kakao

Superfoods: Kakao

Frische Kakaoschote

Manche preisen ihn als Superfood, andere warnen vor negativen Auswirkungen bei häufigem oder regelmäßigem Verzehr: Kakao. Essbar sind die Kakaobohnen, frisch aus der Schote oder getrocknet/fermentiert. In Form von Kakaopulver, Kakaobutter, Kakaomasse (alles roh erhältlich bei diversen Anbietern, z. B. raw living, Prohviant oder Keimling) lässt er sich für rohe Schokosaucen, -puddings, Smoothies, Pralinen, Schokoladen und vieles leckere mehr verwenden.

Sicher ist all das gesünder, besser für den Körper als die herkömmlichen, industriellen Alternativen. Aber dennoch gilt nicht unbedingt, dass alles, was roh ist, gedankenlos in beliebigen Mengen verzehrt werden sollte. Wie immer muss auch hier jedeR selbst herausfinden, was gut tut oder eben nicht. Ein paar Informationen über Kakao hab ich hier mal für euch zusammengestellt:

Traditionelle Verwendung von Kakao
In alten Kulturen wurde Kakao nicht als Nahrungsmittel verwendet, sondern als Droge eingesetzt. Häufig wurde er mit halluzinogenen Pilzen oder anderen Halluzinogenen kombiniert, da er angeblich die Wirkung dieser Pflanzen verstärkt. Außerdem wurde Kakao als Heilmittel bei verschiedenen Krankheiten eingesetzt, wie z. B. bei Durchfall, Niereninfektionen, Skorpionbissen und Erschöpfung.

Später wurde aus Kakao „Tejate“ zubereitet, ein Getränk aus Maismehl, Honig, Vanille, Chili und anderen Gewürzen, das in den ländlichen Gegenden Mexikos seiner erfrischenden, aphrodisierenden und medizinischen Effekte wegen noch heute beliebt ist.

Es scheint also, dass Kakao traditionell immer nur in sehr kleinen Mengen verwendet wurde. Definitiv nicht täglich oder in den großen Mengen, die viele Rohköstler heutzutage konsumieren.

Nutzen & Nährwerte von Kakao
Kakao ist zwar reich an Antioxidantien und Magnesium, aber diese Stoffe können leicht durch eine Vielzahl anderer Nahrungsmittel aufgenommen werden. Blaubeeren z. B. enthalten auf ihr Gewicht bezogen zwar weniger Antioxidantien als Kakao, können aber leichter in größeren Mengen gegessen werden. Ähnlich ist es mit grünen Blättern, die unsere beste Quelle für Magnesium sind & mit denen wir, pur gegessen oder in Form von Smoothies, leicht unseren Bedarf decken können.

Negative Auswirkungen von Kakao
Kakaobohnen enthalten sehr viel Fett & belasten dadurch die Leber. Die reichlich enthaltenen Omega-6-Fettsäuren können entzündliche Prozesse im Körper verstärken. Die anregende Wirkung von Kakao kann ebenfalls die Leberfunktion beeinträchtigen und außerdem die natürliche Adrenalinproduktion aus dem Gleichgewicht bringen. Das enthaltene Koffein kann bei übermäßigem Gebrauch ähnliche Auswirkungen wie Kaffee haben: Beklemmung, Herzrasen, Schlaflosigkeit sind mögliche Folgen wie sie von Rohköstlern nach dem Verzehr relativ großer Mengen von Kakao berichtet wurden. Zu den langfristigen Folgen gehören Abhängigkeit, Herzrhythmusstörungen und chronische Erschöpfung.

Kakao verbessert die Laune und verringert Depressionen
Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge leiden Menschen, die häufig Schokolade konsumieren, seltener unter Depressionen, was vermutlich am Einfluss des Kakaos auf die Neurotransmitterfunktionen liegt. Er enthält Phenethylamin (PEA), welches mit dem Entstehen von Lust- und Glücksempfindungen in Verbindung gebracht wird. Dieser Stoff ist übrigens auch in Blaualgen enthalten.

Meine persönlichen Erfahrungen mit Kakao
Auf mich wirkt Kakao definitiv extrem anregend. Wenn ich nur gelegentlich mal ein paar wenige Kakaobohnen esse, frische oder auch (dann noch weniger) getrocknete, pur oder mit etwas Grün dazu, hebt das meine Laune & meinen Energielevel & tut einfach gut. Allerdings achte ich darauf, den Kakao nicht am späteren Nachmittag oder gar Abend zu essen, weil ich sonst die halbe Nacht nicht schlafen kann.

