Instinkt & Vegane Rohkost


Bei dem Wort „Instinkt“ denken die meisten RohköstlerInnen an den von Burger geprägten Instinkto-Ansatz. Der innerhalb der Rohkostkonzepte für gewöhnlich als Gegensatz zur veganen Rohkost gesehen wird, weil er sogenannte tierische Nahrungsmittel, also Fleisch, Fisch & Eier, als potentielle Nahrungsmittel mit einbezieht. Dies abzulehnen (instinktiv 😉 oder kopfgesteuert), bedeutet jedoch keineswegs, unseren Instinkt zu verneinen. Wenn wir (wieder) lernen, auf ihn zu achten, zeigt er uns, was wir brauchen & was nicht. Viele Aspekte der Herangehensweise der Instinktos sind dabei sehr hilfreich. Denn der Instinkt lässt sich leicht überlisten. Er funktioniert nur bei natürlicher, purer, unverarbeiteter, ungemischter Nahrung. Selbst gezüchtete Früchte können ihn schon durcheinander bringen. Rohkost-Zubereitungen sind genauso wenig geeignet wie die Verwendung von Salz oder Gewürzen.

Geruchs- & Geschmackssinn zeigen uns, was unser Körper braucht. Natürliche Nahrung, die gut riecht und gut schmeckt, tut uns auch gut. Umgekehrt zeigt ein unangenehmer Geschmack, dass unser Körper dieses Nahrungsmittel gerade nicht gebrauchen kann. Also nichts Neues eigentlich: achte auf die Signale deines Körpers! Beachte seine Wünsche. Und vor allem seine Sperren – Signale, die dir zeigen, dass dein Körper genug hat. Das könnten deutliche Zeichen sein, wie ein Brennen im Mund, ein plötzlich ins Unangenehme umschlagender Geschmack, bis hin zum Widerwillen, auch nur einen weiteren Bissen zu essen. Früchte, die zu deutlichen Sperren führen, sind zum Beispiel Ananas und Feigen. Andere liefern nur dezentere Signale, eine laufende Nase beispielsweise. Dass spätestens beim Eintreten eines Völlegefühls mit dem Essen aufgehört werden sollte, ist wohl selbstverständlich … auch wenn wir sicher alle schon öfter über diesen Punkt hinaus gegessen haben.

Deutlich zeigt sich das Funktionieren des Instinkts hier bei uns beispielsweise bei Bohnen – die ich gar nicht essen mag, während die Tochter sie ganz gern isst. Nur wenige davon allerdings, nach spätestens 4-5 hat sie genug. Genauso sicher hat sie selbst als Kleinkind niemals zuviel Algen gegessen. Was ihr nicht schmeckt, lehnt sie kategorisch ab & fastet lieber, wenn nichts da ist, was sie gerade mag. Ebenso deutlich ist allerdings zu sehen, wo der Instinkt aufgrund ungünstiger Nahrungswahl versagt – und um wieviel besser er grundsätzlich bei der von Anfang an mit Rohkost aufgewachsenen (& vermutlich in emotionaler Hinsicht weniger als ich vermurksten) Tochter funktioniert: obwohl auch sie sich gelegentlich an gezüchteten Früchten überisst, funktioniert ihre Wahrnehmung dabei & auch bei einfachen Rohkostzubereitungen meist besser als meine. Wie gefährlich „Gourmet-Rohkost“ in der Hinsicht sein kann, haben wir im vorletzten Jahr bei einem Rohkost-Treffen gelernt: die Tochter, die allergisch auf Nüsse reagiert & normalerweise schon auf die kleinste Spur von Nuss hin ein Jucken im Mund spürt, hat einen aufwändig gemixten & gesalzenen Dipp gegessen, löffelweise, in dem Walnüsse „versteckt“ waren. Bis sie darin die Nüsse bemerkt hatte, hatte sie schon so viel davon gegessen, dass die Reaktion wesentlich heftiger & unangenehmer ausfiel. Unser Instinkt schützt uns eben auch – wenn wir ihm die Chance dazu geben. Tast-, Geruchs- & Geschmackssinn helfen uns sogar, die Essbarkeit unbekannter Wildpflanzen zu erkennen & schützen uns so vor Vergiftungen.

