Entdeckungen

Wildkräuter – wie sehr sie mir fehlen! Ich möchte das Klima hier definitiv nicht mehr gegen das kalte Wetter in Deutschland eintauschen, aber was das wilde Grünzeugs betrifft, ist Deutschland wahrhaftig paradiesisch! Letztes Jahr um diese Zeit habe ich alle paar Tage tütenweise Beinwell, Borretsch, Giersch, Löwenzahn und vieles mehr nach Hause getragen. Und natürlich gegessen … was für eine Energie! Hier freue ich mich, wenn ich gelegentlich eine Handvoll wilden Fenchel oder ein paar Malvenblätter finde. Nun, hier hilft die Sonne, und die Tatsache, dass ich nicht soviel Energie brauche, um mich warm zu halten … mein Energielevel ist jedenfalls nach wie vor hoch. Obwohl die Wildkräuter noch immer karg sind, fast alles verdorrt, und das, was sich hält – Melde, Brombeerblätter – von aufräumwütigen Mitmenschen ausgerissen & abgeschnitten wird.

Gestern habe ich aber auf meiner Suche ein paar tolle Entdeckungen gemacht: ein Stück den Berg hoch stehen etliche Maronenbäume, Edelkastanien. Die reichlich Früchte tragen … es wird noch eine Weile dauern, bis die reif sind, aber ich freu mich schon drauf! Weiss zufällig jemand, ob die Blätter auch essbar sind? Vielleicht probiere ich sie nächstesmal einfach.

Was ich gestern, zum zweiten Mal, wieder ausprobiert habe, sind die Opuntien, die Kakteen. Die, an denen auch die Kaktusfeigen wachsen. Ich hatte im Frühjahr schon einmal ein Stückchen von einem Opuntienblatt probiert, das aber so unlecker gefunden, dass ich es gleich wieder ausgespuckt habe. Offenbar habe ich jetzt Bedarf daran entwickelt – jedenfalls fand ich es gestern ganz lecker. Geschält natürlich, um die Stacheln zu entfernen. Leicht säuerlich schmeckt das innere, erfrischend. Heute morgen habe ich es in einem Smoothie mit Melone vermixt, köstlich!

Ein Blatt von einem Feigenkaktus.

Laut Wikipedia, wenngleich nur im Zusammenhang mit der Nutzung als Futtermittel für Schafe und Ziegen erwähnt, haben Opuntien einen hohen Nährwert und sind reich an Wasser, Vitaminen, Kohlehydraten und Kalzium. Klingt ja schon mal nicht schlecht, oder?

Sushi a la canarias

Roh-vegane Sushi, nach einem Rezept von Gila, begleiten uns schon seit Jahren & kommen zu besonderen Gelegenheiten immer mal wieder auf den Tisch. Da ich hier auf Teneriffa bisher noch keinen Bio-Stangensellerie auftreiben konnte, habe ich ein bisschen experimentiert – und dabei eine köstliche Alternative entdeckt. Etwas leichter & irgendwie erfrischender:

Rezept

Zutaten:
– Sonnenblumenkerne
– ein paar Blätter Salat
– Petersilie
– Zitronensaft
– Knoblauch
– Currypulver
– nach Geschmack Salz oder gemahlene Algen
– rohe Sushi-Nori-Blätter (gibt es bei lifefood)
– Gurke, Paprika, Avocado

Sonnenblumenkerne über Nacht einweichen, dann abgießen, abspülen & mit den übrigen Zutaten im Mixer oder der Küchenmaschine pürieren. Am leckersten ist es, wenn du die Creme nicht ganz glatt mixt.

Die Füllung gleichmäßig auf einem Nori-Blatt ausstreichen, 2 Reihen mit Streifen oder Stiften von Gurke, Paprika und Avocado belegen, zusammenrollen und mit einem scharfen Messer in Stücke schneiden.

Noch leichter und mehr nach meinem Geschmack ist diese Variante:

Nur wenig von der Sonnenblumenkern-Füllung auf den Algen verteilen (oder sie ganz weglassen), dafür mehr Avocado (ich habe Fuerte genommen, die ist nicht so fettig wie die Hass), Paprika und Gurke wrappen.

