Nährende Sonne, essbares Sonnenlicht

Momentan erleben wir die dunkelste Zeit des Jahres; die Sonne zeigt sich nur kurz (wenn überhaupt) und vielen von uns wird durch ihr Fehlen bewusst, wie sehr wir das Sonnenlicht auf unserer Haut brauchen, um uns wohlzufühlen, körperlich und seelisch. Nicht zufällig erleben wir hier auf den Inseln zur Zeit die touristische Hauptsaison, mit Unmengen von Besuchern aus den kalten, dunklen Ländern Nordeuropas, die hierherkommen, um Sonne & Wärme zu tanken. Mir ist im Laufe des vergangenen, für mich sehr sonnenreichen Jahres, noch einmal mehr aufgefallen, wie nährend und heilsam die Sonne ist. Monatelang täglich in der Sonne zu leben, Sonne auf der Haut zu spüren, hat mir unglaublich gut getan & meinen Bedarf an fester Nahrung erkennbar sinken lassen.

Sonnenlicht nährt uns & kann uns heilen. Bei einem ausgiebigen Sonnenbad werden Giftstoffe aus der Haut herausgezogen; außerdem werden die Durchblutung und Sauerstoffversorgung der Haut verbessert, wodurch Verletzungen & Ausschläge besser heilen können. Bei Sonnenstrahlung auf der Haut bildet der Körper Vitamin D, das Immunsystem wird gestärkt & der Blutzuckerspiegel gesenkt. Bei einer Ernährung mit überwiegend süßen Früchten ist das Sonnenlicht notwendig zur besseren Verarbeitung des Zuckers. Die Sonne stärkt aber unsere Verdauungsenergie & kann durch ihre „Hitze“ die „kalte“ Rohkost ausgleichen. Die Schattenseite der monatelangen Hitze und Trockenheit, das Fehlen von frischen Wildkräutern, fällt dabei, wie ich bemerkt habe, nicht so sehr ins Gewicht, denn durch die viele Sonne brauchen wir weitaus weniger Grünzeug als gewohnt.

Ahnst du schon, warum ich dir ausgerechnet jetzt, wenige Wochen vor der Wintersonnenwende, etwas über die Vorzüge der Sonne erzähle? Nein, nicht um dich neidisch zu machen. Sondern, weil dieser Ausgleich – Sonne und Grünzeug – auch in die andere Richtung funktioniert. Chlorophyll, der Pflanzenfarbstoff, der den Blättern ihre grüne Farbe gibt, ist in der Zusammensetzung fast identisch mit unserem roten Blutfarbstoff, dem Hämoglobin. Es wirkt somit direkt blutbildend, hilft bei Entgiftung & Regeneration, unterstützt die Wundheilung & die Verdauung. Essbares Sonnenlicht. Energie pur. Mit all den Nährstoffen, die unser Körper benötigt: unter anderem die Vitamine A, C, K, B6, Folsäure. Auch B12, wenn wir die grünen Blätter ungewaschen verzehren. Calcium, Kalium, Magnesium und so weiter liefert uns das Grünzeug auch, & jede Menge sog. sekundäre Pflanzenstoffe.

Wildkräuter sind das absolute „Superfood“: sie enthalten weitaus mehr Vitalstoffe als jede Kulturpflanze. Und genau deshalb sind gerade in Deutschland und ähnlichen Klimazonen die Wildkräuter so unglaublich wichtig als Bestandteil einer funktionierenden, befriedigenden Rohkosternährung! Lass dir nicht einreden, du müsstest klimabedingt etwa auf tierische Produkte wie Eier oder Milch ausweichen – nutze, was die Natur dir in Hülle und Fülle anbietet und du bist bestens versorgt! Du findest Wildkräuter in Deutschland nahezu rund ums Jahr. Bei wirklich starkem Schneefall und Frost suche nach Brombeerblättern – geschmacklich ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber mit all den oben genannten Vorzügen sehr hilfreich, um über den Winter zu kommen. Auch wenn Kulturgrün im Vergleich wahrhaft blass aussieht: besser als gar kein Grünzeug ist es allemal. Wähle möglichst dunkelgrüne Blattgemüse wie Spinat, Mangold, Petersilie, Grünkohl – reich an Chlorophyll liefern sie dir deine tägliche Portion Sonnenlicht „von innen“. Je mehr davon du außerdem von außen tanken kannst, um so besser! Denn ab und an scheint die Sonne ja auch im November/Dezember 🙂

Einschränkung oder Bereicherung?

Sich vegan/rohvegan zu ernähren – ist das eine Einschränkung oder Bereicherung? Eine Unterhaltung mit der veganen Nachbarin, die ihre Wahl als – zwar freiwillige aber dennoch – Einschränkung empfindet hat mich drauf gebracht. Weder als Vegetarierin noch als Veganerin und erst recht nicht seit dem Schritt zur veganen Rohkost habe ich mich je durch meine Ernährungsweise als eingeschränkt gefühlt. Sicher, ich finde in Restaurants etc nicht unbedingt etwas Essbares auf der Speisekarte, und auch bei privaten Einladungen bringe ich meistens mein eigenes Essen mit … aber da ich zu derartigen Verabredungen ohnehin nicht des Essens wegen gehe, stört mich das nicht weiter. Warum habe ich denn früher ab und zu außer Haus gegessen? Meistens doch aus sozialen Anlässen – und daran, am Zusammensein, am gemeinsamen Feiern, hat sich doch nichts geändert! Wenn es ums Essen ging, dann entweder darum, Zubereitungsarbeit zu sparen (hab ich jetzt ohnehin nicht mehr 🙂 ) oder mal etwas Besonderes zu essen … und davon habe ich jetzt reichlich, täglich, die wundervollsten Genüsse. Kein Restaurant bietet Vergleichbares an.