Vegane Mythen

Halten sich beharrlich: Vorurteile, Mythen, über die vegane Ernährung. Bzw über das, was wir (angeblich) brauchen & das, was wir mit unserer Ernährung bekommen – oder auch nicht. Aber … wir sind ebenso beharrlich & erzählen es immer mal wieder gerne: eine sinnvoll gestaltete roh-vegane Ernährung ist erwiesenermaßen für jeden Menschen, in jeder Lebensphase, eine optimale Ernährungsform, bei der keinerlei Mängel zu befürchten sind. Ganz im Gegensatz zu der herkömmlichen Standardernährung der meisten Kritiker übrigens.

In der iPhone-App von Saf habe ich diese Liste der Top-5 Mythen & ihrer Widerlegungen gefunden, die ich euch hier gern mal, ins Deutsche übersetzt, wiedergebe:

  • Mythos 1: Du bekommst nicht genug Protein.

    Die Wahrheit: Es gibt keinen Zustand namens Proteinmangel. Es gibt nur Unterernährung/quantitave Mangelernährung (Protein-Energie-Mangelernährung, PEM). Daran leiden hungernde Menschen, Muskeln & Organe verkümmern dadurch & die Gesundheit ist ernsthaft gefährdet. Frag einen beliebigen Arzt oder Ernährungsberater, ob es möglich ist, zu wenig Protein zu bekommen wenn du genug Kalorien aufnimmst. Es ist unmöglich.

    Es ist leicht, Protein zu bekommen ohne tierische Produkte zu essen. Die meisten von uns essen ohnehin mehr Protein (& Kalorien) als wir brauchen – etwa 100 Gramm pro Tag. Die Empfehlung der Amerikanischen Gesundheitsbehörde liegt bei 50 Gramm und viele Ernährungsexperten sagen sogar 30 Gramm – die schon in einer einzigen Portion Bohnen & Reis enthalten sind.

  • Mythos 2: Es ist langweilig, vegan zu essen.

    Die Wahrheit: Stell dir eine Ernährung ohne Früchte, Gemüse und Getreide vor, nur Fleisch & Milchprodukte den ganzen Tag – das wäre langweilig! Nutze für den Übergang fleischähnliche Nahrungsmittel wie Pilze und Linsen. Wenn du dein Augenmerk auf den Überfluss an Möglichkeiten richtest statt mit einem Gefühl der Einschränkung an die Sache heranzugehen, wird veganes Essen alles andere als langweilig sein.

  • Mythos 3: Du wirst die ganze Zeit Hunger haben.

    Die Wahrheit: Es gibt viele herzhafte Elemente in der veganen Ernährung, sie Nüsse, Samen, Pilze, Bohnen, Reis & Getreide. Du wirst dich nicht nur voll sondern auch gut genährt fühlen.

  • Mythos 4: Eier und Milchprodukte aufzugeben ist Folter.

    Die Wahrheit: Ist eine Operation am offenen Herzen nicht schlimmer? Oder gehörst du zu der Mehrheit von Menschen, die sich gern selbst mit „mir wird das nicht passieren“ betrügen? Die Menge von Cholesterin und gesättigten Fetten in Käse und Eiern ist unglaublich hoch im Vergleich zu pflanzlichen Fettquellen (und du kannst kein Cholesterin in Gemüse finden; das gibt es nur in tierischen Produkten). Was hälst du davon, bei deinem nächsten Sandwich den Käse durch Oliven und Tomaten zu ersetzen? Probier Sojamilch oder Nussmilch und tausche das Omelett durch Pilze und Paprika aus.

  • Mythos 5: Ganz oder gar nicht – etwas anderes bringt’s nicht.

    Die Wahrheit: Selbst wenn du nur an zwei Tagen pro Woche auf tierische Produkte verzichtest, macht das einen großen Unterschied für deine Gesundheit & für die Gesundheit des Planeten. Einen radikalen Umbruch zu erzwingen, den du nicht durchhalten kannst, macht keinen Sinn. Entspann dich & geh in einem Tempo vor, das sich für dich gut anfühlt. Mit dem veganen Essen anzufangen bringt dich auf den Geschmack und die Chancen stehen gut, dass, wenn du es Teilzeit anfängst, du es ausdehnen willst. Das nennt sich „Flexitarierismus“ (Flexitarianism).

Kohl!

