Reise-Impressionen & Wissenswertes: Ägypten

Zeit & Ort sind merkwürdige Phänomene. Am Abend meiner Rückkehr aus Ägypten, auf den letzten Metern des unbefestigten Weges zum Tor meines derzeitigen Zuhauses, hatte ich das Gefühl, aus einer anderen Dimension zurückzukehren. Aus unendlicher Ferne zu kommen, endlos lange Zeit fort gewesen zu sein. Wenige volle Tage und eine Vielzahl sich überschlagender Geschehnisse haben mich sehr schnell wieder im Hier und Jetzt ankommen lassen. Ich bin HIER – so soll es ja auch sein. Tue, was ich vorher getan habe und bin doch eine Andere als zuvor. Wie alles, was ich erlebe, mich verändert und mein morgiges Ich ein anderes sein wird als das jetzige. Diese Reise, das Kennenlernen einer neuen fremden Welt, hat mich tief beeindruckt.

Ich bin im Nil geschwommen. Und darauf gesegelt ;). Manche sagen, ein Bad im Nil heilt alles. Ob das stimmt, weiss ich nicht. Doch es hat etwas mit mir getan, und ganz deutlich habe ich das Gefühl, manches, was mich gefesselt hatte, dort gelassen zu haben.

Ich habe die Wüste gesehen. So lange Zeit schon hatte ich mir das gewünscht, mich danach gesehnt. Und sie hat mich nicht enttäuscht. Ich habe eine neue Liebe gefunden 😉
Unbeschreiblich, diese Weite. Sand. Himmel. Nur die Weite und ich. Damit die Seele wachsen kann, müssen die Augen weit schauen können. So ähnlich habe ich es vor Jahren mal bei Paulo Coelho gelesen (Ich glaube, das war in „Schutzengel„*) und für mich hat es sich tatsächlich immer so angefühlt. Zwischen Mauern oder engen Bergen kann ich nicht lange leben, und so sehr ich den Wald liebe, zieht es mich doch immer wieder zum Meer. Oder eben in die Wüste oder ähnliche weite, flache Landschaften.

Speziell und unvergesslich: die hunderte Kilometer lange Strecke durch die Wüste im Osten des Landes. Die gegen Ende durch einige atemberaubend schöne Bergketten führt, um dann den Blick freizugeben auf das Rote Meer – seinem Namen zum Trotz wundervoll türkis und blau schimmernd. Wer glaubt, ein Meer sei wie das andere, möge noch mal genauer hinschauen. Ich habe noch nicht alle gesehen, doch die, die ich kenne – der Atlantik, das Rote Meer, das Mittelmeer, Nordsee und Ostsee -, sie alle sehen unterschiedlich aus.

Die Wüste hat mich begrüsst bei meiner Ankunft, mitten in der Nacht, beschirmt von einem von Sternen übersäten Himmel. Und mich verabschiedet … auf der eben beschriebenen Fahrt und schließlich von oben, aus dem Flugzeug. In der klaren Luft schien es, als flögen wir nur wenige Meter über dem Boden … und stünden still in der Luft. Ein Wahnsinnsgefühl. Der Anblick änderte sich erst ganz im Norden des Landes, kurz vor dem Mittelmeer … Wasserwüste nach all dem Sand. Die griechischen Inseln … ebenfalls verknüpft mit spezieller Erinnerung. Vor zwei Jahren erst war ich dort … Im Flugzeug hatte ich das Glück, einen Fensterplatz bekommen zu haben und habe bis Kroatien oder so ununterbrochen hinausgeschaut. (Danach wurde es wolkig, und immer nasser und kälter, gelandet sind wir schließlich bei 6°C und Regen.)

Noch ein besonderes Geschenk, das Ägypten mir gemacht hat und für das ich so dankbar bin: die Sonnenaufgänge. Die ich bisher in meinem Leben nur sehr selten bewusst miterlebt und angesehen habe. In Ägypten bin ich dank der frühmorgendlichen Gesänge aus den Moscheen immer schon zwischen 4 und halb fünf aufgewacht, und hatte somit viel Zeit und Gelegenheit, Morgenhimmel und diverse magische, wunderschöne Sonnenaufgänge zu sehen. Was für eine wundervolle Art, den Tag zu beginnen! Ich habe versucht, diese Morgenmagie auch hier in Deutschland zu zelebrieren, doch nach einem zehnminütigen Lauf entlang einer stark befahrenen Straße, durch Regen und erfrischende 4°C, fällt es mir nicht so leicht, im – meist hinter Wolken verborgenen – Sonnenaufgang die Magie des Tagesanfangs zu finden.

Natürlich habe ich auch einige Tempel besucht; von einem unglaublich guten Guide vieles über die Geschichte und Magie des Alten Ägyptens lernen dürfen, und bin sowohl von dem Gehörten als auch von der Energie und Magie der Tempel und anderen Bauwerke fasziniert und tief berührt.