Meine Nahrungsauswahl ist um so viel größer als noch vor wenigen Jahren. Und so viel besser. Nie zuvor habe ich einen derartigen Überfluss erlebt. Ich habe so viele essbare wilde Pflanzen kennengelernt und fühle mich dadurch weitaus freier und unabhängiger, überlebensfähiger als früher. Ganz zu schweigen von meinem gestiegenen Wohlbefinden, der besseren Gesundheit.

Einschränkend oder bereichernd … wie empfindest du deine von der gesellschaftlichen Norm abweichenden Essgewohnheiten?

Für Gesundheit. Und Spaß!

„Eine Krankheit langes Leben; keine Krankheit kurzes Leben.“, so heisst es in der chinesischen Heilkunst. Wer eine Krankheit (oder auch „nur“ eine Schwäche, eine Empfindlichkeit) hat und sich entsprechend verhält – beispielsweise sich natürlich und artgerecht ernährt – lebt oftmals länger als derjenige, der scheinbar kerngesund alles verträgt und daher glaubt, nicht auf sich achten zu müssen. Rohkost hat, wie bei vielen anderen Menschen, der Tochter zu ihrer Gesundheit zurückverholfen und auch mein Wohlbefinden deutlich verbessert.

Dass wir uns nun beide folglich seit vielen Jahren gesund ernähren, heisst aber keineswegs, dass wir freudlos und mit Blick auf irgendwelche Diätvorschriften unser Essen zu uns nehmen. Im Gegenteil … Früchte, Gemüse, Grünzeug und Kerne bedeuten puren Genuss! Und auch, wenn sie so, wie sie sind, schon super-lecker schmecken, keiner „Verbesserung“ bedürfen (und ohnehin nicht zu verbessern sind) … macht uns uns trotzdem manchmal Spaß, unser Essen zu gestalten. So zum Beispiel:

Pegasus-Sandwich. Aus Süßkartoffel, belegt mit Avocado.

Grünland, umgeben von Eissschollen. Bunte Gemüsewiese mit Kokosnuss und Algen.

„Cool“, so das Urteil der Tochter. Und ganz einfach nachzumachen. Aus Gurke, Möhren, Tomaten, Avocado und Kräutern.

November-Café

Eis essen wir jetzt im November nur noch sehr selten – bei Temperaturen wenig über 20°C ist es uns dafür meistens zu kühl. Fruchtige Leckereien gibt es natürlich weiterhin, zum Beispiel diese hier:

Erdbeerjoghurt – aus Cherimoyas und, klar, Erdbeeren

Fruchtpunsch

Apfel-Torte

Essen als Schutz

Bei meinem letzten „Versuch“ hab ich es mal wieder deutlich gemerkt: Avocado mit Salat und Algen zum Abendessen ist zwar lecker und fühlt sich kurzfristig durchaus gut und befriedigend in meinem Bauch an. Aber am Morgen danach fühle ich mich einfach nicht so wohl. Immer noch schwer, voll im Bauch, ein leicht unangenehmer Geschmack im Mund … Warum ich es immer mal wieder probiere? Tja, mehr als der Bedarf meines Körpers nach Fett (dem reicht wirklich ziemlich lange der Fettgehalt der Früchte, die ich esse) ist es gelegentlich das Verlangen des Gemüts, der Seele nach Fettigem/Schwerem … emotionales Essen also.

Der ernährungsmäßige Werdegang vieler Rohköstler ähnelt meinem: in der Anfangsphase ist der Appetit auf fettiges, schweres, oftmals auch salziges Essen groß. Gourmetrohkost oder große Mengen gehaltvoller Urkost (Avocados, Nüsse) geben ein ähnliches Gefühl wie die vorher genossene Kochkost. Wer auf fettarme Früchteernährung à la 80/10/10 umstellt, landet oft sehr schnell bei unglaublichen Mengen an Essen.

Essen bietet eben auch einen emotionalen Schutz. Viele bemerken, dass sie belastende Alltagssituationen (wie z. B. den ungeliebten Job, eine lärmbelastete Wohnsituation, Großstadtstress etc) mit Rohkost schlechter ertragen können. Je leichter die Ernährung, desto offener werden wir für Einflüsse von außen, desto verletzlicher auch. Das Eins-Sein mit Allen und Allem wird viel deutlicher empfunden und es braucht seine Zeit, den Umgang zu erlernen; sich damit sicher zu fühlen. So jedenfalls meine Beobachtung.

Essensmäßig gibt es da mehrere Stufen: Kochkost (die Unterteilung erspare ich mir jetzt mal; natürlich ist auch Kochkost nicht gleich Kochkost) – schwere/fette Rohkost, evtl. inkl. Gourmetrohkost=nachgemachter Kochkostgerichte – leichtere Rohkost, weniger Verarbeitetes, einfachere Rezepte – leichte, fettarme Mono-Früchte- und Grün-Rohkost in erkennbar geringer werdenden Mengen … naja, so ungefähr. In Belastungssituationen neigen wir offenbar, zum Schutz des eigenen Selbst, zu Rückfällen auf vorhergehende Stufen. Wobei wir mit zunehmender Sensibilität dabei auch immer deutlicher merken, dass dies nicht das ist, was unser Körper will und so im Laufe der Zeit lernen, mit emotionalen und anderen Belastungen auf andere Art zurechtzukommen; bei uns zu bleiben, ohne uns durch Schutzwälle aus Nahrung abgrenzen zu müssen. Leichteres und weniger essen wird somit möglich.

Hast du auch solche Erfahrungen gemacht mit Rohkost? Wie gehst du damit um?