Dunkelgrüner Kohl: ein Grünzeug, dass ihr auch in Deutschland den größten Teil des Winters frisch bekommt. Lecker, gesund & auch roh vielseitig zu genießen: mit süßen Früchten, z. B. Datteln oder Banane, gewrappt. Als Unterlage für rohe Croques: mit Avo, Sprossen, geschnittenem Gemüse, herzhaften Dipps belegt. Gemixt im Smoothie. … Und wer noch Argumente braucht, warum es viiiiiiel besser ist, Kohl (oder anderes Grünzeug) zu essen als Tiere: bei organicauthority.com gibts einen netten Artikel zum Thema „7 Gründe, warum Kohl das neue Rindfleisch ist“ … die Gründe hab ich hier mal für euch übersetzt:

  1. Entzündungshemmend: entzündliche Prozesse sind der Hauptgrund für Arthritis, Herzkrankheiten und eine Vielzahl von Autoimmunerkrankungen, und sie werden ausgelöst durch den Verzehr tierischer Produkte. Kohl ist ein unglaublich effektives entzündungshemmendes Nahrungsmittel, das diesen Krankheiten vorbeugen und sie sogar rückgängig machen kann.
  2. Eisen: entgegen dem Mythos des anämischen Vegetariers nimmt tatsächlich die Zahl der Nicht-Vegetarier mit Eisenmangel zu. Kohl hat mehr Eisen pro Kalorie als Rindfleisch.
  3. Kalzium: Milchprodukte und Fleisch enthalten beide Kalzium, dennoch haben die USA noch immer eine der höchsten Raten an Knochenschwund und Osteoporose der Welt. Kohl enthält mehr Kalzium pro Kalorie als Milch und kann vom Körper außerdem besser verwertet werden als Milchprodukte.
  4. Ballaststoffe: wie Proteine gehören Ballaststoffe zu den Makronährstoffen, was bedeutet, dass wir sie jeden Tag brauchen. Aber viele Amerikaner essen nicht annähernd genug davon und der Mangel steht im Zusammenhang mit Herzkrankheiten, Verdauungsstörungen und Krebs. Proteinreiche Nahrungsmittel wie Fleisch enthalten wenig bis gar keine Ballaststoffe. Eine Portion Kohl enthält nicht nur 5% der empfohlenen täglichen Menge an Ballaststoffen sondern liefert außerdem 2 Gramm Protein.
  5. Omega-Fettsäuren: essentielle Omega-Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit, ganz im Gegensatz zu den gesättigten Fetten im Fleisch. Eine Portion Kohl enthält 121 mg Omega-3-Fettsäuren und 92,4 mg Omega-6-Fettsäuren.
  6. Immunität: resistente Erreger und Bakterien können eine ernsthafte Gefahr für unsere Gesundheit darstellen. Viele davon sind das Ergebnis von Fleisch, Eiern und Milchprodukten aus Massentierhaltung. Kohl ist eine unglaublich reiche Quelle von immunitätssteigernden Antioxidantien (Karotinen und Flavonoiden) einschließlich der Vitamine A und C.
  7. Zukunftsfähig: Kohl wächst in 55 bis 60 Tagen; im Gegensatz zu einer Kuh, die als Fleischproduzent im Schnitt 18-24 Monate aufgezogen wird. Kohl kann in den meisten Klimazonen wachsen und lässt sich relativ leicht zuhause oder in einer Gärtnerei anbauen. Um ein Pfund Rindfleisch zu produzieren, werden 16 Pfund Getreide, 11mal soviel Erdöl und mehr als 2.400 Gallonen Wasser benötigt.

Gesunde Snacks

Im ausgefüllten Alltag bleibt oft keine Zeit, sich in Ruhe zum Essen hinzusetzen. Oder du bekommst zwischendurch Hunger. Das Angebot im Laden an der Ecke, am Bahnhof oder an der Tankstelle überzeugt in der Regel nicht gerade durch gesundheitsfördernde Eigenschaften. Was nun? Vielleicht hast du auch einfach nur Appetit, einen Jieper auf irgendetwas, was du grade siehst … und vergisst mangels gesunder Alternativen deine „guten Vorsätze“.

Ob es um dich selbst geht oder um die Kinder, mit denen du unterwegs bist (& die sich höchstwahrscheinlich nicht bereitwillig auf „später zuhause“ vertrösten lassen wollen) – die Lösung für solche Situationen ist eigentlich ganz einfach: gute Vorbereitung. Ein bisschen Vorausplanung kann dir nicht nur helfen, Zeit, Geld & Nerven zu sparen, sondern vor allem, auf deinem Weg zu bleiben.

Wenn du Gelüste auf etwas eigentlich nicht in deiner Ernährung Erwünschtes bekommst, liegt das in der Regel an einem Ungleichgewicht. Deinem Körper fehlen Nährstoffe. Vielleicht ist dein Blutzucker zu niedrig & du verlangst nach etwas Süßem, um ihn schnell wieder anzuheben. Oder es mangelt dir an Mineralien & du bekommst Lust auf etwas Salziges, Fettiges.