Ich bin, allein und in Gesellschaft, durch Städte und Natur gelaufen. Habe wundervolle Menschen kennengelernt. So viel habe ich schon gesehen, und doch war es nur ein Bruchteil des Landes und seiner Schönheit. Meine Bucket List ist wiederum gewachsen … eines, was ich unbedingt machen möchte, ist, mit einer Karawane durch die Wüste <3 zu einer Oase zu reisen und dort eine Weile zu sein.

Zu einigen Themen (des aktuellen Ägyptens) habe ich viele Fragen und Bemerkungen gehört und möchte die hier gern kurz beantworten:

  • Sicherheit: Vor meiner Reise habe ich unzählige Warnungen gehört, nahezu jede*r hat mich darauf hingewiesen, dass Ägypten gefährlich sei, unsicher, und ich da doch besser nicht hinreisen sollte. Schon gar nicht als alleinreisende Frau. – Wie ich es erfahren habe: Die Ägypter sind ein überwiegend friedvolles Volk. Katholiken und Moslems leben einträchtig miteinander. Die Menschen sind sehr freundlich und extrem hilfsbereit. Man kann seine Sachen im offen Auto liegenlassen, ohne Angst vor Diebstahl.
    Aufgrund der politischen Lage ist das Militär, vor allem in Assuan, sehr präsent. Es gibt viele Kontrollposten, überall, an denen immer wieder mal Papiere kontrolliert und Kofferräume überprüft werden. Ungewohnt, doch es geht nichts Bedrohliches von ihnen aus. Ich bin stundenlang, auch allein, unbehelligt durch Assuan und Luxor gelaufen und habe mich die gesamte Zeit dort absolut sicher gefühlt. Bei meiner Bekleidung habe ich Rücksicht auf die dortigen Sitten genommen – lange Hosen, nichts Schulterfreies bzw. Tuch um die Schultern, wenn ich nur ein Trägertop anhatte.
    Beim Einkaufen, Taxi-fahren etc. gehören Preisverhandlungen dazu. Du akzeptierst dort niemals den ersten Preis. Wenn doch, zahlst du höchstwahrscheinlich zu viel. Um wirklich zu wissen, wieviel jeweils angemessen ist, hätte ich allerdings länger dort sein müssen. Das Kostenniveau dort ist ein ganz anderes – eine ganze Familie wird von 200 ägyptischen Pfund pro Woche satt – das sind 10 EUR …
    Die Sicherheitskontrollen am Flughafen sind gründlicher als in London, und auch an Bahnhöfen wird schon beim Betreten des Bahnhofs das Gepäck durchleutet und du musst durch einen Metalldetektor gehen. Der Zug, mit dem ich von Assuan nach Luxor gefahren bin, war übrigens extrem komfortabel und super-sauber. (Und die „Skyline“ während des Sonnenuntergangs/Abendrots, Palmen am Nilufer vor dem glühend roten Himmel, ein Bild, das ich sicher nicht vergessen werde.)
  • Alle Krokodile und Nilpferde wurden beim Bau des großen Staudamms in Assuan vor rund 60 Jahren nach oberhalb des Staudamms umgesiedelt. Unterhalb von Assuan wirst du also keine treffen – und brauchst dir bei einem eventuellen Bad im Nil darüber keine Sorgen zu machen. Solltest du Angst vor Bilharziose-Erregern haben: suche dir eine Stelle mit schnell fließendem Wasser und/oder frage die Einheimischen, wo es sich gut baden lässt. 😉
  • Bio-Nahrung. Das ist in der Tat schwierig. Das Bewusstsein für derartige Themen ist in Ägypten noch kaum vorhanden. Im Delta gibt es zwar mindestens ein großes Bio-Projekt, doch entlang des Nils zwischen Luxor und Assuan kümmert sich eher kein Mensch darum. „Dank“ des Staudamms werden seit 60 Jahren die alljährlichen Überflutungen durch den Nil verhindert. Die zuvor jedes Jahr für einen Nachschub an fruchtbarem Schlamm gesorgt haben. Mittlerweile sind die Böden ausgelaugt, und die Menschen benutzen Dünger. Auch Pestizide etc. werden eingesetzt. Bei Datteln und Feigen wird das wohl niemand für nötig halten, doch ich befürchte, beim Gemüse und Grünzeug sieht das anders aus.
  • Zum Thema „Essen auf Reisen“ und wie sich das mit der Ernährung als Rohköstler*in/Veganer*in (oder sonstwie Achtsam-Essende*r) lösen lässt, schreibe ich noch einen eigenen Artikel.

Die Zeit in Ägypten hat mir so unendlich viel geschenkt. Meine Seele genährt. Mir ist erst dort wirklich bewusst geworden, was und wieviel ich in den vorhergehenden Monaten in Deutschland vermisst habe. Seelennahrung. Wundervolle neue Eindrücke und Begegnungen. Und, nicht zuletzt, Sonne & Wärme. Ich bin voller Dankbarkeit

Passende Lektüre

Abendstimmung auf der Dahabiya

Symbole für Gesundheit, Schutz und der Schlüssel des Lebens

Ägypten, Tag 1

Nun schreib ich doch hier, soviel in meinem Kopf, das sortiert werden will … und das geht beim Schreiben einfach gut für mich.

