürliches Essen und andere Fragen

In letzter Zeit sind zu dem, was ich hier so über unser Essen schreibe, verschiedene Fragen & Kommentare angekommen. Zu denen ich heute gern mal was schreiben möchte.

Zum einen ist da die immer wiederkehrende Frage nach dem ausreichenden Kaloriengehalt bzw Nährwert unseres Essens. Hier im Blog verzichte ich absichtlich auf Angaben zu unseren Essensmengen – zu unterschiedlich ist der individuelle Bedarf um satt zu werden! Abhängig von Körpergröße, Lebensumständen, körperlicher Aktivität, besonderen Lebensphasen wie Wachstum, Stillzeit etc und weiteren Faktoren. Ihr könnt euch sicher sein, dass wir immer genug essen um satt zu werden 🙂

Jedoch messe, wiege, analysiere und berechne ich unser Essen nicht. Weder im Hinblick auf die Kalorien noch auf den Gehalt an Vitalstoffen oder sonst irgendwas. Wir essen nach Appetit und Hunger und ich bin absolut sicher, dass wir damit genug & alles, was unsere Körper brauchen, bekommen!

Mehr zu diesem Thema findet ihr auch in folgenden Artikeln:

Kalorienbedarf 27 Bananen?
Figur, Gewicht, Bedarf
Ein anderes Ernährungsparadigma

Falls beim Leben in unserer relativ unnatürlichen Umgebung mal Fragen zur Richtigkeit auftauchen sollten, verweise ich auf die Natur – „Wie wäre das jetzt, wenn wir wahrhaft natürlich leben würden?“. Über die Grundlagen dieser Betrachtungsweise (& damit dem Einstieg in unsere Art der Ernährung) schreibt meine liebe Affenfreundin übrigens seit einiger Zeit einen sehr unterhaltsamen Blog: Mein Affenexperiment. Vor einigen Tagen zum Beispiel die einfache & einleuchtende Erklärung, warum wir Menschen keine Fleischfresser sind.

Weshalb ich auch glaube, dass diejenigen, die beharrlich auf ihren Instinkt verweisen, der sie dazu treibe, Tierleichen zu essen, in Wirklichkeit nicht ihrem Instinkt folgen, sondern entweder ihrer Konditionierung (man könnte auch sagen: Sucht) aus früheren Jahren folgen – denn wir von uns ist schon von Kindheit an vegetarisch/vegan? – oder auf die Verführung/Gehirnwäsche durch die Welt um uns herum hereinfallen. Anschaulich formuliert in diesem Zitat (dessen Quelle mir leider verloren gegangen ist):

„Gib einem Kind eine Möhre und ein Kaninchen. Wenn es der Möhre spielt und das Kaninchen isst, schenke ich dir einen RollsRoyce.“

Womit ich bei einer weiteren Frage angekommen bin: die Natürlichkeit unserer Ernährung. Obwohl wir uns definitiv roh ernähren, ist das, was ihr auf den Fotos hier im Blog oft seht, häufig nicht mehr wirklich Nahrung in ihrer natürlichen Form. Warum mache ich das? Wo ich doch, wie ich es immer wieder betone, die Nahrungsmittel in ihrer natürlichen Form am liebsten mag? Das ist wirklich so – ich habe am liebsten einfach eine Frucht & Grünzeug in der Hand und beisse hinein. Wofür dann der Aufwand – denn: ja, es ist wirklich Aufwand. Mixen, Schneiden, Dekorieren oder gar Zubereitungen zur rohen Imitation von bekannten Kochkost-Gerichten brauchen mindestens genauso viel Zeit wie Kochen (doch zumindestens ist das Ergebnis weitaus besser 🙂 & fühlt sich vor allem viel besser an im Bauch!)

Wer Rohkost mit Kind(ern) in unserer Welt lebt, weiss warum: meine Tochter liebt die Rohkost, die Früchte, Essen direkt aus der Natur, Wildkräuter, Algen … und sie isst voller Genuss aus dem Angebot dessen, was die Natur für uns bereithält. Ich sorge dafür, dass dieses Angebot immer möglichst breit gefächert ist. Ist es mal nicht so groß, dann hilft das Zubereiten, ihr Bedürfnis nach Abwechslung zu erfüllen. Denn: wir leben nun mal nicht im tropischen Urwald oder auf einer weit abgelegenen Finca, sondern mitten in einer … nennen wir sie mal „zivilisierten“ Umgebung. Umgeben von Kochköstlern, Lebensmittelgeschäften, Werbung … wohin wir schauen, sehen wir, was der Rest der Welt für essbar hält. Kinder, zumindestens meine Tochter, sind neugierig. Sie findet rosa überzogene Muffins auf M*acDonalds-Plakaten schön und all die bunten Süßigkeiten im Supermarktregal, in HelloK*itty-Verpackungen und ähnlichem. Wenn der große Bruder sich Chips kauft oder die anderen Kinder nach der Ballettstunde Kekse teilen, will sie wissen, wie das wohl schmeckt. Sie ist stark genug, „anders“ zu sein – aber es fällt ihr leichter & macht ihr vor allem viel mehr Spaß, wenn auch ihr Essen mal so bunt & schillernd aussieht. Die Freude am wahrhaft natürlichen Essen verliert sie dabei übrigens ganz und gar nicht … unvergleichlich auch für sie der Genuss einer frisch gepflückten Orange oder der momentan köstlichen Platterbsenblätter, von denen sie gar nicht genug bekommen kann!

So bleibt unser Speiseplan weiterhin abwechslungsreich und den individuellen Vorlieben & Bedürfnissen entsprechend gemischt.