Wild & roh im Norden

Wildes Grün – so sieht es hier im Norden aus:

Fucus-Algen

Fucus-Algen

Salzgras

Salzgras



Was nicht fehlen darf, wenn wir im Norden Deutschlands unterwegs sind: ein Spaziergang im Watt, an der Nordsee. So ganz anders als der Atlantik daheim. Viel zu sehen gab es – Vögeln, Muscheln & Krebse, Quallen und anderes Getier. Und lecker zu essen: saftiges Salzgras & jetzt im Sommer eher schon leicht trockene Algen.

Direkt von der Hand in den Mund haben wir gefuttert, & auch welche mitgenommen. Zum Mittag gab es dann ein Picknick aus Pistazien, Gurke & Salzgras. Abends Algen zu Datteln & Gurke für mich bzw. zu Tomaten, Paprika & Sonnenblumenkernen für die Tochter.

Ein Tagesmenü übrigens, das mir viel besser bekommen ist als die pikant gewürzte Gourmetküche vor ein paar Tagen. Die mir am Folgetag ein leicht verkatertes Gefühl (leichtes Kopfweh, Abgeschlagenheit und so) beschert hat. Einfach ist eben einfach besser!

Salzige Pflanzen

Wie schädlich isoliertes Salz ist, hast du hier schon gelesen … wer sich einige Zeit roh, vegan, natürlich, salzfrei ernährt hat, merkt es auch selbst recht schnell beim Ausprobieren am eigenen Körper. Ich mag & vertrage schon seit Jahren kein Salz mehr & habe besonders letzteres bei einem (versehentlichen) Experiment vergangenes Jahr unangenehm bestätigt bekommen. In den letzten Tagen habe ich nun, vielleicht hast du es gelesen, an der Nordsee frische Algen gefunden. Und Salzgras. Wie sieht es bei solchen salzigen Pflanzen aus mit der Bekömmlichkeit?

Zunächst einmal besteht ein grundlegender Unterschied zwischen Mineralsalzen, die in ihrem natürlichen Zusammenhang gebunden sind, also Bestandteil einer Pflanze sind, & isolierten Salzen. Letztere kommen so in der Natur nicht vor & sind deswegen logischerweise auch nicht gut verträglich für den Körper. Salzige Pflanzen wie Algen oder Salzgras jedoch kannst du unbesorgt essen – soviel du magst. Dein Körper, dein Geschmackssinn wird dir sagen, wann du genug hast. Das gilt übrigens für alle Bestandteile der Pflanzen, solange du sie frisch, roh, unverarbeitet & mono isst. Auch für das in den Algen enthaltene Jod. Eine Gefahr der „Überdosierung“ besteht dabei meiner Erfahrung nach nicht.

Frische Algen hatte ich jetzt schon sehr lange, seit etwa einem Jahr, nicht mehr gegessen, und auch getrocknete im letzten halben Jahr nur noch sehr selten. Beim Essen der frischen Nordseealgen habe ich diesmal festgestellt, dass ich nicht mehr viel davon essen mag. Nicht annähernd die Mengen, die ich früher davon gefuttert habe. Sie schmecken mir jetzt viel zu salzig, insbesondere diese dicken „Blasen“ des Blasentangs (Fucus-Algen sind es, die an der Nord- und der Ostseeküste wachsen). Die übrigen Teile der Algen fand ich immer noch sehr lecker. Im ersten Überschwang habe ich dennoch zuviel gegessen … & bin tatsächlich mit den üblichen Folgeerscheinungen von zuviel Salz „belohnt“ worden: Juckreiz, Ekzeme, Schwellungen. Unangenehm. Beim nächsten Mal höre ich wieder besser auf meinen Körper …

Gesammelte Algen lassen sich übrigens gut einige Tage, bis zu zwei Wochen, im Kühlschrank lagern. Da wir morgen wieder nach Hause fliegen & sie nicht mitnehmen können, werden wir unseren Restvorrat heute dem Buffet beim Rohkosttreffen spenden. Ich freu mich schon auf ein unseren Urlaub abschliessendes Fest 🙂

Algen

Von den einen als Superfood gepriesen, von anderen abgelehnt, weil nicht zur ursprünglichen Nahrung des Menschen gehörend: wie zu so vielem gibt es auch zu Algen viele verschiedene Meinungen in der Rohkost-Welt. Meine Meinung dazu ist, klar: ganz nach Bedarf, nach Gefühl. Probier es aus, wenn du willst; höre auf deinen Körper. Ein notwendiger Bestandteil für eine ausreichende Ernährung sind Algen sicher nicht. Sie enthalten aber jede Menge wertvoller Inhaltsstoffe: die Vitamine A, B1, B2, B3, B6, B12, C, E, G, K und S, mindestens 28 Mineralien, insbesondere auch große Mengen an Jod (wichtig für die Drüsen). Omega-3-Fettsäuren ebenfalls. Algen stimulieren den Stoffwechsel, helfen beim Abbau von Ablagerungen, reinigen und stärken den gesamten Körper und verbessern somit u. a. auch das Erscheinungsbild der Haut. Aus dieser Sicht also durchaus eine wertvolle Ergänzung unserer Ernährung!