Ich bin in Afrika. In einer faszinierenden fremden magischen aufregenden Welt. Ägypten. Nach 16 Reisestunden, die letzten vier davon mit dem Auto durch die Wüste. Sternenhimmel in der Wüste. Und dann Sonnenaufgang. Wow. Unbeschreiblich. Soviel Schönheit.

Der Strassenverkehr hier ist auch ein Abenteuer. Eselskutschen, dreirädrige Laster, Autos, die der deutsche TÜV sofort aus dem Verkehr ziehen würde. Chaos, doch jeder scheint zu wissen, wie es funktioniert. Checkpoints entlang der Strecke, an denen ich mich mit meinem Sitz mal eben in Liegeposition begebe, um weniger aufzufallen. Touristen dürfen erst ab 6 Uhr früh chauffiert werden & weder mein Fahrer Tayeb noch ich haben Lust auf eine zweistündige Rast. Unterwegs die ersten Lektionen in Sprache und Landeskunde. Moscheen und katholische Kirchen gibt es hier, nah beieinander. Katholiken und Moslems leben friedlich miteinander. Überhaupt, so Tayeb, ist Ägypten ein friedvolles Land.

Um 8 Uhr früh erreichen wir das Boot in Esna, die luxuriöse Dahabiya meiner Kunden (ich bin ja auch zum Arbeiten hier ;)), wo ich herzlichst empfangen werde. Und mich, total erschlagen, erstmal in meine Kabine zurückziehe. Nach 1,5 Stunden Ruhe, Meditation und Dusche fühle ich mich wieder lebendiger und bereit, meine Mitreisenden kennenzulernen. Gemeinsam ziehen wir dann auch gleich los, zum ersten Tempel. Dem Tempel von Esna. Mit 2000 Jahren für ägyptische Verhältnisse nicht allzu alt. Unser Guide heisst, wie scheinbar jeder zweite Mann hier, Mohammed. Ein seinen Beruf offensichtlich liebender Ägyptologe, der so grossartig erzählen kann, dass ich nach einer Stunde mehr gelernt habe als in Monaten des Geschichtsunterrichts damals in der Schule. Nebenbei gerade in der Umstellung auf vegan (was in Ägypten noch eine wesentlich grössere Herausforderung ist als in Deutschland), und in Tempeln Yoga praktizierend. 🙂

Ein paar faszinierende Wissenshäppchen altägyptischer Geschichte:

– Die alten Ägypter verehrten keine speziellen Götter. Für sie war die Natur göttlich. Daher auch die vielen Abbildungen heiliger Tiere. Auch der Mensch gehört natürlich zur Natur, doch anders als die Tiere muss er erst lernen. Sich verbinden. Um göttlich zu sein bzw seine Göttlichkeit zu leben. Klingt vertraut, nicht wahr 😉

– In Tempeln gab (& gibt) es sogenannte Energiepunkte. Sie verstärken die Energie desjenigen, der sich dort aufhält. Auch Happy-Spots, die einfach positive Energie abgeben. Leider will die Regierung scheinbar nicht, dass diese Punkte wieder ausfindig gemacht werden.

– Im alten Ägypten wurde bei der Mumifizierung der gesamte Körper behandelt, jedes Organ mumifiziert. Nur das Gehirn wurde entfernt, weil die Ägypter es als Quelle allen Bösens betrachteten. Das Herz hingegen wurde durch einen darauf platzierten Skarabäus besonders beschützt. 

Und und und. Soviel wow, soviel Magie.

Den Rest des Tages sind wir auf dem Nil südwärts, flussaufwärts, gesegelt. Bis nach Edfu, wo wir jetzt für die Nacht anliegen. So herrlich, so friedvoll. Und wie ich es vermisst hatte, den ganzen Tag draussen zu sein, leicht bekleidet. Das ist eine ganz andere Lebensqualität.

Glücklich, verzaubert und total überwältigt von all dem (und dazu total übermüdet), hab ich den Nachmittag und Abend überwiegend meditierend, atmend (war in den Tagen davor deutlich zu kurz gekommen) und einfach seiend, den Nil, die Landschaft geniessend, verbracht. 
Unendlich dankbar für alles, was das Leben mir gerade wieder schenkt. 

Auf nach Ägypten

Heute geht es wieder mal los. Ein neues Ziel. Ägypten. Ich war noch nie dort, noch nie irgendwo in Afrika. Es hat mich gerufen, zum zweiten Mal in meinem Leben, und diesmal folge ich der Einladung. Ich freue mich auf Sonne & wärmere Temperaturen, auf frische Datteln, die zu dieser Zeit des Jahres gerade geerntet und in der Sonne getrocknet werden. Auf das Segeln auf einer Dahabiya … und viele andere, neue Eindrücke und Erfahrungen. Und bin total aufgeregt, neugierig, gespannt, eine für mich neue Welt kennenlernen zu dürfen.

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Hier im Blog liest du mich voraussichtlich in ein paar Wochen wieder.