Häufigerer Verzehr bringt mich aus dem Gleichgewicht – ich bemerke dann zuerst Schlaflosigkeit, in der Folge Nervosität, Unruhe & Erschöpfung. Zu roher Schokolade, Torte oder ähnlichem verarbeiteten Kakao vertrage ich weniger gut als die puren Kakaobohnen. Ich schätze, es liegt daran, dass ich in der Mischung mit süßen Zutaten schnell eine zu große Menge Kakao esse – mein Körper sagt mir dann nicht, wenn er genug von dem (eigentlich ja recht bitteren) Kakao hat. Meine Tochter mag die puren Kakaobohnen überhaupt nicht, nur das leckere Fruchtfleisch lutscht sie ab. Gesüßte Schokolade isst sie aber sehr gern, auch in großen Mengen – und ist dann nächtelang hochaktiv. Darüberhinaus enthalten all die leckeren Torten, Schokoladen usw meist noch große Mengen an Fett aus Nüssen, Kokosöl usw und belasten den Körper damit noch mehr.

Insbesondere kakaohaltige Zubereitungen scheinen für mich auch ein gewisses Suchtpotential zu haben – nach mehreren Tagen mit täglichem Verzehr solcher Dinge kostet es mich, trotzdem ich mich damit nicht wohl fühle, ein wenig Anstrengung, sie wieder wegzulassen.

Wieviel Kakao sollten wir also zu uns nehmen?

David Wolfe beschreibt in seinem Buch „Superfoods: The Food and Medicine of the Future“ eine geringe Einnahme von Kakao mit 3-4 Kakaobohnen pro 100 Pfund Körpergewicht. Gemahlen ergibt das vielleicht einen Teelöffel voll. Einen übertrieben hohen Kakaokonsum beziffert er mit 11-33 Kakaobohnen pro 100 Pfund Körpergewicht. Das wären für jemanden, der 200 Pfund wiegt, 1,5 – 3 Esslöffel pro Tag – und für jemand wie mich, mit etwa100 Pfund Gewicht, entsprechend die Hälfte davon.

Meine Empfehlung: begrenzt euren Kakaoverzehr auf kleine Mengen, esst ihn nicht täglich & vermeidet ihn ganz, wenn ihr Symptome wie chronische Erschöpfung, Herzrhythmusstörungen oder ähnliches bemerkt. Achtet auf die Signale eures Körpers – wie immer wird er euch zeigen, was ihm gut tut & was nicht.

Hautpflege

Auf den ersten Blick scheint Hautpflege, äußerliche Pflege des Körpers, vielleicht nichts mit Rohkost zu tun zu haben. Für mich bedeutet unsere Ernährungsform allerdings nicht irgendeine „Diät“; es geht mir um eine möglichst natürliche Form des Essens & Lebens. Natürlich, artgerecht, Mitwelt-freundlich. Ich möchte mit meiner Art zu leben weder meinem eigenen Körper noch anderen Schaden zufügen. Da die Haut unser größtes Organ ist & wir alles, was mit ihr in Kontakt kommt, auch in unseren Körper aufnehmen, ist es mir schon sehr wichtig, keine chemischen Kosmetika zu verwenden. Von den Folgen für die Mitwelt bei der Produktion sowohl der Kosmetika als auch der Unmengen von Plastikverpackung ganz zu schweigen …

Tatsächlich brauche ich nur sehr wenige Dinge für meine Körperpflege: zum Waschen reicht in der Regel Wasser vollkommen aus. Wenn ich wirklich mal sehr schmutzig bin (z. B. die Fußsohlen nach dem Barfußlaufen in der Stadt …) verwende ich Wascherde (die grobe Ghassoulerde, die es beispielsweise bei Orkos gibt). Ebenso für die Haarwäsche. Auf Cremes und Lotionen sowohl für Gesicht & Körper verzichte ich schon seit Jahren. Nach einer kurzen Umgewöhnungsphase, in der meine Gesichtshaut, jahrelang an zweimal tägliches Cremen gewöhnt, schon ein wenig trocken & gespannt sich anfühlte, geht das sehr gut. Unsere Haut hat die Fähigkeit, sich selbst ausreichend zu befeuchten & nachzufetten. Solange wir sie nicht durch Seife, Duschgel & Cremes davon abhalten. Im Winter in Deutschland, bei der trockenen Heizungsluft, komme ich allerdings auch nicht ganz ohne „Nachhilfe“ aus. Dann öle ich mich gelegentlich mit Sesamöl (in Bio-Qualität) ein. Ab und zu finde ich auch Apfelessig sehr wohltuend auf der Haut.