Was eignet sich also gut als gesunder Snack, zuhause, bei der Arbeit, unterwegs? Es sollte dich mit den benötigten Nährstoffen versorgen, natürlich lecker schmecken & vor allem einfach & unaufwändig mitnehmbar sein:

  • Früchte! Äpfel, Birnen, Bananen und einige andere frische Früchte lassen sich gut mitnehmen & sind problemlos überall aus der Hand essbar. Sie versorgen dich schnell mit Energie, liefern jede Menge Vitamine & Ballaststoffe & stillen so den Süßhunger ganz ohne böse Folgen. Auch Datteln & Trockenfrüchte sind eine gute Alternative zum Tankstellen-Angebot & lassen sich als „Notration“ auch mal für längere Zeit in der Tasche deponieren.
  • Nüsse & Samen. Passen ebenfalls gut in jede Tasche. Sie versorgen dich mit Eiweiß & Fett, sättigen mehr als Früchte & liefern auch mehr Kalorien.
  • Gemüse & Dipps: Ein wenig mehr Vorbereitung, jedoch hast du dafür auch gleich eine „richtige“ Mahlzeit in der Tasche. Als Picknick unterwegs oder als Mittagessen fürs Büro. Gemüse nach Wahl in handliche Stücke schneiden, deinen Lieblings-Dipp dazu (z. B. Hummus aus Kichererbsen, Avocadodipp, Sonnenblumenkern-Paté), alles in gut schließende Behälter packen – fertig.
  • Smoothies. Auch fertig gemixte Smoothies lassen sich notfalls für einige Stunden in gut verschlossener Flasche aufbewahren & mitnehmen. Natürlich sollten sie optimalerweise frisch getrunken werden, da ihr Vitalstoffgehalt relativ schnell abnimmt. Aber besser als ein Milch-Shake oder Softdrink ist ein einige Stunden alter Smoothie allemal! Vor dem Trinken dann einfach noch mal schütteln.

Rohkostkonzepte: Sonstige

Einige weitere bekannte Rohkostrichtungen, außer Urkost, Instinkto, Wurzelernährung & Grünen Smoothies:

  • Sonnenkost
    nach Helmut Wandmaker. Krankheit ist die Vergiftung des Körpers durch Kochkost, Milchprodukte, Medikamente etc. Heilung ist nur möglich durch Fasten & eine lebendige, pflanzliche Rohkosternährung, bei der eher wenig gegessen werden soll. Die Ernährung besteht nur aus Früchten, die mono gegessen werden. Morgens wird eventuell gefastet, manche Sonnenköstler essen pro Tag nur eine Fruchtsorte, manche nur eine Mahlzeit am Tag. Außer der Ernährung sind frische Luft, Sonne, Bewegung, reines Wasser & ausreichend Ruhe & Schlaf weitere wichtige Aspekte einer gesundheitsfördernden Lebensweise.
  • Sonnendiät
    nach David Wolfe. Er unterteilt die Nahrungsmittel, aus denen sich „seine“ Rohkosternährung zusammensetzt in süße Früchte, nicht-süße Früchte, Fettfrüchte, grüne Blätter. Diese Gruppen ordnet er in einem Dreieck an, nicht-süße Früchte bilden die Mitte, die anderen drei jeweils eine Ecke. Um den Körper im Gleichgewicht zu halten, sollten die Nahrungsmittel aus den drei Ecken im gleichmäßigen Verhältnis gegessen werden. Ein bestehendes Ungleichgewicht kann entsprechend durch eine Verlagerung des Schwerpunkts auf eine der drei Ecken ausgeglichen werden. Ausführlicher beschrieben habe ich die Sonnendiät schon einmal hier.
  • Methusalem
    Bei der Methusalem-Ernährung wird Nahrung explizit als Heilmittel eingesetzt. Insbesondere geht es in mehreren Stufen der Ernährung darum, eine gesunde Darmflora und eine starke Verdauungskraft (wieder-)herzustellen. Dafür wird eine ausreichende Salzaufnahme (Stein-, Kristall- oder Meersalz) als notwendig angesehen. Salz darf jedoch nicht mit Ölsaaten oder Nüssen kombiniert werden. Die verschiedenen Stufen bauen aufeinander auf & sollen nacheinander durchlaufen werden. Einige Grundregeln sind eine klimaabhängige Ernährung, gründliches Kauen, Obst & Gemüse getrennt essen.
  • Bioklimatische Rohkost nach Huntzinger:
    In dieser Rohkostform wird die Bedeutung von gemischter Rohkostnahrung aus der Klimazone, in der man lebt, betont. Es wird mehr Gemüse als Früchte gegessen, besonders im Winter sollte (in den nördlichen Breitengraden) auf Früchte ganz verzichtet werden, da sie zu stark auskühlen. Im Winter wachsen in der Gegend ja auch keine Früchte. Nach Huntzinger’s Ansicht führt außerdem der hohe Zuckergehalt der Früchte zur Überzuckerung & daraus resultierend zu divesen Störungen (Karies, Gewichtsverlust, Kälteempfinden, Pilze, Entzündungen etc). Bei bestehenden Entzündungen oder Karies empfiehlt er den dreimonatigen konsequenten Verzicht auf Zucker in jeder Form & eine Ernährung bestehend aus gemischten Salaten aus Kohl, grünen Blättern, Blüten usw mit Nüssen oder Avocado.
    Unter normalen Umständen wird die bioklimatische Rohkost je nach Jahreszeit angepasst. Im Sommer weniger Nüsse & Fettfrüchte, im Winter eine eher trockene Ernährung, ohne Früchte & mit weniger wasserhaltigen Gemüsefrüchten. Zusätzlich zu Gemüse & Obst empfiehlt er Quinoa, Buchweizen, Hirse usw, eingeweicht bzw. gekeimt, zu essen (für die Vitamin B Versorgung).