Kombinationen

Nach einer Zeitlang mit rohem Essen habe ich, wie die meisten, festgestellt, dass mir nicht alles, was roh ist, gleich gut bekommt. Damit meine ich jetzt nicht individuelle oder phasenweise Vorlieben & Abneigungen, die sich durch den Bedarf (oder eben nicht) des Körpers erklären lassen. Zuerst ist mir das bei Rohkosttreffen, beim Essen von viel Zubereitetem, Gemischten aufgefallen. Sicher sind es teilweise auch verarbeitete, rohe Lebensmittel, extrahierte/getrocknete Bestandteile von Früchten & Pflanzen, wie z. B. Agavennektar, Maca-Pulver, Kakaobutter usw., die, wenngleich viel weniger schädlich als Zucker und Co, nicht wirklich optimal sind. Aber auch beim Essen purer, unverarbeiteter Nahrungsmittel habe ich im Laufe der Zeit gemerkt, dass sich manches nicht so gut miteinander verträgt, zusammen schwerer verdaulich ist, müde & schwer macht, sich einfach nicht so gut im Bauch anfühlt.

Ich vermute, dass es dafür – wie immer – keine allgemeingültigen Regeln gibt. Ich habe jedoch schon mit vielen Menschen gesprochen, die sehr ähnliche Erfahrungen wie ich mit (un-)geeigneten Mischungen gemacht haben. Im Folgenden beschreibe ich mal, was ich für mich festgestellt habe.

Einteilung der Nahrungsmittel

Gruppe 1 – Frische Früchte:
Immer einzeln – mono – genießen. Mindestens eine halbe bis eine Stunde vor anderem Essen.
Am besten auch keine verschiedenen Früchte miteinander mischen, oder zumindestens keine süßen mit eher sauren Früchten:

Süße Früchte sind z. B. Bananen, Trauben, Papaya, Melonen, Kaki, Cherimoya, Birnen, Feigen, Datteln usw.

Zu den sauren Früchten gehören Orangen, grüne Äpfel, Erdbeeren, Zitronen, Ananas usw.

Gruppe 2 – Avocado, Oliven, Nüsse, Kerne, Samen und Trockenfrüchte:
Nicht untereinander mischen! Vertragen sich (in kleinen Mengen) recht gut mit Nahrungsmitteln aus Gruppe 3. Oder eben mono – auch dann aber lieber nur kleine Mengen.

Gruppe 3 – Gemüse & Grünzeug:
Alle Arten von Gemüse, Salaten, Kohl, Wildkräutern, Algen können sowohl untereinander als auch mit Nahrungsmitteln aus Gruppe 2 zusammen gegessen werden.

Ausnahmen:
Wildkräuter sind so neutral, dass ich sie mit allem, sogar mit Früchten, problemlos mischen kann. Frische Kokosnuss passt für mich außer zu Gemüse oder Grünzeug ebenfalls gut zu einigen frischen Früchten (Bananen, Papayas und Mangos). Meine Tochter, für die sonst im wesentlichen bezüglich der Verträglichkeit von Kombinationen dasselbe gilt, kann problemlos Mandelmilch mit Banane genießen – mir liegt diese Mischung zu schwer im Magen. Kakao, den ich ohnehin nur selten & in kleinen Mengen esse (warum steht hier), beschreiben manche ebenfalls als neutral – ich finde ihn gut bekömmlich zusammen mit frischer Kokosnuss und Grünzeug, manchmal auch in der Kombination mit Gojibeeren. Mit Nüssen oder Mandeln zusammen weniger – das mag aber auch daran liegen, dass in derartigen Zubereitungen meistens zusätzlich Datteln oder Rosinen zum Süßen verarbeitet sind.

Wie ihr diesem Blog entnehmen könnt, mischen wir trotzdem gelegentlich mal auch anders. Zum Beispiel, um „Kinderessen“, Konfekte oder mal eine Torte für besondere Gelegenheiten zu machen. Dann achte ich allerdings darauf, nicht mehr als maximal fünf verschiedene Zutaten (Grünzeug ausgenommen) zusammen zu verarbeiten. Von Mandeln abgesehen (die ja eigentlich keine Nüsse sind & mir im Vergleich zu diesen allgemein bekömmlicher zu sein scheinen) mischen wir keine Nüsse. Trockenfrüchte verwenden wir fast gar nicht mehr. Für Tortenböden finde ich die Verwendung von Leinsamen und frischer Banane besser bekömmlich als Nüsse und Datteln oder Trockenfrüchte.

Wenn ihr euch mit „eurer“ Rohkost nicht so richtig wohl fühlt, ist dies hier vielleicht eine hilfreiche Anregung. Die aber bitte nicht als Anleitung für zuviel Nachdenken über das Essen verstanden werden soll! Am besten, ihr findet selber heraus, was für euch gut funktioniert, was sich gut anfühlt. Vielleicht macht ihr ganz andere Erfahrungen als ich? Auch mit wenigen Zutaten und gut bekömmlichen Mischungen lassen sich übrigens besondere Gerichte basteln:

Abendessen-Törtchen: aus Möhre und Kokos, mit Salat & Algen dazu.

Nur aus "gemüsigen" Zutaten und Olivenöl: Maischips