Sesamöl & Apfelessig (Bio & RQ)

Ausgehen & Rohkost

Kurz vor meiner Abreise aus der schönsten Stadt der Welt habe ich endlich doch geschafft, was ich seit Jahren vorhatte: auszuprobieren, wie es sich als Rohköstlerin auswärtig essen gehen lässt. Der eigentliche Anlass zum Ausgehen war natürlich ein anderer, aber da ich nun schon mal dort war, will ich die kulinarischen Aspekte des Abends mit euch teilen:

Die Wahl der Location war klar: das Tassajara, ein vegetarisches Restaurant in Hamburg-Eppendorf. Auch vegan ist dort kein Fremdwort & selbst über Nachfragen bezüglich der Rohkostqualität einzelner Gerichte/Zutaten wundert sich niemand. Zwar beschränkt sich auch hier die Auswahl (überwiegend) roher Gerichte auf eine Handvoll Salate, aber die sind wirklich liebevoll & sehr dekorativ angerichtet.

Glücklicherweise habe ich mich noch meiner Tischmanieren erinnert & nicht wie sonst meistens mit den Fingern gegessen 😉 … Es erschien mir auch irgendwie unpassend, meinen Teller vor dem Essen zu fotografieren, daher hab ich jetzt leider kein Bild für euch. Bestellt habe ich mir einen Sat Nam Obstsalat aus frischen Früchten der Saison (Äpfel, Trauben, Granatapfelkerne, Melone, Grapefruit waren drin, gehackte Nüsse drüber gestreut – sehr lecker!) & dazu einen kleinen gemischten Salat, von dem ich mir das ergänzende Grünzeug erhofft hatte, der aber leider überwiegend aus geraspeltem Gemüse & Bohnensprossen bestand. Immerhin war etwas Rucola drüber gestreut. Angeboten wurde dazu übrigens auch ein Edelpilzdressing in Rohkostqualität (auf das ich lieber verzichtet habe).

Fazit: zuhause bzw im privaten Rahmen isst es sich rohköstlich eindeutig besser, aber es ist ein schöner, angenehmer Ort, um auch als RohköstlerIn mal zum Essen auszugehen, sich unkompliziert mit Andersessenden zu verabreden.

Abschiedspotluck im RawHouse

Und noch ein letztes Potluck hier zum Abschied … ausgerichtet von Britta im RawHouse in Buxtehude … vielen Dank für einen wunderschönen Nachmittag & Abend! Im relativ kleinen Kreis diesmal haben wir gefeiert, geredet, musiziert, zubereitet & natürlich gegessen. Allerdings nicht, ohne jeden Teller vorher mindestens dreimal zu fotografieren 😉 … die liebevoll & dekorativ angerichteten Speisen waren es aber auch wirklich wert! Seht selbst:

Die Festtafel, mit grünem Smoothie

Superfood-Torte von Heike, perfekt ergänzt durch von mir mitgebrachte Pomelo

Zaubertorte von Gila - Himbeer-Sahne, mhmm!

Sushi von Pavlina - so lecker, dass wir sie fast vorab schon aufgegessen hatten

Farbenrausch: Burger auf Rotkohl, von Heike

Toffifee von Britta

Leben im Schlaraffenland – Interview mit Brigitte Rondholz

Wer kennt sie nicht? Zu Deutschlands bekanntester Urköstlerin muss ich wohl nichts weiter sagen … den beeindruckenden Erfolg ihres urmethodischen Lebensstils hinsichtlich Gesundheit & Fitness zeigt sie seit vielen Jahren u. a. in ihrem Blog. Über die roh-vegane Urkost hinaus ist für mich insbesondere ihr Bewegungsprogramm ein Vorbild (von dem ich leider noch weit entfernt bin). Ich freue mich, dass Brigitte Rondholz uns hier ein wenig über ihre Rohkost-Reise erzählt:

Silke: Wie lange ernährst du dich schon rohköstlich? Wie hast du dich vorher ernährt und wie und warum bist du zur Rohkost übergegangen?