Außer den in dieser Reihe beschriebenen Rohkostrichtungen gibt es natürlich unzählige weitere Formen, die Rohkost-Ernährung zu gestalten. Es kann interessant & inspirierend sein, über die Wege anderer zu lesen – was für dich funktioniert, dich am besten nährt & sich gut & richtig anfühlt, wirst du selbst herausfinden. Genieße den Weg!

Rohkostkonzepte: Grüne Smoothies

Bekannte Vertreter dieser aus den USA kommenden Rohkostform sind Markus Rothkranz und Victoria Boutenko. Der Idee zugrunde liegt die Erkenntnis, dass Grünzeug – grüne Blattgemüse & vor allem Wildkräuter – extrem wichtig für uns sind & täglich in großen Mengen auf dem Speiseplan stehen sollten. Da der Verzehr solcher Mengen von grünen Blättern viel Zeit & zur guten Verdaulichkeit gründliches Kauen erfordert & weil viele Menschen Schwierigkeiten haben, sich mit Geschmack & Konsistenz dieser Nahrung anzufreunden, wird das Grünzeug zusammen mit Früchten zum Smoothie vermixt. Dabei besteht der Smoothie mindestens zur Hälfte aus Grünzeug. Auch Gemüse wird zur besseren Verwertbarkeit püriert.

Weitere wichtige Empfehlungen aus Markus‘ Buch, um zu natürlicher Gesundheit & Schönheit zurückzufinden, sind

  • Enschlackung/Entgiftung durch Fasten & Einläufe
  • wenig süße Früchte, mehr Grünzeug essen; keine süßen Früchten entsaften, da sie zuviel Zucker enthalten, der Bakterien, Pilze etc nährt
  • sogenannte Superfoods wie Maca, Pollen, Spirulina usw, sowie Samen, Nüsse, Sprossen … als Eiweißlieferanten. Samen & Nüsse vor dem Verzehr einweichen.
  • wenig unterirdisch wachsendes Gemüse essen, lieber dessen Blätter für Smoothies verwenden
  • kein Essen nach Sonnenuntergang
  • einmal in der Woche fasten
  • tägliches Sonnenbaden (möglichst nackt)
  • tägliches Fitnesstraining
  • ausreichend Schlaf
  • liebevoller Umgang mit den Mitmenschen, glücklich sein

Bestandteil dieser Ernährungsform sind außer den Smoothies auch andere Rohkost-Zubereitungen wie rohe Schokolade und ähnliches.

Interessante & gut lesbare Bücher zu diesem Konzept sind z. B. „Heile dich selbst“ von Markus Rothkranz und „„Green for Life““ von Victoria Boutenko.