Ich persönlich mag Algen auf jeden Fall sehr gerne; auch meine Tochter liebt sie. Am liebsten ganz frisch – zum Beispiel den Blasentang, den wir weiter im Norden Europas so gern geerntet haben.

Fucus-Algen (Blasentang) an der Küste der Isle of Wight, bei Ebbe.



Zur Zeit leben wir wieder recht nah am Meer – dem Atlantik nun, in dem immerhin Wakame-, Dulse und weitere Algen wachsen sollen. Mal schauen, ob wir hier irgendwo welche finden werden!

Wie, in welcher Form, lassen sich denn Algen nun eigentlich genießen? Wie bei allem, was wir so essen: frisch sind sie sicher am besten, sowohl was den Geschmack als auch den Nähr- & Vitalstoffgehalt betrifft! Glücklich, wer küstennah wohnt & gelegentlich einfach mal welche sammeln kann! Für alle anderen gibt es ab und zu, saisonal bedingt, auch frische, rohe Algen zu kaufen. Zum Beispiel bei Orkos oder bei Veggie’s Delight. Einfacher & das ganze Jahr über erhältlich sind getrocknete Algen. Die gibt es, in Rohkostqualität, beispielsweise im Wurzel-Shop. Auch in Bio- und in Asia-Läden wird ein großes Sortiment an getrockneten Algen angeboten, die allerdings meist bei hohen Temperaturen getrocknet wurden und somit leider kaum noch Leben enthalten. Natürlich könnt ihr auch frische Algen selber trocknen – einfach an der Luft liegen lassen.

Getrocknete Algen können zwar auch trocken gegessen werden, allerdings sind sie dann sehr salzig – und sehr trocken 😉 . Ich mahle sie so übrigens gern zu Pulver, das meine Tochter dann wie Salz verwendet oder mit Wasser zusammen zu einer Suppe anrührt – roh-vegane Tütensuppe sozusagen :).
Für den Verzehr im Ganzen besser ist es, sie, wie Trockenfrüchte, vorher einige Stunden lang einzuweichen. Anschliessend schmecken sie lecker zu Avocado, Wurzeln, Nüssen/Kernen und gekeimten Hülsenfrüchten. Auch die Kombination mit Süßem, z. B. mit Sonnenblumenkernen & Rosinen oder mit Süßkartoffeln & Datteln, ist sehr reizvoll. Spaghetti-Algen, die eine Form wie schmale Bandnudeln haben, bieten sich als rohes „Nudelgericht“ an. Wakame, Dulse oder Meeressalat lassen sich, pur oder gemischt mit Blattsalaten, als Salate anrichten. Sogar das vermutlich bekannteste Algen-Gericht, Sushi, lässt sich als roh-vegane Version herstellen: rohe, zu Sushi-Blättern gepresste Nori-Algen gibt es neuerdings bei lifefood; das passende Rezept dazu findet ihr hier.

Pasta Marinara: Algen zu "Pasta" aus geraspeltem Sellerie mit Tomatensauce.



Auf den Verpackungen der Algen im Handel finden sich häufig Warnhinweise zum hohen Jodgehalt, die einen mengenmäßig beschränkten Verzehr empfehlen. Wie ihr das handhaben wollt, müsst ihr natürlich selbst entscheiden. Vielleicht helfen euch die folgenden Überlegungen dabei: In Japan essen die Menschen traditionell schon immer große Mengen an Algen, ohne sich durch übermäßig viel Jod irgendwie zu schaden. Meiner Beobachtung nach ist es auch hier wieder eine gute Idee, auf den Körper und seine Reaktionen zu achten. Ein natürlich ernährter Körper signalisiert seinen Bedarf recht zuverlässig durch den Appetit. Meine Tochter hat seit dem Alter von noch nicht mal 2 Jahren Algen gegessen, soviel sie wollte. Nach längerer „Abstinenz“ futtert sie oft große Mengen auf einmal; bekommt sie mehrere Tage in Folge Algen, lässt ihr Appetit darauf nach einiger Zeit nach. Ich selbst esse seit mehreren Jahren Algen, oft & manchmal in großen Mengen, & sie bekommen mir ausgezeichnet!