Brigitte: Nun sind es fast zwei Jahrzehnte her, dass ich der Welt beste Nahrung für uns entdeckte – wow – die Zeit läuft, aber das Schöne daran ist, ich bin seitdem nicht älter, sondern jünger geworden! :Ähem – na ja, jedenfalls fühle ich mich so!
Ich gehörte schon immer zu den bewussten Essern. Als ich heiratete und meine ersten drei Kinder geboren wurden, lief alles in ziemlich „normalen“ Kochkostbahnen. Mein hausfraulicher Ehrgeiz lag in dem Erlernen der „Kochkunst“ nach alter Art. Schließlich wollte ich meine Familie gesund ernähren! Meine Brote, meine Torten, meine Aufläufe waren nicht nur bei meiner Familie hoch geschätzt. „Mamis Kartoffelsalat“ ist am Heiligen Abend immer noch bei meinen Töchtern, die zwar vegetarisch, aber nicht urköstlich leben, der Hit. Der Beruf meines damaligen Mannes und Vater meiner vier Töchter führte mich in ferne Länder und so lernte ich auch hier die Gebräuche der dort üblichen Kost. Ich liebte es, in Kochbüchern zu stöbern, Rezepte zu sammeln und mehrgängige Essen auf den Tisch zu zaubern. Ich verbrachte viel Zeit mit dem akribischen Sammeln und Ausprobieren kunstvoller und außergewöhnlicher Kochrezepte. Ich kaufte auf Märkten herrliche, frische Zutaten, um sie dann allerdings – je m’accuse! – in heißem Fett, kochendem Wasser oder Sonstigem zu entwerten. Irgendwann stieß ich bei meinen Recherchen dann auf Bücher, die mich zur „Vollwertkost“ führten. Die Heilige Hildegard und Dr. med. Bruker seien hier stellvertretend für diese Richtung genannt. „Berühmt“ war mein Dinkelbrot! Wie gut es mir damals schmeckte, wenn es noch etwas warm dick mit Butter bestrichen und herzhaftem Käse belegt wurde. Unvorstellbar aus heutiger Sicht. Dies ging so einige Jahre, aber die Familie hatte, wie fast alle rundherum, mit ständig wiederkehrenden Erkältungen, Allergien, Neurodermitis und anderen „Zipperleins“ zu kämpfen, und ich ahnte, dass dies mit der Ernährung zusammenhängen könnte. Ich las hier, ich las dort, ich probierte alles aus. mein Wille wurde immer größer, zu den Wurzeln der wirklich naturgemäßen Ernährung zu gelangen. Nach Walker, Shelton, Fry, Wandmaker und anderen Anhängern der „Natural – Hygiene“ – Bewegung (die schon viel „Erleuchtung“ brachten, mich aber immer noch nicht von Heißhungerattacken befreiten), fiel mir dann endlich „DER GROSSE KONZ“ mit der für mich noch etwas ominösen „Urkost“ in die Hände – damals noch als Kopie des unter dem Namen „Chrysostomos“ von Franz Konz herausgebrachten Werks. Dieses Buch las sich für mich wie eine Offenbarung – stellte sich doch schnell heraus, dass die Wildpflanzen das „missing link“ waren, welches mir zu einer wirklich befriedigenden und zufrieden machenden Ernährung verhalf. Ich werde Franz Konz für die akribische Niederschrift seines umfangreichen Wissens immer dankbar sein. Umso mehr, weil ich weiß, welche Mühe dahintersteckt, wo ich gerade mein eigenes Buch zur Urkost des Menschen und zum Leid, das wir den Tieren tagtäglich als Menschheit antun, fertig gestellt habe.