Rohkostkonzepte: Wurzel-Rohkost

Wurzel-Rohkost nenne ich die hier beschriebene gemüsebetonte Rohkostrichtung in Anlehnung an die Zeitschrift „Die Wurzel“ von Michael Delias, einem Vertreter dieser Ernährungsweise. Aussagekräftiger ist vielleicht die Bezeichnung Gemüse-Nuss-Rohkost. Bei dieser Rohkostform werden eher wenige süße Früchte & statt dessen mehr Gemüsefrüchte (Gurke, Tomate, Paprika) gegessen. Obst & Gemüse werden meist getrennt gegessen, die Mahlzeiten abwechselnd gestaltet. Also zum Beispiel morgens mit Früchten anfangen, dann eine Gemüsemahlzeit, dann wieder Früchte, abends noch mal Gemüse. Oder morgens fasten, mittags Früchte, abends Gemüse. Ein wichtiges Element sind – insofern passt der Name schon – Wurzeln & Knollengemüse wie Sellerie, Möhren, Schwarzwurzel, Rote Bete usw… Sowohl Früchte als auch Gemüse werden gern mit Wildkräutern kombiniert, Gemüse auch oft mit Nüssen. Auch Algen sind ein Bestandteil dieser Rohkosternährung. Die Nahrung wird manchmal ohne Zubereitung gegessen, manchmal aber auch gemischt & mit Öl & Salz angerichtet oder es werden Gemüsesäfte zubereitet.

Low Fat Raw Vegan

Kurz: LFRV. Auch bekannt als Low Fat High Carb. Oder 80/10/10. Ein Ernährungskonzept, bei dem mindestens 80% der Nahrungsenergie aus Kohlehydraten, maximal 10% aus Fett & 10% aus Eiweißen aufgenommen werden. Kohlehydrate – das bedeutet Früchte oder Gemüse. Wobei Gemüse so wenig Kalorien enthalten, dass es schwierig wird, davon ausreichend große Mengen zu essen um satt zu werden. Eiweiß kommt optimalerweise überwiegend aus (wildem!) Grünzeug, Fett aus Avocado, Kokosnuss, Kernen etc.

In der Praxis kann das z B so aussehen, dass es pro Tag zwei bis vier Mono-Früchtemahlzeiten gegessen werden. Das sind dann natürlich jeweils ein paar mehr Früchte, denn gehungert werden soll hier keineswegs! Der Fettbedarf kann locker durch 1-2 Avocados (oder entsprechende Mengen anderer Fettfrüchte) pro Woche(!) gedeckt werden. Sehr klärend für den Körper sind dabei sogenannte „Banana Island“-Phasen: für eine gewisse Zeit, einige Tage oder Wochen, wird nur eine einzige Frucht gegessen. Für die, die lieber mischen & zubereiten, gibt es jedoch durchaus auch viele rohe fettarme Rezepte.

Wie immer bei solchen Konzepten: manche sind begeistert & fühlen sich damit, eine Zeitlang oder auch langfristig, phantastisch. Andere nicht. Bedarf, Zustand usw sind halt sehr individuell. Während Frederic Patenaude sich schon seit vielen Jahren low-fat roh ernährt, hält die ebenfalls langjährige Rohköstlerin Jinjee Talifero diese Ernährungsform langfristig für nicht so geeignet: ihrer Beobachtung nach sehen viele Low-Fat-Rohköstler nach einigen Jahren ausgemergelt aus. Eventuelle Schwierigkeiten bei der Verdauung von Fetten sollten ihrer Meinung nach nach einigen Monaten, spätestens 2 Jahren, behoben sein & dann wieder mehr Fette in die Ernährung eingebaut werden. Außerdem betont sie die Bedeutung von Grünzeug insbesondere während fettarmer Rohkost-Phasen. Einige ihrer Argumente für ausreichend Fett in der Ernährung: fettlösliche Vitamine (D, K, E, A), die nur zusammen mit Fett verstoffwechselt werden können. Fett soll lt. wikipedia nötig sein für gesunde Haut & Haare, um Falten zu verhindern, um die Körpertemperatur zu halten, als Schutz für innere Organe & als Reserve für Notfälle.

Ich glaube, es ist wie immer eine Frage des richtigen Gleichgewichts zwischen zuviel/zuwenig sowie des aktuellen, individuellen Bedarfs. Für mich habe ich in den letzten Jahren festgestellt, dass mir Monomahlzeiten sehr gut tun & ich mich umgekehrt nach dem Essen von viel durcheinander Gemischtem gar nicht gut fühle. Nüsse/Kerne kann ich vielleicht mal, selten, als kleine Monomahlzeit essen, jedoch funktioniert eine befriedigende, sättigende Nur-Avocado-Mahlzeit für mich nicht. Dass ich unbedingt viiiiiel Grünzeug brauche – entweder pur oder zu Früchten oder zu Fett. Insgesamt geht es mir besser mit eher wenig Fett, es gibt jedoch immer mal wieder Phasen, in denen mein Körper nach mehr Fettigem verlangt. Vielleicht ein Zeichen für einen eine Zeitlang nicht gedeckten Bedarf, oder ein Versuch, Entgiftungskrisen, eventuell auch seelischer Art, abzumildern. Wie immer folge ich in jedem Fall dem wahrgenommenen Bedarf & fange nicht etwa an, Kalorien zu zählen, mein Essen zu wiegen, zu analysieren, zu berechnen.