Silke: Welche Veränderungen durch die Rohkost hast du erlebt – Stichworte Gesundheit, Wohlbefinden, Energie, Entgiftung?
Brigitte: In täglicher Praxis stellte ich schnell fest, dass sich mein Energielevel drastisch erhöhte!
Hatte ich früher mit einer sich mittags einstellenden Tagesmüdigkeit zu kämpfen, reichten mir nun die nächtlichen sechs bis acht Stunden Schlaf völlig aus. Meine Verdauung verbesserte sich so unglaublich, dass ich meine Mitmenschen ziemlich häufig mit meinen wunderbaren Verdauungsgeschichten „beglückte“, nicht bedenkend in meiner Euphorie, dass dieses Thema bei Kochköstlern ein Tabu ersten Ranges ist. Ich finde das lustig, weil es doch wichtig im Leben ist, was am Ende dabei rauskommt, oder?
Keine Zipperlein mehr, wenn doch mal ein Anflug von „Erkältung“ in Form von Nasenkribbeln oder Halskratzen kommt, faste ich, trinke ich viel reines Wasser und esse ich Heilerde. Nach 24 spätestens 48 Stunden ist der Spuk vorbei. Sportlich war ich früher eine ziemliche Niete, jetzt würde ich mich als topfit bezeichnen, fitter also als mit dreißig und immerhin kann ich diese Zahl in diesem Jahr stolz verdoppeln!

Silke: Achtest du bei deiner Ernährung auf den Kalorien- oder den Vitalstoffgehalt?
Brigitte: Kalorienzählen ist altes Denken, damit befasse ich mich nur, wenn Menschen mich direkt danach fragen, weil sie zum Beispiel mal magersüchtig waren und nun Angst haben, nicht genug zu bekommen. Diese Sorge kann man ihnen schnell mit konkreten Zahlen nehmen. Auf den Vitalstoffgehalt achte ich natürlich: Ich kaufe nur BIO oder bei Versendern ein, die noch bessere Kriterien für ihre Früchte haben als nur „bio“. Und mit den täglichen Wildpflanzen ist man vom Vitalstoffgehalt her sowieso immer auf der richtigen Seite.

Silke: Wie sieht deine Ernährung aus, was isst du beispielsweise an einem normalen Tag und wie oft pro Tag isst du?
Brigitte: „Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.“ 1. Buch Moses (Genesis), Vers 29. lautet nach der Bibel die Grundlage der menschlichen Ernährung: Ich wundere mich nach dieser klaren Aussage im „Buch der Bücher“ oft darüber, dass Christen und Juden diese eindeutige Anweisung bezüglich unserer Nahrung immer so geflissentlich übersehen, obwohl die Natur diese uns (immer noch!) im Überfluss zur Verfügung stellt. Bei mir heißt das: Frische und pflanzliche Nahrungsmittel. Immer einfach und fast immer von der Hand in den Mund – pflücken und essen ist die Devise. Jedenfalls wenn ich alleine bin, da nehme ich mir dann meine Früchte meist mit nach draußen und verspeise sie mit den Wildpflanzen am liebsten gleich dort draußen vor Ort. Frischer geht es ja nicht für die Wildpflanzen, für die ein Transport nach Hause auch immer schon einen gewissen Vitalstoffverlust beinhaltet. Wildpflanzen sind bei jeder Mahlzeit reichlich dabei. Ich sage oft scherzend: Wildpflanzen sind meine Hauptnahrung, alles andere ist nur „Beikost“. Wenn ich Gäste habe, decke ich schön den Tisch, platziere die „Wildis“ in die Mitte der Tafel und drapiere die sonstige Nahrung drum herum. Jeder kann sich dann nach Gusto bedienen. Ich persönlich esse meist nur noch zwei Mahlzeiten am Tag, weil mein Körper einfach nicht mehr so viel Nahrungszufuhr braucht – dies ist wohl dem zunehmendem Alter und der guten Aufnahme und Verwertung der Frischkost nach so vielen Jahren geschuldet. Mittags esse ich meistens Fettfrüchte, wie Oliven, Avokados, Safus, Gemüse zu den Wildpflanzen, abends immer nur eine Sorte Früchte zu den Wildpflanzen. Da schläft man einfach besser. Aber ich möchte bei der Menge und Häufigkeit der Nahrungsaufnahme keine Regeln aufstellen, das ist sehr individuell und hängt von dem Alter, dem Geschlecht und von der sportlichen Betätigung ab. Anfängern empfehle ich den Tag mit einer Kokosnuss und viel wildem Grün zu beginnen.

Silke: Hast du jemals das Verlangen nach Nicht-Rohem Essen? Falls ja, wie gehst du damit um?
Brigitte: Niemals, wirklich niemals. Dies sehnsuchtsvolle Stadium habe ich längst hinter mich gelassen. Ich erlebe bei meiner Familie oft diese Kochgerichte und denke dann meist: Wie schade, dass sie zum Beispiel die leckeren Möhren verkocht haben. Mir gefällt die gekochte Konsistenz einfach nicht. Dieses Weiche und Wabbelige mag ich gar nicht. Lieber hart und fest, oder? Ist auch besser für die Zähnchen.