Ach ja, last not least: natürlich gilt bei lfrv genauso: nur Essen allein hält uns nicht gesund, viel Bewegung, Sonne, frische Luft sind auch auch hier wichtig!

Rohkostkonzepte: Instinkto

Wie bei so vielen der bekannten Rohkostvertreter basiert auch das Konzept der Instinktoernährung, begründet durch Guy Claude Burger, auf einer (Krebs-)Erkrankung, von der Burger sich durch Rohkost geheilt hat. Die Instinktos gehen, wie auch die Urköstler, davon aus, dass der menschliche Körper an die Nahrung, die ihm seit Urzeiten zur Verfügung steht, genetisch angepasst ist & nur damit optimal funktionieren kann. An die durch Erhitzen & andere Veränderungen entstehenden Moleküle ist er nicht angepasst & kann diese Stoffe nicht ohne schädliche „Nebenwirkungen“ verstoffwechseln. Zur Nahrungspalette der Instinktos gehören, anders als für die UrköstlerInnen, auch Fleisch, Fisch & Eier. Auch wenn ich dem in keinster Weise zustimme, möchte ich das Instinkto-Konzept hier gern vorstellen, da es einige andere Aspekte betont, die mir beachtenswert erscheinen & die meiner Erfahrung nach auch bei veganer Rohkost eine Rolle spielen.

Die grundlegende Idee der Instinktoernährung ist, wie der Name schon sagt, die instinktgesteuerte Auswahl der Nahrung. Aus der Palette der ursprünglichen Nahrung wird per Geruchssinn das ausgewählt, was gerade am genussvollsten erscheint. Es wird immer mono gegessen und zwar soviel, bis eine Sperre eintritt oder erste Anzeichen von Völlegefühl. Hierbei unterscheiden die Instinktos vier Geschmacksphasen:

  • 1. Die himmlische Phase: das sollte der Normalzustand sein, der zeigt, dass das gerade gegessene Nahrungsmittel optimal für den Körper ist & es einem gut geht. Während starker Entgiftungsphasen verschwindet diese Phase – vielleicht ein Zeichen, dass besser gefastet werden sollte?
  • 2. Die angenehme Phase: es schmeckt noch immer, alles okay.
  • 3. Die unangenehme Phase: es schmeckt nicht mehr, dasselbe Essen ist plötzlich sauer/zu süß/zu bitter oder sonstwie unangenehm. Spätestens jetzt sollte die Mahlzeit beendet werden.
  • 4. Die schmerzhafte Phase: die eintritt, wenn nach der 3. Phase doch weitergegessen wird. Deutlich zu bemerken zum Beispiel bei Ananas.

Optimalerweise sollte nur wilde Nahrung gegessen werden. Bei Zubereitungen/Mischungen funktioniert der Instinkt nicht & sogar bei veredelten/gezüchteten Nahrungsmitteln nur begrenzt; daher sollte bei letzteren nach der himmlischen Phase mit dem Essen aufgehört werden.

Burger geht davon aus, dass das instinktive Erkennen falscher/richtiger Zusammenstellungen durch Geruch & Geschmack nur bei von Geburt an rohköstlich & instinktiv ernährten Menschen funktioniert & hat daher sogenannte Menüführer für die Mahlzeiten entwickelt:

Morgens wird nur Wasser getrunken & Kassia gelutscht, damit der Körper Zeit zum Entgiften hat. Mit dem Essen wird erst Mittags begonnen.

Zum Mittagessen werden zuerst Früchte gegessen, wobei eine Auswahl von mindestens fünf verschiedenen Sorten durchgerochen wird. Es wird die am besten riechende Sorte ausgewählt. Nur wenn eine Frucht gut riecht & einem dabei tatsächlich „das Wasser im Mund zusammenläuft“, darf sie gegessen werden. Wird keine Frucht gefunden, probiert man dasselbe mit Gemüse. Wird auch dabei nichts Appetitanregendes gefunden, wird zu dieser Mahlzeit gefastet. Die ausgewählte Frucht wird bis zum Ende der himmlischen Phase gegessen. Ist danach noch Appetit auf mehr da, riecht man sich nochmal durch die Früchtepalette & wählt ggfs eine weitere Frucht. Gegessen wird bis zu einem Gefühl der Zufriedenheit, jedoch wird nach spätestens drei Fruchtarten die Mahlzeit beendet. Wurden weniger Früchte gegessen, darf man zum Abschluss noch Datteln oder Honig essen – Auswahl auf dieselbe Art, Essensmenge bis zum Ende der himmlischen Phase.