Silke: Wie gehst du mit Essen in Gesellschaft um – Einladungen bei Nicht-Rohköstlern, Restaurantessen etc?
Brigitte: Ich begleite meine Familie ab und zu – weil sie es so gerne möchten. Ich nehme mir dann immer Oliven und Avos mit und peppe den Salat damit auf. Das fällt in einer großen Tafelrunde gar nicht auf.

Silke: Hat der Wechsel zur Rohkost deine Beziehungen zu FreundInnen, Familie, Partnern beeinflusst und wenn ja, wie?
Brigitte: Am Anfang war die Familie natürlich nicht begeistert, anstatt einer Kochkost-Mami nun eine Rohkost-Mami zu haben. Aber die haben sich natürlich längst daran gewöhnt. Schließlich besteht unsere Liebe und Beziehung zueinander ja nicht nur aus Kochen und Essen. Viele Freunde habe ich hinzugewonnen, von einigen anderen habe ich mich verabschiedet.

Silke: Falls du mit Familie, Partnern oder sonst jemandem zusammenlebst: wie ernähren sich deine Lebens- und Wohngefährtinnen? Wie geht ihr mit unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten um? Gibt es eine Art Minimal-Konsens, z. B. daheim nur veganes/vegetarisches Essen zu verzehren?
Brigitte: Ich lebe nur noch mit meiner jüngsten Tochter zusammen und da stellt sich dies Problem nicht, weil sie – zumindest zuhause! – genauso wie ich isst. Sie ist damit groß geworden und liebt es, so zu essen, was nicht ausschließt, dass sie als Teenager woanders auch andere Dinge verkostet. Vegan natürlich. Aber das eigene Erfahrungenmachen gehört zum Leben dazu. Ich beeinflusse sie da nicht. Wir müssen unsere Kinder ab einem bestimmten Punkt im Leben „loslassen“. Spätestens mit Erreichung der Volljährigkeit. Aber ich habe volles Vertrauen, sie hat mir achtzehn Jahre nur Freude gemacht, das wird wohl für die Zukunft auch so weitergehen. Sie schrieb einmal die Geschichte vom Schlaraffenland wie folgt um:

Es gibt ein fernes merkwürdiges Land, in das viele Urköstler gern auswandern wollten, wenn sie den Weg dahin wüssten. Wer das Land betreten will, muss sich erst durch einen großen Berg von Durian- und Jackfruchtfleisch durchessen. Danach sieht er wunderbare Dinge: Die Häuser sind aus Karotten, Zwiebeln und Sellerie gebaut und die Dächer mit Ananas- und Erdbeerscheiben gedeckt. Die Gartenzäune bestehen aus weichen Safus und Avocados. In den Bächen fließt Kokosmilch und am Rand der Bäche stehen Büsche, auf denen frische Mangos wachsen. Aus den Brunnen fließt guter Traubensaft, und die Steine auf dem Weg sind Wassermelonen und Kiwis. Datteln, Bananen, Cherimoyas, Birnen, Gurken, Paprika, Chempedak und Orangen fliegen in der Luft herum und den Hungrigen gerade in den Mund hinein. Auch Tomaten laufen herum, fertig zum Essen. Die Äpfel und die Oliven in den Seen sind schön süß, sauer und deftig, wie es jeder mag, und kommen ans Ufer, damit man sie leichter fangen kann. Es regnet nicht Wasser, sondern Orangensaft, und es schneit Kokosraspeln, Rosinen und Sonnenblumenkerne. Wenn es hagelt, hagelt es Salatköpfe und Kohl. Immer unterschiedlich. Und was machen die Menschen im Schlaraffenland? Vor allem dürfen sie nicht schwer arbeiten. Wenn jemand das will, muss er das Land wieder verlassen. Der Genügsamste wird König. Das Beste im Land aber ist ein Jungbrunnen aus Kokosmilch, in dem alle alten Leute baden, um wieder jung zu werden. Wie schade, dass kein Mensch den Weg ins Schlaraffenland kennt!

Silke: Hat die Rohkost für dich weitere Veränderungen in deinem Leben mit sich gebracht, z. B. hinsichtlich natürlicherem Lebensstil oder auch deiner spirituellen Entwicklung?
Brigitte: Wenn es eines gibt, wo sich alle Menschen einig sind egal, wo sie leben, im Süden oder im Norden, egal, welcher Religion sie angehören, egal ob sie zu den „Schönen und den Reichen“ zählen oder tagein und tagaus an der Werkbank malochen müssen, dann ist es in dem Wunsch, immer gesund zu bleiben. Denn es gibt einfach nichts Besseres, als immer gesund und vital zu sein. Es gehört zu unserem tiefsten, inneren Wissen, dass das Schicksal des einzelnen Menschen hauptsächlich durch seine Gesundheit bestimmt wird. Es ist eine Binsenweisheit: Ohne sie ist alles nichts. Aber was heißt Gesundheit konkret? Abwesenheit von Krankheit? Nein, Gesundheit heißt nicht mehr und nicht weniger als: Harmonie von Körper, Geist und Seele. Und so hat sich fast alles bei mir verändert. Ich schlafe anders, ich denke anders, ich esse anders; kurz: ich lebe und liebe anders. Aber das wäre jetzt ein Kapitel für sich …

Silke:

Danke fürs Mitmachen!
Brigitte: 

Es war mir ein Vergnügen – alles Liebe für Dich und Deine Kinder.

Mehr von Brigitte findet ihr in ihrem Urkost-Blog.

Das Tolle an der Rohkost …

… ist, dass ich direkt nach dem Mittagessen problemlos zum Bus sprinten kann, wenn mir mal wieder zu spät auffällt, dass die Küchenuhr stehengeblieben ist. Kein Problem mit einem zu vollen Bauch oder gar Trägheit nach dem Essen – im Gegenteil: der Energieschub durch die natürliche, unverarbeitete Nahrung ist direkt spürbar.

Vom Kind bestellt: rosa Smoothie (a la Werbeplakat)

Einige weitere angenehme Auswirkungen der rohköstlichen Ernährungsweise:

  • geringerer Schlafbedarf
  • mehr Ausdauer, mehr Energie
  • keine „Tiefs“ mehr im Tagesablauf
  • problemlose Verdauung
  • keine Hautunreinheiten
  • bessere Laune
  • mehr Zeit & Kreativität, um statt zu kochen z. B. solche großartigen Dinge zu machen: essbares Puzzle 🙂

Heute gab es bei uns:

Mein Essen

Für die Tochter

Nachtrag: Die Gurkenbrotis sind übrigens auch bei anderen Kindern sehr beliebt – so sehen sie bei Jademond’s kleinem Wolf aus.

Coole Naschis für starke Kids

Unterwegs, auch in Kursen, Vereinen & anderen „Normalo“-Kindergruppen, immer mit von Mama selbstzubereitetem Süßkram aufzutreten, empfinden manche Kinder als echt uncool. Oder gar peinlich. Selbst wenn sie die Süßigkeiten sonst gerne essen … sieht ja alles so öko aus. So selbstgemacht.

Zwar hat meine selbstbewusste Tochter damit keinerlei Problem. Sie lehnt auch ganz selbstverständlich angebotene Süßigkeiten anderer Art ab. Dennoch ist sie fasziniert von den bunten verlockenden Verpackungen, Werbeplakaten und so weiter. Wenn ich ihr als Imbiss nach der Ballettstunde statt Kugeln in einer Tupperdose ihre Süßigkeiten mal in (selbstgemachter) „Hello-Kitty“-Schachtel mitgebe, ist die Freude groß. Und die anderen Kinder gucken genauso neugierig & interessiert 😉

Vielleicht hilft eine derartige Verpackung, gestaltet je nach Vorlieben, auch Kindern, für die die Rohkost (noch) nicht so selbstverständlich ist!?!

Eine recyclete Schachtel & ein Werbeflyer aus dem Supermarktregal

Und was ist drin?

Minzwaffeln, Sonnenwürfel, violette Pralinchen

Tropenfrüchte & Klima

Sonnengereifte Tropenfrüchte, mit die besten Nahrungsmittel dieser Welt, sind hierzulande bekanntlich leider nur als Flugware zu bekommen. Und Flugzeuge sind, auch das wissen wir alle, enorm schädlich für’s Klima & damit für unser aller Zukunft. Da bei den meisten von uns spätestens mit dem Wechsel zu einer natürlichen Ernährung auch das Bewusstsein für die Natur, die Mitwelt & die Zukunftsfähigkeit des eigenen Lebensstils wächst, ist die Vertretbarkeit des Konsums von Flugobst ein häufig diskutiertes Thema auch in Rohkostcommunities. Und die klimaschädlichen Auswirkungen desselben ein gern verwendetes Argument gerade von Fleischessern gegen unsere vegane Lebensweise.