Abends gibt es Eiweiße & Fette. Die vegane Auswahl beinhaltet Nüsse, Kerne, Ölsaaten, Hülsenfrüchte, Pilze, Oliven, Avocados, Safus, Kokosnüsse. Es darf nur eine Sorte Rohkosteiweiß gegessen werden, anschließend gibt es bei Bedarf noch Gemüse (evtl mehrere Sorten nacheinander).

Rohkostkonzepte: Urkost

Dass Rohkost nicht gleich Rohkost ist, es viele verschiedene Ausprägungen & Theorien dazu gibt, ist nichts Neues. Obwohl ich mich in meiner Ernährung ausschließlich an meinem eigenen Bedarf, meinem Befinden, orientiere, nur meinen Bedürfnisse dabei folge & keinerlei von wem auch immer aufgestellten Regeln – & dies auch das einzige „Konzept“ ist, das ich empfehlen kann -, werfe ich doch ganz gern mal einen Blick auf die Meinungen und Erfahrungen anderer. Bei Schwierigkeiten, egal ob beim Beginn einer Rohkosternährung oder später, kann das durchaus ganz inspirierend sein & eventuell wertvolle Hinweise liefern. Ob & wieweit anderer Leute Konzepte für dich passen – das musst du selbst herausfinden. In der nächsten Zeit möchte ich dir ein paar der bekannteren Rohkostrichtungen vorstellen. In jeder davon finde ich Aspekte unserer Art zu essen wieder. Meiner Überzeugung & Ernährungsform am Nächsten kommt wohl die sogenannte Urkost, weshalb ich meine Reihe mit ihr beginne:

Die bekanntesten Vertreter dieser Rohkostrichtung sind Franz Konz (Autor des Buches „Der Große Gesundheits-Konz“), der sich mit dieser Ernährung von Krebs geheilt & den Begriff der Urkost geprägt hat, und Brigitte Rondholz, die die Urkost seit vielen Jahren sowohl im RealLife als auch im Web vertritt. Die Urkost – oder besser: Urtherapie – beinhaltet außer der Ernährung die ebenso wichtige körperliche Bewegung, das sogenannte Urtraining, und eine körperlich & seelisch gesunde, natürliche Lebensweise (mit viel Sonne, Singen, Aufenthalten in der Natur, Barfußlaufen usw – Naturverbundenheit eben). Grundlage dieser Idee ist die Natur: die von der Natur für uns Menschen vorgesehene Ernährungs- & Lebensweise erhält uns gesund. Alles andere (zer-)stört unsere Gesundheit. Krankheitssymptome welcher Art auch immer sind Reaktionen deines Körpers auf krankmachende Einflüsse; Versuche des Körpers, sein Gleichgewicht bestmöglich zu erhalten. Für deine Gesundheit bist einzig & allein du selbst verantwortlich, heilen kann dich nur die Änderung deiner Lebensgewohnheiten hin zum natürlichen, naturgerechten Leben. Weder Medizin noch Naturheilkunde können dir das abnehmen – im Gegenteil, zumindestens erstere zerstört höchstens noch mehr.

Wie essen Urköstler nun also?
Die Urkost setzt sich zusammen aus ca. 70% Früchten (inkl. Fettfrüchten wie Avocado, Kokosnuss etc), ca. 25% Wildkräutern & ca. 5% Samen, Nüssen usw. Auch grünes Bio-Gemüse & Wurzeln können gegessen werden, insbesondere als Ersatz, falls nicht ausreichend Wildkräuter zur Verfügung stehen. Die Nahrung soll optimalerweise möglichst wild & ursprünglich sein (in Wildkräutern & anderen Wildpflanzen sind wesentlich mehr wertvolle Inhaltsstoffe enthalten als in Kulturpflanzen) & wird so naturbelassen wie möglich gegessen. Gegessen wird nach Hunger/Appetit, nicht nach festen Zeiten. Allerdings nicht mehr spät am Abend, denn im Dunkeln würden wir natürlicherweise ja eh nichts zu essen finden.

Austauschmöglichkeit mit anderen Roh- & UrköstlerInnen bietet das Urkostforum.