Letzteres lässt sich allerdings schnell entkräften, schaut man sich einmal die Auswirkungen des Fleischkonsums auf das Klima an. Hier, und nicht beim Transport von Früchten per Flugzeug, liegt nämlich das größte Einsparpotential für klimarelevante Emissionen im Ernährungssystem! In welchem Ausmaß der Fleischkonsum unsere Erde & unser aller Zukunft zerstört, wird in diesem Artikel des World-Watch-Institut aus Washington ausführlich beschrieben.

Durch meine vegane Lebensweise trage ich also schon deutlich zur Steigerung unser aller Chancen auf ein Überleben dieser Erde bei. Selbstverständlich sind mir darüberhinaus die Auswirkungen meiner Lebens- & Ernährungsweise auf diese Welt nicht egal. Um dafür zu sorgen, dass es meiner Mitwelt & meinen Mit-Lebewesen jetzt & in Zukunft mit meiner Lebensweise gut geht, muss ich aber auch dafür sorgen, dass es mir gut geht. Tropenfrüchte sind dafür ein wichtiger Bestandteil meiner roh-veganen Ernährung. Die einzig richtige Lösung wäre folglich, in die Tropen umzusiedeln. Solange ich das noch nicht schaffe, suche ich tragbare Kompromisslösungen. Den Konsum von Tropenfrüchten von Tropenkost, die ihre Ware als Beiladung in Linienmaschinen verschicken, empfinde ich als tragbar. Wenn ich auf dem Markt überreife Flugware geschenkt bekomme, die sonst im Müll gelandet wäre, erhöhe ich nicht die Nachfrage & trage überhaupt nicht zur Entstehung klimaschädlicher Emissionen bei.

Da mich ja nun keine 3 Wochen mehr vom zwar nicht tropischen, aber doch schon viel früchte-freundlicheren Klima der Kanaren trennen, hat sich diese Frage für mich ohnehin erstmal erledigt 🙂 … meinen ökologischen Fußabdruck hab ich trotzdem eben mal messen lassen. Ergebnis:

Im Bereich Ernährung hinterlassen Sie einen ökologischen Fußabdruck von 0,36 global Hektar.
Ihr Footprint im Bereich Ernährung ist um 71,9% kleiner – also deutlich besser – als der österreichische Durchschnitt.

Durchaus erfreulich, finde ich. & werde jetzt zum Frühstück ohne schlechtes Gewissen eine Trinkkokosnuss mit gestern Nachmittag gesammelter Vogelmiere & Löwenzahn genießen 🙂

Auf dem Weg zur Rohkost – ein Interview

Genau wie bei anderen Ernährungsrichtungen der Menschen in unserer „zivilisierten“ Welt ist die Bandbreite bei Rohkosternährung groß, und die individuelle Gestaltung der täglichen Ernährung unterscheidet sich bisweilen sehr. Geprägt durch die aktuellen Lebensumstände, die körperlichen & seelischen Anforderungen & natürlich auch die eigene Geschichte. So hat jedeR RohköstlerIn seine/ihre eigene Reise, den eigenen Weg – und der Austausch darüber ist, finde ich, immer wieder interessant & auch inspirierend für die, die gerade auf der Suche sind.

Weil mir gerade das Finden des eigenen Wegs, dem Gefühl folgend & das Leben (& Essen!) genießend, so wichtig sind, möchte ich in meiner Interview-Serie auch nicht in erster Linie die „Promis“ der Szene & ihre Art der Rohkost vorstellen. Vielmehr geht es mir darum, die Bandbreite der individuellen Rohkost und vor allem der Wege dorthin darzustellen. Darum kommt hier heute mal eine Frau zu Wort, die keine Berühmtheit ist & sich selbst noch nicht einmal „Rohköstlerin“ nennt; deren entspannte Art von Rohkost-Reise & deren Fähigkeiten, diese Reise mit allen Umwegen & im Kreis ihrer Familie zu genießen mir jedoch sehr gefällt & sicher für manchen von euch inspirierend sein mag.